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"Wachsen ja - aber bitte nur gut geplant"

Erster Bürgermeister Michael Wörle (Foto: Stadt Gersthofen)
 
Die neue Kita Via Claudia (Foto: Marcus Merk)
 
Auch 2017 gibt es wieder den Silvesterlauf (Foto: Oliver Reiser)
 
Neubau Mittelschule Gersthofen (Foto: Marcus Merk)

Im Interview nimmt Bürgermeister Michael Wörle Stellung zu den wichtigsten Themen 2017 in Gersthofen

myheimat: Das Jahr 2017 endet entgegen aller Erwartungen nun doch mit dem traditionellen Silvesterlauf. Welche Bedeutung hat die Erhaltung dieses Ereignisses für Gersthofen und inwiefern unterstützt die Stadt nun gezielt die Organisatoren?

Michael Wörle: Der Silvesterlauf zählt zu den festen Terminen in unserer Jahresplanung und das bereits seit Jahrzehnten. Als ältester Silvesterlauf Deutschlands hat er auch überregional einen hohen Stellenwert. Mir lag daher viel daran, das Event in Gersthofen zu halten. Nach mehreren Gesprächen mit den Veranstaltern und Verantwortlichen konnten wir eine Lösung finden, wie die Organisationslast auf mehreren Schultern verteilt wird. Wir unterstützen den Lauf nun bei internen Genehmigungsverfahren und mit umfangreichen Bauhofleistungen. Und ganz persönlich wird es der Jahresabschluss meiner Laufsaison sein.

myheimat: Mittels eines Bürgerentscheids sollte eine Einigung in der Streitfrage über den Abriss der Strasser-Villa herbeigeführt werden. Wie empfanden Sie die Resonanz auf den Entscheid und ist die Frage nach der Zukunft des Gebäudes nun endgültig geklärt?

Wörle: Ich habe mich erst einmal darüber gefreut, dass wir das Quorum erreichen konnten. Insgesamt haben 51,5 % aller Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Für ein Thema dieser Art, welches die Gersthoferinnen und Gersthofer bereits seit vielen Jahren beschäftigt, hatte ich persönlich sogar mit einer etwas höheren Wahlbeteiligung gerechnet. Doch letztlich zählt am Ende des Tages, dass wir nun mit den abgegebenen Stimmen eine von den Bürgern getragene Basis für weitere Planungen haben. Aktuell sind wir dabei, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, welches Mehrwert und Qualität für die Gersthofer Bürger bringt.

myheimat: In diesem Zusammenhang wird weiterhin über eine mögliche Gestaltung der „Neuen Mitte Gersthofen“ diskutiert. Gibt es dazu mittlerweile konkretere Pläne?

Wörle: Bevor wir in die Details zur tatsächlichen Gestaltung einsteigen können, müssen grundsätzliche Planungen abgeschlossen sein. Es gibt von Seiten der Verwaltung konkrete Pläne für verkehrliche Lösungen in der Innenstadt. Diese sind jedoch abhängig von der Bebauung der freien Flächen im Zentrum. Im Moment sind wir also damit beschäftigt, das Thema Verkehr in der gesamten Stadtmitte vollumfänglich zu lösen, um dann in die Detailplanung mit Herrn Pletschacher einzusteigen. Es macht keinen Sinn, ein Gebäude zu planen, aber die Infrastruktur drumherum nicht ordentlich zu betrachten. Dazu gehört neben dem Thema Verkehr auch der bereits vorhandene Einzelhandel. Wir haben hier im Zentrum Gersthofens eine besondere Konstellation und müssen es schaffen, für alle Beteiligten eine attraktive Lösung zu gestalten. Nur so wird ein neues Zentrum auch wirklich „gelebt“ und von Bürgerinnen und Bürgern künftig gut genutzt. Hierzu wird mit externen Beratern ein ganzheitliches Konzept erarbeitet, welches auch den Hery Park und andere Standorte miteinbezieht.

myheimat: Die Wohnungsknappheit wird auch in Gersthofen immer brisanter. Die Stadt rechnet in den nächsten Jahren mit einem deutlichen Anstieg der Einwohnerzahlen. Derzeit sind einige Projekte zum Neubau von Wohnungen und zur Nachverdichtung im Gespräch. Glauben Sie, dass es in Zukunft gelingen kann, eine gewisse Balance zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen, ohne dass die Wohnqualität darunter leidet?

Wörle: Tatsächlich ist das eine der Aufgaben, die uns alle vor große Herausforderungen stellt. Denn letztlich möchte man seinen Bürgern zwar ausreichend Wohnangebot bieten, zugleich will man aber die Entwicklung der eigenen Kommune noch selbst steuern und im Blick behalten. Für uns in Gersthofen gilt darum: Wachsen ja – aber bitte nur gut durchdacht und geplant. Wir beraten darum in den Ausschüssen und im Stadtrat ganz intensiv, welche Areale wir uns für künftige Bebauung vorstellen könnten und was das im Umkehrschluss dann auch für andere Handlungsfelder bedeutet, z.B. Verkehr, Bildung, Kinderbetreuung. Diese strategische Entscheidung zum Wachstum hat direkte Auswirkungen auf das Tagesgeschäft der Verwaltung. Ich möchte aber noch klarstellen, dass es bisher weder eine Diskussion noch eine Entscheidung zum konkreten Wachstum von Gersthofen gibt.

myheimat: Der Boom Gersthofens erfordert vor allem eine Aufstockung der Schul- und Kita-Plätz. Ist es der Stadt möglich, den erhöhten Bedarf im Bereich der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zu stemmen, gerade wenn man an das zeitaufwendige Projekt eines Gymnasium-Neubaus oder die Verzögerungen bei der Fertigstellung der neuen Mittelschule denkt?

Wörle: Im Bereich Kinderbetreuung arbeiten wir mit Hochdruck an der Schaffung neuer Plätze. Wir gingen im September mit drei neuen Gruppen in der Kita Via Claudia am Ballonstartplatz in Betrieb, dort wird in 2018 um weitere drei Gruppen aufgestockt. Die Kindervilla Tiefenbacher wird ebenfalls erweitert, Start der Betreuung ist für Frühjahr 2018 geplant. Bei den Schulen sieht es da mit kurzfristigen Lösungen schwieriger aus, denn zum Beispiel beim Thema Gymnasium ist der Landkreis gefordert. Bei der Mittelschule wurde nur mit einem Raumprogramm geplant, welches zum Planungsbeginn vorlag. Dabei wurden also künftige Entwicklungen, zum Beispiel Bevölkerungsprognosen, nicht miteinbezogen. In der Gesamtheit betrachtet lief der Bau der Mittelschule zeitlich unkritisch ab, eine Verzögerung von wenigen Monaten ist bei Bauprojekten dieser Größenordnung absolut im Rahmen. In 2018 steigen wir außerdem in die Planungen zu Sanierungen oder Erweiterungen der Goethe- und Pestalozzischule ein. Ich bin sicher, dass wir auch weiter Vorreiter in puncto Bildung und Betreuung sein werden. Doch nur dann, wenn wir nicht nur kurz- und mittelfristig reagieren, sondern auch langfristig denken und planen.

myheimat: 2017 wurden die für Baumaßnahmen veranschlagten finanziellen Mittel der Stadt nicht vollständig aufgebraucht. Für das kommende Jahr wird neu veranschlagt. Wie sieht die Planung für die Baumaßnahmen im Vermögenshaushalt 2018 aus? Es sollen ja einige Projekte realisiert werden.

Wörle: In 2018 haben wir im Bereich Hoch- und Tiefbau eine Vielzahl an Projekten, die wir mit insgesamt über 19 Mio. Euro budgetiert haben.

Darunter sind neben der Fertigstellung der Mittelschule – also der Herstellung der Außenanlagen und dem Abriss des alten Gebäudes – auch der Bereich Schulen und Kinderbetreuung, Sanierungen und Neubauten. Wir beginnen in 2018 mit dem Bau von 185 Plätzen für Hort- und Mittagsbetreuung in der Ostendstraße, eingeteilt in zwei Bauabschnitte in 2018 und 2019. In der Gesamtkalkulation sind außerdem Tiefbauarbeiten am Bahnhof enthalten, ebenso der Bau und Ausbau verschiedener Straßen im Stadtgebiet. Die Liste der Maßnahmen ist lang und erfordert einen straffen Zeitplan. Ob wir alle Maßnahmen umsetzen können, ist jedoch auch von externen Faktoren abhängig. Die Verfügbarkeit von Handwerkern oder das Wetter kann hier die Planungen schnell „über den Haufen werfen“.
myheimat: Ein Anliegen dieses Jahr war Ihnen die Wiederaufnahme des Gaststättenbetriebes im Gasthof Strasser nach der Insolvenz der Betreiber im Mai. Ein neuer Pächter und Wirt sind gefunden. Legen Sie nun besonderen Wert darauf, dass sich die Traditionsgaststätte wieder fest in das städtische und kulturelle Leben in Gersthofen einfügt?

Wörle: Natürlich, die Akzeptanz der Gersthofer war und ist einer der wichtigsten Punkte für mich und die politischen Vertreter, die ja im Rahmen einer Stadtratssitzung den Beschluss über die Vergabe an den neuen Pächter fassten. Ich tausche mich mit den Betreibern nun regelmäßig aus und erfahre darum immer schnell, wo der Schuh drückt. Wir können von Seiten der Stadt den Erfolg des Strassers nicht direkt beeinflussen. Ich kann aber alle Bürger dazu aufrufen, sich selbst ein Bild über die neue Wirtsfamilie und die Kulinarik vor Ort zu machen. Bisher waren die Rückmeldung an mich sehr positiv.

myheimat: 2017 war in Gersthofen das Jahr des Klimaschutzes mit etlichen Aktivitäten und Kampagnen zum Thema. Wie will die Stadt auch in Zukunft das Bewusstsein für diese Problematik schärfen und wird es weitere Projekte zu einer aktiven Mitwirkung am Klimaschutz geben?

Wörle: Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht uns alle etwas an. Ich habe bereits beim Bürgerempfang im Januar 2017 versucht, diesen Leitspruch bei unseren Bürgern zu verankern. Wir tun von Seiten der Stadt Gersthofen einiges, um das Bewusstsein für den so umfassenden Bereich zu stärken. Mit den Plant-for-the-Planet-Akademien fangen wir damit bei unseren Jüngsten an. 70 Kinder haben wir so bereits ausgebildet, es sollen noch viele weitere folgen. Wir wollen außerdem Elektromobilität fördern und bauen entsprechende E-Tankstellen für Räder und Autos. Unsere Dienstwägen sind zwischenzeitlich zu großen Teilen auf E-Antrieb umgestellt und für kurze Wegstrecken nutzen unsere Mitarbeiter ein dienstliches E-Bike. Photovoltaikanlagen und Nahwärmenetze werden ebenso geplant oder sind teilweise bereits umgesetzt. Wir wollen damit das Bewusstsein bei jedem Einzelnen schärfen, denn nur wenn jeder seinen Teil zu einer Kehrtwende beiträgt, können wir diese auch wirklich schaffen.

myheimat: Vielen Dank für das Interview, Herr Wörle!
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