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Ernst Ludwig KIRCHNER: „Kunst ist stete Verwandlung" – Vom Expressionismus zur Neuen Moderne (1. Teil)

Selbstbildnis Ernst Ludwig KIRCHNER 1925/26. Vgl. S. 280 - Kat. 128 Retrospektive Städel Museum Frankfurt. Als moderner Künstlertyp interessierte sich E.L.K. stets für Neues im Kunstbetrieb. Lebenslauf, tabellarisch weiter unten - ANHANG. (Quelle Städel.)
 
Verrückt: 82 Millionen Euro für das PICASSO-Bild "Nu au plateau de sculpteur" (Nackte, Grüne Blätter und Büste) aus dem Jahr 1932. a&s-Malerei W.H.
 
KIRCHNERs „Straßenszene“ wurde 2006 bei Christie’s (NY) für "nur" ca. 30 Mill. Euro versteigert. Zur Nazi-Raubkunst und "causa Kirchner" siehe Artikeltext. a&s-Malerei W.H.
 
Städel Museum mit E.L.K.-Blitz. a&s-Malerei W.Hahn 6/5/10.
 
STÄDEL-Direktor Max Hollein über die Kirchner-Retrospektive. Siehe Video-Hinweis im Text. a&s-Malerei.
 
Kurator der E.L.K.-Retrospektive Dr. Felix KRÄMER vor dem Triptychon "Badende Frauen" (1915/1925). Video Städel - siehe Link. a&s-Malerei.
 
Tryptychin "Badende Frauen" - rechte Tafel (Kat. 80; Quelle Städel.)
Kirchner äußerte 1917 über Kirchner: "Ich stelle einen neuen Kirchner auf. Kunst ist stete Verwandlung." Er hatte 12 Jahre zuvor die Künstlergruppe "Brücke" mitbegründet: Ernst Ludwig Kirchner ist als einer der Namen bekannt, die im Jahr 1905 die Künstlervereinigung die „Brücke“ gründeten. Neben E.L.K. gehörten Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl zu den wichtigsten Repräsentanten des deutschen Expressionismus. In seiner frühen Schaffensphase fertigte Kirchner vor allem Akte, Porträts, Zirkus- und Bühnenszenen an. Später wurde sein Stil zackiger und bedeutende Großstadt- und Landschafts-Bilder entstanden. Aufgrund einer Chronik über die „Brücke“ trug Kirchner zu deren endgültiger Auflösung im Jahr 1913 bei.

Als moderner Künstlertyp interessierte sich E.L.K. stets für Neues im Kunstbetrieb. So besuchte er 1910 als Expressionist in Berlin z.B. eine Matisse- und Cézanne Ausstellung (Galerie Paul Cassirer) – mit wegweisenden Erfahrungen, die er künstlerisch später verarbeitet hat. 1912 sah E.L.K. in der Sturm-Galerie Werke futuristischer Künstler.

1917 siedelte der Maler – also VOR dem entarteten Nazi-Reich (!) - nach Frauenkirch bei Davos um. 1923 bezogen Kirchner und Lebensgefährtin ERNA (Kat.-Bild 88 (S. 173) „Kopf Erna“ 1916/17 – siehe Artikel-Bilderstrecke) ihr letztes gemeinsames Domizil auf dem Wildboden (vgl. Kat. 124, S. 183). (Vgl. Lebenslauf, tabellarisch weiter unten - ANHANG.)

Als Felix KRÄMER vor zwei Jahren die Stelle des Leiters der Gemälde- und Skulpturensammlung 19. Jahrhundert und klassische Moderne im Frankfurter STÄDEL- Museum antrat und erstmals im Depot dem umfangreichen hauseigenen Bestand an Werken von Ernst Ludwig KIRCHNER (1880-1938) begegnete, stand für ihn fest, "dazu will ich eine Ausstellung machen". Schließlich besitzt das Haus die weltweit größte Sammlung von Werken des in Aschaffenburg geborenen Künstlers, dessen Beziehungen sowohl zur Stadt Frankfurt als auch zum Museum sehr eng waren.

Vom 23. April bis zum 25. Juli 2010 zeigt das Städel nun eine umfassende RETROSPEKTIVE von Kirchners Werk, wie sie seit rund dreißig Jahren in Deutschland nicht mehr zu sehen war. Zu einer guten Einführung in die Schau, siehe das Städel-Video http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=8... (Mit Direktor Max Hollein und Kurator Dr. Felix Krämer.)

Auf die im Februar mit einem Besucherrekord zu Ende gegangene „Botticelli“- Ausstellung folgt nunmehr die nächste «Blockbuster»-Schau im Städel: Sie wird im Ausstellungsgebäude gezeigt; das Haupthaus ist im Zuge des großen Erweiterungs-Umbaus geschlossen. „Ich staune über die Kraft meiner Bilder im Städel“, notierte E.L.K. 1925 als vielsagenden Satz in sein Tagebuch (21.12.1925). Er war zuvor von seinem Schweizer Wohnort Davos 1925/26 wieder einmal nach Deutschland gereist und besuchte Frankfurt: 3 Gemälde in der Städtischen Galerie. Das Städel hatte 1919 als eines der ersten Museen Kirchner-Werke gekauft.

Heute besitzt das Städel mit allein 15 Gemälden, 2 Skulpturen und 100 Zeichnungen eine der bedeutendsten Sammlungen des Gründungsmitglieds der Künstlervereinigung „Brücke“. Diese Sammlung verdankt das Museum vor allem dem Nachlass des Frankfurter Kunstsammlers Carl Hagemann: vgl. Kat.-Bild 137 von 1928/33, S. 212; Kommentar S. 282 zum monumentalen Schenkungsbild. Das Gemälde wurde gemalt nach einem Photo. Dr. H. war Kirchners Mäzen und einer seiner wenigen Vertrauten.

«Kirchner war eine hochkomplexe, egozentrische Person und ein hochsensibler Künstler», sagt HOLLEIN über Kirchner, der sich 1938 bei Davos mit zwei Schüssen ins Herz das Leben nahm. Kirchners Selbstinszenierung als Künstler ist Ausgangspunkt der Schau, wie Kurator Felix KRÄMER sagt. Bei einem Ausstellungs-Besuch sollte/kann man sich im Untergeschoss den Web-Film zur Retrospektive anschauen. Im Eingangsraum zur E.L.K.-Schau ist „Kirchner in Zitaten“ zu sehen; ebenda auch ein Papier kostenlos mit Zitaten (deutsch & englisch, 4 Seiten) zum mitnehmen. Hier ist u.a. auch zu lesen, dass sich E.L.K. „unzählige Male neu erfand“ und er unter dem Pseudonym „Louis de Marsalle“ lobende Kritiken über sein Werk geschrieben hat.

In der lesenswerten Zitatensammlung steht auch (von 1925): „DIX ist ekelhaft, weil gar keine Kunst, ebenso BECKMANN unmöglich“. Beckmann hat ebenso wie E.L.K. die Frankfurter Fußgängerbrücke Eiserner Steg gemalt; siehe Kat. S. 164 Nr. 91 (von 1916), Kommentar S. 270 und Kat. S, 225, Abb. 3 (Max Beckmann-Gemälde von 1922 – Sicht auf Sachsenhausen analog zu E.L.K. 1916). Katalog (Nr. 130, S. 194; 1926 Kunstmuseum Bonn) & Ausstellung zeigen den dominierenden Steg mit dem Frankfurter Dom im Hintergrund. Zum Bild meine a&s-Malerei-Serie „Museumsufer neomodern“. Dass der Steg E.L.K. & M.B. fasziniert haben, kommentiere ich mit meiner Bildergalerie hommageartig - ars evolutoria vom Mainufer & Brücken. Gemälde „Frankfurter Dom“, 1916, S. 228 im Katalog, Abb. 10.

Sicher unbegründet notierte E.L.K. 1920 über den Tiermaler Franz MARC ins Tagebuch: „(…) MARC ist überhaupt indiskutabel. Kitsch á la KANDINSKY. Wie wenig müssen die Herren Kunsthistoriker sehen und fühlen, dass sie solches überhaupt ansehen können“.

Zu F.M. siehe die bebilderten Beiträge von mir:
Am 6.3.09 (bisher 2162 mal gelesen): http://www.myheimat.de/gladenbach/kultur/franz-mar...
Am 28.2.09 (bisher 797 mal gelesen): http://www.myheimat.de/gladenbach/kultur/die-trans...

Modernes STIL-Empfinden

Für ein „international modernes Stilempfinden“ plädierte Kirchner 1933; er hatte bis 1934 eine Entwicklung zur Abstraktion durchgemacht, wie es Kirchner-Kenner Lucius GRISEBACH beschrieben hat: E.L.K. sei kein KANDINSKY gewesen, der abstrakt dachte und komponierte und auch kein PICASSO, schreibt der Autor in (1). Im Kapitel „Der stilbewusste Künstler“ erklärt L.G., wie sich der Prozess der Bildfindung bei Kirchner vollzogen hat: Autonome KUNSTFORM ist bei E.L.K. nicht „Widerspiegelung, sondern bildnerisches Äquivalent der Naturform, das sich aus der Logik des Bildes erklären muss“. Zeichnung als „Hieroglyphe“ (E.L.K. – „exstatisches“ Erfassen von Bewegung) transponierte der Maler in Malerei und Druckgraphik; ein Nicht-Abbilden-Wollen, das zum Baustein „freier Schöpfungen aus der reinen Phantasie“ werden sollte. Das Bilder-nach-der-Natur-Machen mutierte zum Bilder-aus-der-Phantasie-Machen. (S. 176/177.) Was E.L.K. als „Form höherer Ordnung, als abstrakte Form“ verstanden wissen wollte, analysierte L.G. am Beispiel der „REITERIN“ von 1931/1332 (200x150 cm Davos Kirchner Museum; S. 185f. Bild S.186). Dazu später mehr; Diskussion eines Bildes des Artikels: „Deutsche Schüsse in Davos“. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung & FAZ v. 26.4.2010 plus 1928/29-Gemälde „Reiterin mit gestürztem Pferd“ (S. 282 (Kat. 138) – Städelschau).

NACKTHEIT ohne Mythologie & Allegorie

Auffällig ist bei Kirchner-Ausstellungsbesuchen und in der Literatur über E.L.K., dass der Maler viel und gerne badende Frauen gemalt hat; nicht inszenierte Nacktheit ohne Mythologie & Allegorie wie in früheren Kunstzeiten – als „Viertelstundenakte“ (stehend, liegend), Badeszenen in freier Natur, auch als „Kokotten“-Dirnen-Kurtisanen und in freiem Umgang mit Sexualität. Sehenswert ist die 7-teilige Reihe von freizügigen (fast) pornographisch-voyeuristischen Darstellungen des Geschlechtsaktes (Serie „EROTICA I“ von 1910) in Frankfurt. Ein Bild der Serie wurde im Katalog abgebildet - Nr. 32/S. 88. Auf S. 255 mehr zur 8-teiligen Erotica-II-Serie.

Erstmals seit 1933 ist auch in der Schau das monumentale Triptychon der Badenden - mit Leihgaben aus Privatbesitz, dem Kirchner Museum Davos und der National Gallery Washington - wieder zusammengeführt zu sehen. Das Triptychon „Badende Frauen“ (Kat. 78 - S.152/267 – von 1915/25 – siehe Bildergalerie zu meinem Artikel) hat E.L.K. als „eines meiner besten Bilder“ beurteilt. Es dominieren in den 3 Bildern kontrastierende Farbflächen (gelb/orange – blau/violett) miteinander, die Kirchner seit 1925 als wichtigstes Merkmal seines „neuen Stils“ verstanden hat. Interessant ist besonders auch die rechte Tafel des 3teiligen Bildes, auf der E.L.K. den Oberkörper einer Nackten von vorne – den Unterkörper aber von hinten – um 180 Grad gedreht – dargestellt hat. (Vgl. Bilderserie.)

E.L.K. als „Fabrikmarke“ und das Institut "Moderner Unterricht in Malerei"

Zu erwähnen ist: 1911 gründete Ernst Ludwig Kirchner das Institut "Moderner Unterricht in Malerei" (2); zur Städel-Malschule a.a.O. mehr. Ebenda auch der Hinweis auf eine informative bebilderte Publikation für SchülerInnen ab 12 (44 Seiten). S. 42 ebenda auch mehr zu KIRCHNER, der es ablehnte, „Expressionist“ genannt zu werden, über das dramatische (ausweglose) Ende des EX-Expressionisten, der unter der Nazi-Terror-Ideologie „Entartete Kunst“ schwer erkrankte (Darmkrebs ?) und verzweifelte. Durch die Aktionen des nationalsozialistischen Regimes hatte E.L.K. sein öffentliches Ansehen verloren (…).

„Die Fabrikmarke meiner Kunst ist E.L. Kirchner und nichts weiter (…) und es ist bis heute noch keinem eingefallen, mich Expressionist zu nennen schrieb E.L.K. 1924 in einem Brief an Georg Schmidt. Mit den Vorwürfen „fratzenhafte Verzerrungen“, „Farbenirrsinn“ „grotesker Scherz“ etc. gegen die Kunst des Expressionismus wurden schon 1910 (vor den Nazis) Brücke-Bilder verspottet. (Siehe Kat. S. 71 f.) Kirchner bekannte 1933 – 5 Jahre vor seinem Selbstmord-Tod in Davos als 58-Jähriger -, dass „HITLER bei seinem Kampf gegen die Moderne dem Irrtum verfallen ist, alle Künstler die heute um die 50 sind und modern schaffen mit GROSS und KOLLWITZ zu identifizieren, wo doch ich und die ehemaligen Brückeleute z.B. nie die Kunst mit Politik vermischt haben. Ich z.B. auch nie einer Partei angehörte. (Brief an Hagemann, 20.6.1933)

In FAZ-Beiträgen befasste ich mich mit E.L. Kirchners sich tatsächlich wandelndem Kunststil und dem Leben unter dem Nationalsozialismus. Ich versuchte Antworten zur Frage zu geben, warum sich der bedeutende Künstler bei Davos 1938 erschossen hat. (3)

Warum wollte KIRCHNER kein EXPRESSIONIST sein und erschoss er sich 1938?

Der „Brücke“ (1905)-Mitbegründer E. L. KIRCHNER war Kriegsfreiwilliger bis 1915. 1937 schloss ihn die Preußische Akademie der Künste aus; seine Werke wurden beschlagnahmt. Der Maler hat Kollegen fälschlicherweise und in abwertender Absicht als „Juden“ bezeichnet. War er ein Antisemit? Das berühmte Gemälde E.L.K.s „Berliner Straßenszene“ aus dem Jahr 1913 macht/e als „causa Kirchner“ Schlagzeilen: 1936 wurde es von der Witwe Tekla HESS (ihr Mann war Förderer & Sammler expressiver Kunst) unter dem Druck des Antisemitismus (Gestapo) verkauft und ein Fall von „Raubkunst“. Der Frankfurter Sammler Carl HAGEMANN erwarb das Bild 1936. Es geriet durch Schenkung an E. HOLZINGER (Städel-Direktor; als Dauerleihgabe) & Veräußerung (1980, 1,9 Mill. DM) an die Stadt Berlin (Brücke-Museum). Die Enkelin von A. &. T. HESS stellte weitere Rückgabeverlangen: Offene Restitution für „Das Urteil des Paris“, 1912 (Wilhelm Hack M., Ludwigshafen) und „Leipziger Straße mit elektrischer Straßenbahn“, 1914 (Folkwang M. Essen). Die „Straßenszene“ wurde 2006 bei Christie’s (NY) für ca. 30 Mill. Euro versteigert. (Vgl. Bildergalerie.) Die F.A.S. berichtete über ein Skizzenbuch-Bild (undatiert), das einen Vorbeimarsch mit Hitlergrüßen (an NAZI-Funktionär Davos?) darstellt. (Vgl. (4); auch wikipedia zur „causa Kirchner“; http://de.wikipedia.org/wiki/Causa_Kirchner)

Am 23. April 2010 kommentierte ich in (1) weiterhin:

REVITALISIERUNG durch eine 2., 3., 4., 5. (…) MODERNE statt EVOLUTIONisierung?

„Nerven für das Neue“ – Kunsterneuerung und kulturellen Symmetrie-„Bruch“ – fordert E. BEAUCAMP in der FAZ (8.1.10). Der Städel-Rückblick für E. L. KIRCHNER – Nazis mit Hitlers “Entartetet Kunst“ schändeten E.L.K. - habe „Potential für die Zukunft“. Größen-Ich und radikaler Geniekult wird auch Neo Rauch attestiert (vgl. „taz“). Leider muss man als Künstler (oder Antikunst-K. & Nicht-Kunst-als „Kunst“-K.) heutzutage auch zur „Fabrikmarke“ des Kunsthandels werden, um beachtet zu werden. Dass sich ein innovativ-origineller Künstler „ständig“ über den „Stand der Moderne“ informiert, ist eine Selbstverständlichkeit. „Forcierte Modernität“ als EVOLUTIONISIERUNGs-Merkmal im „Malerei-Stammbaum“ ist nötig. „Vorreiter einer zweiten und dritten Moderne“ titelt R.-M. Gropp im Text: „Umgemodelter Art-déco, Abstraktion, unentschieden aufgelöste Figürlichkeit, schrille Farben und Kontraste“ sind als evolutionäre Bifurkationen zu sehen. Ist E.L.K.s Werk für das Zeitgenössische HEUTE relevant? - „Die Zeit (…) bricht gerade an“? Eine reflexive 2. & 3. Modernisierung ist wohl als kunstgeschichts-philosophisches Konstrukt zur Revitalisierung gedacht? Heinrich KLOTZ’s 2. Moderne mutierte zur Postmoderne/Spätmoderne. Ist die Moderne ENDLOS?

P.S.:
In einem 2. Teil dieses DOPPEL-Artikels werden die Themen „Warum hat E.L.K. den Freitod 1938 gesucht“ und „Zum rätselhaften Gemälde ‚Reiterin mit gestürztem Pferd’ näher erörtert.

LITERATUR & Anmerkungen

(1) GRISEBACH, Lucius: ERNST LUDWIG KIRCHNER 1880-1938. Köln 1999.

(2) 1911 gründete Ernst Ludwig Kirchner das Institut "Moderner Unterricht in Malerei". Wie in seiner Malschule können sich Kinder im offenen STÄDEL-Atelier der experimentellen Malerei und ungewohnten künstlerischen
Techniken widmen: Alter: ab 4 Jahren. Termin: jeden Sonntag, 14.00-17.00 Uhr während der Ausstellung "Ernst Ludwig Kirchner. Retrospektive". Kosten: die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten; Treffpunkt: Städel Ateliers.

„Eine Einführung in die Ausstellung – ab 12 Jahren“ zur E.L.K.-Retrospektive (Publikation mit 44 Seiten) sollte Schüler besitzen.

(3) GROPP, Rose-Maria: Ein Mann mit Nerven für das Neue. (Kirchner-Ausstellung im Städel): In Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.4.10.

(4) RICHTER, Peter: Deutsche Schüsse in Davos. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung & FAZ v. 26.4.2010.

ANHANG

Lebenslauf Ernst Ludwig KIRCHNER

1880
E.L.K. wird am 6. Mai geboren in Aschaffenburg - als Sohn einer Papier-Chemikers; 1886 Umzug nach Frankfurt, dort Einschulung.

1889
Berufung des Vaters als Professor an die Gewerbeakademie, Chemnitz. 1890 E.L. besucht die Volksschule.

1901
Abitur in Chemnitz - Beginn eines Studiums der Architektur an Technischen. Hochschule Dresden; bringt sich das Malen bei.

1903
Diplomvorpüfung als Architekt. Zweisemestriges Studium "Lehr- und Versuchs-Atelier f. angewandte und freie Kunst", München.

1904
Aufgabe des Architekturstudiums. Sieht in München Dürer- und Rembrandt-Werke. Freundschaft mit Ernst Heckel.

1905
Prüfung zum Diplom-Ingenieur. Mitbegründer der Künstlergruppe "Brücke" (mit E. Heckel und K. Schmidt-Rotluff) in Dresden. 1. Brücke-Ausstellung Leipzig, Buchhandlung P.H. Beyer & Sohn.

1907-1909
Malt im Sommer Moritzburger Teiche bei Dresden. E.L.K. beginnt Holzskulpturen zu schnitzen. Sieht 1909 Matisse- & Cézanne-Schau in Berlin (Galerie Paul Cassirer).

1907
Entwicklung eines eigenen Stils.

1908
Fehmarn-Aufenthalt. Kontakt mit der Kunst der Fauves.

1910
Künstlergruppe "Brücke" zieht von Dresden nach Berlin. Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Zeichnet Skulpturen im Völkerkunde-Museum in Dresden von den Paula-Inseln in der Südsee.
1911
Übersiedlung nach Berlin; Kontakte zur Kunstgruppe "Sturm"; Hauptthema seiner Bilder wird das Großstadtleben. Lernt Erna Schilling kennen und deren Schwester Gerda.

1912
Beteiligung an „Blaue Reiter“-Ausstellung in München & Berlin. Teilnahme Sonderbundausstellung (Fresko), Köln . Lernt Edvard Munch persönlich kennen..

1912/1913
Erna wird seine Geliebte. Kirchner erhält Auftrag zur Chronik.
1913
Verfasst Chronik der Brücke - Auflösung der Künstlergruppe "Brücke"; Gemälde "Die Straße" und "Fünf Frauen auf der Straße".

1914
Meldung zum Militärdienst; Gemälde "Der Maler mit einem Mädchen". Lernt Oskar Schlemmer kennen.

1915
Militärische Ausbildung in Halle; Lebensangst; Gemälde "Der Maler als Soldat"; Zusammenbruch und Aufenthalt in einem Sanatorium im Taunus; Königstein

1917
Übersiedlung nach Frauenkirch bei Davos in die Schweiz. Morphium- und Veronal-Abhängigkeit. Kontakt mit Henry van de Velde.

1918
Hauptthema seines Werkes werden schweizerische Landschaften. Bezieht mit Erna Schilling Bauernhaus in den Lärchen/Davos. Schreibt das „Glaubensbekenntnis eines Malers“. 1919: Hauptthemen Berglandschaft & Bergbauern-Leben. 1. Aufsatz unter dem Pseudonym Louis de Marsalle.

1921
Morphiumabhängigkeit überstanden. Gemälde "Davos im Schnee" und "Wohnzimmer"; Vater stirbt.

1923
Ausstellung in Kunsthalle Basel – Umzug in altes Bauernhaus auf dem Wildboden in Frauenkirch/Davos. 1924 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Kunstschriftsteller Will Grohmann.
1925
Teilnahme Internationale Kunstausstellung, Dresden; Gemälde "Die Maler der Künstlervereinigung 'Brücke'". Sieht Werke Pablo Picassos in Zürich, besucht Frankfurt zweimal.

1925 - 1930
Macht einen Besuch bei Max Liebermann in Berlin. Rückreise über Frankfurt 1926. Rückschau der Kunstgesellschaft Davos: „Kirchner 10 Jahre in Davos“ (Ausstellung 1926).

1926
Beginn der abstrakten Malerei; Teilnahme Internationale Kunstausstellung, Dresden. Will Grohmann veröffentlicht 1. Monografie über Richters Gesamtwerk.

1927
Auftrag Ausgestaltung Festsaal Museum Folkwang in Essen, der nicht realisiert wird; Direktor Ernst Gosebruch wird 1933 durch Nationalsozialisten entlassen.

1922 - 1938
Zusammenarbeit mit der Weberin Lise Gujer; Bildteppiche & Kissenplatten entstehen nach E.L.K.s Entwürfen. Großer Hagemann-Teppich von 1928/32 im Städelmuseum.

1931
Ernennung zum Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste, Berlin; Reise nach Frankfurt und Berlin. Bereitet 1932 große Retrospektive vor, die 1933 in Bern stattfinden wird. Im Katalog letzter Aufsatz unter Pseudonym L. de Marsalle. 1935 Abkehr von der Abstraktion.
1937/38
639 Werke werden 1937 als entartet aus den Museen in Deutschland beschlagnahmt. München: 32 Arbeiten Kirchners sind in der Ausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen. K. wird aus der Preußischen Akademie ausgeschlossen.
E.L.K. leidet unter der Diffamierung seiner Kunst, befürchtet Einmarsch der Wehrmacht von Österreich aus in die Schweiz.

1938
am 15.06. Selbstmord in Frauenkirch bei Davos unweit seines Hauses; zerstört vorher Druckstöcke & geschnitzte Objekte. Soll auf eigene Bilder geschossen haben.

(ANHANG unter Berücksichtigung von Biografie-Daten im Katalog zur Städelschau, S. 289 ff. und von GRISEBACH, Lucius: ERNST LUDWIG KIRCHNER 1880-1938. Köln 1999 (S. 193 ff.).)
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W. H. aus Gladenbach | 10.05.2010 | 11:36  
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