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Die Restaurierung des historischen Leinewehrs am Maschsee ist abgeschlossen

Die Restaurierung ist beendet. Das Leinewasser kann wieder fließen.
 
Alle paar Jahre wieder macht sich die Leine so richtig breit. Bis das 40fache ihrer normalen Wassermenge kann sie dann mit sich führen.
Hannover: Leinewehr | Wie so viele andere Städte auch, ist Hannover einst an einem Fluss entstanden, der Leine. Im Bereich der heutigen Altstadt gab es an einem erhöhten Uferbereich, der vor Hochwassern sicher war und sich gut für einen Handelsplatz eignete, eine Furt, die die breite Aue durchquerte. Doch überall an Flüssen kam und kommt es zu allen Zeiten zu Hochwassern. So kam es, dass die Stadtväter von Hannover sich Gedanken darüber machten, wie man die Stadt vor diesen am besten schützen könnte. Im 15. Jahrhundert hatten sie die Idee, an der Westseite des heutigen Maschsees einen künstlichen Graben anzulegen, der das Wasser in die 600 Meter entfernte Ihme umleitete, die bis dahin nicht mehr als ein Graben war. Damit wurde das Leinewasser um die Altstadt und die Calenberger Neustadt, die damals das gesamte Hannover ausmachten, herumgeleitet. Durch einen späteren Weiterausbau konnten so bei Hochwassern 90 Prozent des Leinewassers von der Stadt ferngehalten werden. Als sich Hannover im 19. Jahrhundert rasant vergrößerte und ausdehnte, kam es in den neuen Stadtbereichen allerdings immer wieder zu großen Hochwasserschäden. So wurde zum Beispiel kurz nach dem 2. Weltkrieg Linden von den Wassermassen vollkommen eingeschlossen, und es kam zu großen Schäden. Das Landesarchiv am Waterlooplatz stand dabei bis zum ersten Stock unter Wasser. Wertvolle historische Bücher und Dokumente der Stadtgeschichte wurden zerstört oder zumindest stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch heute versucht man die wertvollsten Stücke aufwändig zu restaurieren und zu retten. Und das letzte große Hochwasser liegt auch erst sieben Jahre zurück, bei dem das gesamte Leinetal unter Wasser stand. (Siehe Link unten.)

Um das Leinewasser dem Schnellen Graben, das neuangelegte Verbindungsstück zur Ihme, zuzuführen und den Wasserstand zu kontrollieren, war ein Stauwerk notwendig. Wann das erste genau entstanden ist, ist nicht bekannt. Im Jahr 1474 wurde ein solches, aus Holz bestehend, aber erstmalig erwähnt. 1615 wurden Wehr und Kanal erneuert und ausgebaut. 1671 entstand das erste steinerne Wehr. Damit war die Stadt nun besser vor Hochwassern geschützt. Allerdings nicht Ricklingen. Da das Wasser nun an diesem Dorf vorbeifloss, war dort immer wieder Land unter. So kam es 1717/18 zur großen Wasserfehde. Ricklinger Bauern gingen mit Mistforken auf die Obrigkeit der Stadt los. Der Wasserfehdeweg erinnert noch heute daran.

Das Wehr mit seiner Staustufe brachte einen zusätzlichen Vorteil für Hannover. Bis 1936 hatte es die Aufgabe, einen Mindestwasserstand für die Mühlen der Stadt zu gewährleisten, so dass die Wasserräder immer am Laufen gehalten werden konnten. In Trockenzeiten war man dann nicht mehr auf die Windmühlen angewiesen.

Bei der großen Flut im Winter 1736 konnte das Wehr allerdings nicht standhalten. Zwei Jahre später wurde es dann durch einen massiveren Bau ersetzt. Schon im Winter darauf kam es erneut zu starken Belastungen. 100 Musketiere und 120 Tagelöhner kämpften Tag und Nacht darum, das Wehr zu retten. Aber alle Mühe war vergebens. 1739 war es nicht mehr zu retten.

Von 1742 bis 1745 wurde ein neues, stabileres Wehr mit nun drei Durchflüssen errichtet, das bis heute erhalten ist. Mit 51.000 Talern Kosten, wurde es das bis dahin teuerste Bauwerk der Stadt. 1889 wurde zusätzlich die Laufbrücke zur Überquerung des Flusses angelegt. 1921 kam das Wasserkraftwerk dazu, das 1500 hannoversche Haushalte mit Strom versorgen kann. Auch ein zusätzliches Wehr daneben, das seitdem den Großteil des ankommenden Wassers reguliert.

Nachdem das Wehr 1929 erneut instand gesetzt wurde, war es nun aber wieder marode geworden. Es war nicht mehr bausicher und konnte seine Funktion nicht mehr erfüllen. Wer einmal bei einem hohen Wasserstand der Leine dort war, kann es wohl nachvollziehen. Durch die die Schrägen hinunterrauschenden Wassermassen entsteht eine hohe Beanspruchung. Und so wurde das historische Bauwerk nun über einen längeren Zeitraum von Grund auf restauriert. 1,8 Millionen Euro hat es sich die Stadt kosten lassen. Eine Unterwasserspundwand wurde eingesetzt, Sandsteine durch neue ersetzt. Nach wie vor ist aber viel historische Bausubstanz vorhanden. Auch die Grundbalken im Untergrund. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen und nun kann das Wehr, das neben den anderen drei Wehren Hannovers, an der Döhrener Wolle, am Landtag und das in Herrenhausen, wo zurzeit noch die Wasserkunst restauriert wird, besucht werden. Es ist ein schönes Ausflugsziel, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist. Und bei einer Maschseeumrundung liegt es an der Strecke.

Siehe auch:

- Hochwasser an der Leine

- Eine Radtour entlang der Ihme
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