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Nationalsozialismus und freie Gewerkschaften - DGB zeigt Ausstellung im Café Rühl in Gießen

Ausstellungsflyer des DGB Mittelhessen (Foto: DGB-Region Mittelhessen)
 
Ausstellungsflyer des DGB Mittelhessen (Foto: DGB-Region Mittelhessen)
Gießen: Cafe Rühl | Pressemitteilung des DGB-Mittelhessen

Am 2. Mai 1933 stürmte die SA bundesweit die Gewerkschaftshäuser, verschleppte, folterte und ermordete ihre Funktionäre und zerschlug die Gewerkschaften. Weil sich der Termin in diesem Jahr zum 80. Mal jährt, veranstaltet der DGB vom 11.-22. März im Café Rühl am Marktplatz eine Ausstellung. Gleichzeitig wird es ein Rahmenprogramm mit Abendveranstaltungen geben.

„Wer eine Ausstellung über die gewerkschaftliche Politik nach der Machtübernahme der Nazis am 30. Januar 1933 präsentieren will, der muss von Anpassung bis an den Rand der Selbstaufgabe berichten“, sagt Matthias Körner, Geschäftsführer des DGB Mittelhessen. „Wir wollen mit der Ausstellung die Frage stellen, wie es zur Zerschlagung und zur kampflosen Aufgabe der eigenen Organisation kommen konnte“. Gewerkschaften aller Richtungen hatten auf eine Politik des Stillhaltens gesetzt. Zwar wurde gegen gewaltsame Übergriffe durch die Nationalsozialisten protestiert. Doch diese Proteste waren verbunden mit Erklärungen zur Einordnungsbereitschaft in den neuen Staat. Am 1. Mai 1933 riefen die Gewerkschaften sogar zu gemeinsamen Kundgebungen auf, nachdem die NS-Regierung diesen Tag – in Verkehrung der Tradition der internationalen Arbeiterbewegung – zum „Tag der nationalen Arbeit“ erklärt hatten.

Am Vormittag des 2. Mai wurden mit einem Schlag alle wichtigen Gebäude der freien Gewerkschaften von SA- und SS-Trupps besetzt. In Verhaftung, Folter und Mord tobte sich der Hass der Nazis gegen die überwiegend sozialdemokratisch orientierten Gewerkschaften aus. „Nur drei Monate nachdem die Nazis in Deutschland an die Macht gekommen waren, gehörten Gewerkschafter zu den ersten Opfern“, fasst Körner zusammen. „Es gehört zur Tragik unserer Geschichte, dass auch Gewerkschaftsfunktionäre anfangs geglaubt hatten, sie könnten mit den Nazis zum Wohle der Arbeitnehmer zusammenarbeiten“. Die Auseinandersetzung mit dem 1. und 2. Mai 1933 bildet für den DGB den Anlass für das Gedenken an die Kollegen, die der Barbarei des Nationalsozialismus zum Opfer fielen.

Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr im Cafè Rühl, Marktplatz 1 in Gießen, zu sehen. Zur jeweils vollen Stunde werden Führungen angeboten. Rundgang und Führungen sind kostenlos. An einigen Terminen wird es ab 19 Uhr ein kulturelles Abendprogramm geben: Ausstellungseröffnung ist am Montag (11. März). Am darauffolgenden Dienstag (12. März) referiert der Geschäftsführer des Eintracht-Museums, Matthias Thoma, über den Zusammenhang von Nationalsozialismus und Fußball. Die regionale Geschichte wird der Historiker und Publizist Jörg-Peter Jatho am Mittwoch (13. März) beleuchten. Der Bundesvorsitzende der VVN, Dr. Ulrich Schneider, wird am Donnerstag (14. März) die Frage stellen, mit welchen Argumenten die Neue Rechte auf die aktuelle Krise reagiert. Kultureller Höhepunkt der Veranstaltung ist der Auftritt von Erich Schaffner und Georg Klemp, die am Samstag (16. März) antifaschistische Satiren und Lieder von 1933 und 1945 darbieten werden. „Wir freuen uns über alle Interessierten, die sich mit diesem Abschnitt der politischen Arbeiterbewegung und der deutschen Demokratie auseinandersetzen wollen“, sagt Körner.
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