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Kreuz und quer durch die Eilenriede - Grünanlagen in und um Hannover

Ab in die Natur.
 
640 Hektar Stadtwald inmitten einer Großstadt.
Hannover, Eilenriede: Hannover, Eilenriede |

Hannover wird nicht umsonst "Die Stadt im Grünen" genannt. Und das zu Recht. Wohl kaum in einer anderen Stadt gibt es so viele Grünanlagen wie in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Ob herrlicher Buchenwald inmitten des Großstadttrubels, ob an zahlreichen Seen, von denen der Maschsee bis an das Zentrum heran reicht, den großen Gartenanlagen in Herrenhausen, den vielen Parks, oder an Leine, Ihme oder Mittellandkanal. Überall grünt es und lädt den Spaziergänger oder Radfahrer dazu ein, diese grünen Stadtinseln zu erkunden. Natürlich sind den Bewohnern die bedeutendsten Grünanlagen bekannt, die eine oder andere aber auch nicht. Mit einer Reihe, in der die Beiträge unregelmäßig erscheinen, möchte ich diese Grünbereiche vorstellen. In diesem Bericht geht es um einen der schönsten Stadtwälder überhaupt.


Kreuz und quer durch die Eilenriede

Wer in Hannover Ruhe und Stille sucht und mal vom Großstadttrubel abschalten will, wo hält der sich am liebsten auf? Natürlich in der Eilenriede. Es gibt zwar auch andere Wälder im Stadtgebiet, die ebenfalls ihre Reize haben: die Seelhorst, den Misburger Wald, das Bockmerholz, die Gaim oder die Mecklenheide. Aber am schönsten ist eben doch die Eilenriede, die etwa die Hälfte der hannoverschen Waldflächen ausmacht und die am meisten zu bieten hat.
Man kann unter herrlichem Eichen- und Buchengrün einen ausgedehnten Spaziergang machen. Man kann mit dem Fahrrad jeden Winkel erkunden und entdeckt dabei immer Neues. Man kann seine Jogginschuhe anziehen und auf schmalen Waldpfaden mal so richtig durchschnaufen. Man startet mit den Inlinern am Lister Turm und gleitet nach Steuerndieb hinüber. Oder man findet sich mit den Kindern auf einem der zahlreichen Waldspielplätze ein. Egal was es auch ist. Bewegung, schöne Anblicke und eine klare Luft, fernab vom Autoverkehr, sorgen für ein Wohlfühlgefühl.
Eindeutig am schönsten ist unser Stadtwald im April, wenn die Bäume ihr Blätterwerk erst zu entfalten beginnen. Dann haben die Bodenpflanzen ihren großen Auftritt. Und was ist das für einer! Wenn die Buschwindröschen flächendeckend blühen und den Waldboden weiß sprenkeln, mancherorts in kleineren Gruppen auch gelb. Wenn das Scharbockskraut an den Wegrändern für Farbe sorgt, und erst recht der Lerchensporn, der in einigen Gebieten ebenfalls große Flächen für sich in Anspruch nimmt. Die Farbpalette weiß und lila durcheinander gemischt. Dann meint man nicht mehr in einem normalen Wald unterwegs zu sein, sondern in einem Märchenwald der Gebrüder Grimm. Und dann ergeben sich Anblicke, die das Herz eines jeden Naturliebhabers höher schlagen lassen, die einem Gemälde gleichen. Immer wieder bleibt man stehen, lässt dieses Naturwunder auf sich wirken oder genießt es von einer Bank aus.
In erster Linie sind es breite Wege, die unseren Stadtwald kreuz und quer durchziehen. Nach meinem Geschmack gibt es sogar zu viele davon, und es wurde auch schon damit begonnen, überflüssige Wege zu renaturieren. Doch am reizvollsten sind eben nicht diese, sondern eher die engeren Pfade, die für mehr Natürlichkeit sorgen. So zum Beispiel am Landwehrgraben entlang. Dort hat es so manchen Baum dahingerafft, der sich als Jüngling zu nah ans Ufer vorgewagt und irgendwann seine Standfestigkeit eingebüßt hat. Der Schwerkraft folgend ist er über den Bach gestürzt. Zum Teil wird der Wald dann wieder aufgeräumt. Forstwirtschaft und Waldpflege müssen natürlich sein. Ein zu aufgeräumter Wald ist vielleicht für manchen Hannoveraner erstrebenswert, der in seinem Garten den Zierrasen vermutlich mit der Nagelschere schneidet und sorgfältig jedes „Unkraut“ zupft. Doch wesentlich natürlicher ist natürlich der Wald, der nicht ständig gepflegt wird, in dem Totholz liegenbleiben darf, da es Lebensraum für Insekten bietet, die wiederum den zahlreichen Fledermäusen und Vögeln als Nahrung dienen. Und wer möchte schon einen Wald ohne Vögel haben?
Und dann gibt es noch die Gebiete, in denen die Natur wirklich Natur sein darf. Sie machen etwa 10 Prozent der Waldfläche aus. Finden kann man sie in der südlichen Eilenriede zwischen Bischofshol, Kirchrode und Kleefeld. Dort wurde der Grundwasserspiegel angehoben. Dort steht der Wald teilweise unter Wasser. Dort dürfen umgestürzte Bäume liegenbleiben. Und dort kann sich die Natur frei entfalten. Es sind die Bereiche der Eilenriede, die biologisch am wertvollsten sind, die in Zukunft vielleicht irgendwann einem Urwald gleichen werden und die der Lebensraum für Amphibien und andere Kleintiere sind. Sie tragen zur Arterhaltung bei und erfüllen damit eine wichtige Aufgabe. Es wäre erfreulich, könnten diese Gebiete noch ausgeweitet werden.
Der eine mag es also aufgeräumt, der andere lieber wild. Aber für jeden Geschmack ist das Passende dabei, und jeder kann sich in der Eilenriede das Waldgebiet aussuchen, in dem er sich am liebsten aufhält.
Ebenso ist es auch mit den verschiedenen Jahreszeiten. Der eine mag lieber den Sommer, der andere Frühling und Herbst, und noch ein anderer vielleicht den Winter. Besonders eindrucksvoll ist natürlich auch der Herbst, wenn sich das Blätterdach bunt einfärbt und es von oben rieselt. Und auch so mancher Wintertag hat seinen Reiz, wenn die Bäche und die unter Wasser stehenden Gebiete zu Eis erstarrt sind. Egal wann und wo auch immer. Die Eilenriede hat eine Menge zu bieten, ist ein Erholungs- und Naturschutzgebiet von unschätzbarem Wert. Und es ist etwas ganz Besonderes, einen solchen Wald inmitten einer Großstadt zu haben.


Siehe auch: Naturwaldbereiche in der Eilenriede
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