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Mein Besuch bei den Opfern der Massaker der SS-Verbände in Marzabotto am 29. September 2012

In Berlin beim Bundespräsidenten im Schloß Bellevue
 
Ich konnte mit dem Bundespräsidenten kurz sprechen, er unterstützte meine Aktion
 
Anna Rosa Nannetti und Gianluca Luccarini. Beide verloren viele Familienmitglieder und arbeiten die Massaker historisch auf. Nächstes Jahr kommen sie nach Augsburg.
 
vorne: Gina und Bruna Sammardi, Lina Ventura, hinten Anna Rosa Nannetti
 
Bruna Sammardi mit ihrer Tochter. Sie war tief bewegt.
 
Die Übersetzerin Vicky Thill und Bruno Zerbi
 
Die Kirche von Casaglia. Dorthin hatten sich fast 100 Personen geflüchtet, der Pfarrer wurde am Altar ermordet, die anderen wurden auf dem Friedhof hingerichtet
 
Die Familie Marchi. Wie viele andere hatten sie nie zuvor von den Schicksalen ihrer Familienangehörigen gesprochen.
 
Fernando Piretti
 
Ferruccio Laffi. Er verlor am 29.9.1944 vierzehn Mitglieder seiner Familie
 
Die Zeitzeugen und Überlebenden, von vorne: Ferruccio Laffi, Gina und Bruna Sammarchi; hinten: Fernando Piretti, Anna Rosa Nannetti
Gersthofen: Zwangsarbeiter-Gedenkstätte | Besuch in Marzabotto am Jahrestag des deutschen Massakers vor 68 Jahren

Mit einem Schreiben des Bundespräsidenten Dr. Joachim Gauck und den Grußbotschaften zweier Bundestagsabgeordneten, Ulla Jelpke und Heinz Paula im Gepäck reiste ich gemeinsam mit meiner Frau am 29.9. nach Marzabotto, um den Opfern und Angehörigen eine symbolische Summe von 10 000 Euro zu überbringen und noch überlebende Opfer des Massakers zu befragen. Ein großes Unternehmen im Landkreis Augsburg hatte unserer Zwangsarbeiter-Initiative einen dreimal so großen Betrag in Anerkennung unserer Arbeit gespendet, der andere Teil floß an bedürftige ehemalige Zwangsarbeiter in der Ukraine.

Zwar war 2002 von Bundespräsident Rau die moralische Schuld an den Massakern in Italien durch SS und Wehrmachtsverbände eingestanden worden, aber im Gegensatz zu anderen Opfergruppen widerfuhr den italienischen Opfern nie juristische und finanzielle Genugtuung. Zudem wurden die Opfer immer wieder gedemütigt, weil Prozesse gegen die Schuldigen in Deutschland verschleppt, niedergeschlagen oder gar keine Anklage erfolgte.

Wie kam es zu den barbarischen Massakern der Deutschen?

Nach der Bekanntgabe des Waffenstillstands der Alliierten mit der neuen italienischen Regierung unter Marschall Pietro Badoglio vom 8. September 1943 kam es zum sofortigen Bruch mit NS-Deutschland. Die deutsche Wehrmacht begann mit der Entwaffnung von ca. der Hälfte der italienischen Streitkräfte und deren Internierung, sowie mit der systematischen Besetzung des Landes. Der durch ein Kommando-Unternehmen befreite Mussolini wurde zum Regierungschef einer neu gebildeten Marionettenregierung des Dritten Reiches, der Repubblica Sociale Italiana (Republik Salo) installiert.

Etwa 600.000 Mann der italienischen Armee wurden als Militärinternierte zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht, annähernd 200 von ihnen kamen nach Gersthofen, wo sie gemäß dem Reichsluftfahrtsamt bei der Produktion des Treibstoffs für die V-2 bei der Firma Transehe eingesetzt wurden. Rund zwanzig Personen kamen alleine aus dem kleinen Ort Galluccio südlich von Rom, nördlich der Provinzhauptstadt Caserta (Kampanien).

Wie in allen nationalsozialistisch besetzten Staaten Europas haben auch in Italien im Laufe der 20-monatigen Besatzung Teile der Bevölkerung den Entschluss gefasst, sich der Okkupationsmacht zu widersetzen-mittels politischer und propagandistischer Aktion, Obstruktion, Sabotage oder Verweigerung der Zusammenarbeit.

Wie sah der Widerstand gegen die Besatzungsmacht und den Salò-Faschismus aus?

Widerstand in Italien entlud sich in einer militärischen Aufstandsbewegung, einer illegalen Presse, in Zehntausenden von Sabotageakten, Tausenden von politischen Attentaten, vor allem in einer Streikbewegung von gigantischen Ausmaßen.

Das Massaker von Marzabotto

Im Winter 43/44 scharte Mario Musolesi aus Marzabotto, Kampfname "Lupo", eine Partisanengruppe um sich. Nach dem Vorbild der jugoslawischen Partisanen unter Tito, die unter dem roten Stern kämpften, nannte er die Einheit "Stella Rossa". Zur Zeit des Massakers bestand sie aus ca. 800 Leuten, darunter 90 Frauen und eine größere Gruppe geflohener Kriegsgefangener. Das Gebiet zwischen den Flüssen Reno und Setta, das zu den Gemeinden Monzuno, Grizzana und Marzabotto gehört, lag zwischen den Fronten: Die Alliierten waren von Süditalien bereits bis zum benachbarten Gebirgszug vorgedrungen, die Deutschen belagerten die gegenüberliegende Bergkette. Auf zwei wichtigen Verkehrsstraßen und zwei Eisenbahnlinien, darunter die direkte Zugverbindung zwischen Bologna und Mittelitalien, transportierten die Nazifaschisten Truppen, Waffen und Waren. Dies machte die Gegend zu einem wichtigen Aktionsgebiet der "Stella Rossa", die Sabotageaktionen und Überraschungsangriffe gegen deutsche und faschistische Einrichtungen und Einheiten durchführte.

Seit dem Angriff der Alliierten im Sommer 1944 auf die "Gotenlinie", die deutsche Verteidigungslinie in Norditalien, waren die beiden Berge Monte Caprara und Monte Sole für die Deutschen die letzten natürlichen Bollwerke vor Bologna. Die dortigen PartisanInnen gerieten deshalb besonders ins Visier. Im September 1944 wurde die 16. Panzergrenadierdivision "Reichsführer SS" an diesen Frontabschnitt verlegt. Diese Division zog eine regelrechte Blutspur quer durch die Toskana und tötete nach Erkenntnissen des Historikers Carlo Gentile etwa 2500 ZivilistInnen und schickte mindestens 10.000 Italiener zwangsweise zum Arbeitseinsatz nach Deutschland. Am 28. September wurde der Befehl erteilt, das ganze Gebiet "von Partisanen zu säubern", um die Verteidigung und den Rückzug der Deutschen zu sichern.

Die Ereignisse

Am frühen Morgen des 29. September wurde das Gebiet von Einheiten der SS und der Wehrmacht umstellt. Sie erhielten Unterstützung von einzelnen ortsansässigen Faschisten, die, getarnt durch SS-Uniformen, den Deutschen Wege, Häuser und mögliche Verstecke zeigen sollten. Die Einheiten ermordeten in den folgenden Tagen 770 Zivilpersonen, darunter 213 Kinder unter 13 Jahren, auf brutale und sadistische Weise.

Kampfhandlungen gegen PartisanInnen fanden nur wenige statt. Bei Scope kam es zu einem ersten kurzen Gefecht. Doch den PartisanInnen gelang es, sich auf den Monte Sole zurückzuziehen. In Ca di Derino hielten sich ca. 30 PartisanInnen auf und ca. 20 im benachbarten Cadotto, dort befand sich der Kommandostand. Hier wurden in den folgenden Gefechten die meisten PartisanInnen getötet, darunter auch ihr Kommmandant "Lupo". Den Überlebenden gelang es, sich im Wald zu verstecken und - vermutlich in einer Kampfpause - der Einkesselung durch die Deutschen zu entkommen.

Überlebende berichten

Zum Zeitpunkt des Massakers lebten nicht nur Einheimische auf dem Berg, sondern auch Flüchtlinge aus Bologna, die in den Bergen Schutz vor Bombardements gesucht hatten. Andere waren von den Deutschen aus der Toscana hierher verschleppt worden. Nur durch glückliche Zufälle gelang es einigen wenigen, dem Massaker zu entkommen,

Die Zeitzeugenberichte der von mir interviewten Personen finden Sie unter diesem Bericht

Anerkennung für die Massaker von Generalfeldmarschall Albert Kesselring

"Bandenaktion beendet, mit Vernichtung der Bande Roter Stern." Dafür gab es eine Anerkennung vom Leiter der Heeresgruppe C und Oberbefehlshaber Süd/Südost Generalfeldmarschall Albert Kesselring. Doch nur zwei Tage später klagten die Deutschen wieder über eine Zunahme der “Bandentätigkeit”. Lediglich die logistische Struktur der "Stella Rossa" war zerstört worden. Lutz Klinkhammer zieht den erschreckenden Schluss: Da den durchführenden Einheiten schnell klar gewesen sein dürfte, dass sie die "Stella Rossa" nicht vernichten konnten, sei die Tötung der ZivilistInnen grausames Kalkül gewesen. Man habe eine möglichst große Zahl von Opfern gebraucht, um eine erfolgreiche Aktion melden zu können.

1989 wurde das betroffene Gebiet zum "Parco Storico di Monte Sole", zum historischen Park von Monte Sole erklärt.

Prozessverschleppung und Anklageunterdrückung

Zwei Kommandeure der für die Morde verantwortlichen SS-Division wurden verurteilt. Der Leiter der Strafaktion, SS-Sturmbannführer Walter Reder, wurde 1951 in Bologna zu lebenslanger Haft verurteilt, im Januar 1985 begnadigt und starb 1991 in Wien. SS-Gruppenführer Max Simon war in Padua zum Tode verurteilt und wurde bereits 1954 begnadigt. Im Januar 2007 wurden zehn SS-Mitglieder nach dem Fund des „Schranks der Schande“ – Paul Albers(88), Josef Baumann (82), Hubert Bichler (87), Max Roithmeier (85), Max Schneider (81), Heinz Fritz Traeger (84), Georg Wache (86), Helmut Wulf (84), Adolf Schneider (87) und Kurt Spieler (81) von einem Militärgericht in La Spezia in Abwesenheit zu lebenslangen Haftstrafen sowie Entschädigungszahlen in Höhe von 100 Millionen Euro verurteilt, sieben weitere Angeklagte wurden freigesprochen.
In Deutschland wurde bisher in keinem der Fälle Anklage erhoben. Auch die in Sant‘ Anna di Stazemma verübten Gräueltaten der Deutschen wurden strafrechtlich nicht weiter verfolgt, am 1.10.2012 wurden die Verfahren gegen 8 noch lebende SS-Männer eingestellt mit der Begründung, man müsse die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Einsatz dazu dienen sollte, arbeitsfähige Männer nach Deutschland zu verschleppen und die Erschießung der Zivilbevölkerung erst befohlen wurde, als dieses Ziel nicht erreicht werden konnte. Damit sei es aber nicht möglich, eine Mordanklage der mutmaßlichen Täter mit der „bloßen Teilnahme an dem Einsatz“ zu begründen. Jedem einzelnen Angeklagten müsse vielmehr seine Beteiligung am Massaker individuell nachgewiesen werden. Die sei bei keinem der Verdächtigen gelungen.
In Stazemma wurden von den deutschen Truppen 560 Zivilisten, darunter 107 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren und 29 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahre hingemordet.Ganz ähnliche Verbrechen verübten Deutsche auch in Fivizzano, in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom, sowie an weiteren 21 Ortschaften in der Grenzregion zwischen der Emillia Romagna und der Toskana, z.B. in Valluciole, Monchio, Susano, Costringano, Grizzana Morandi, Cervarolo und Civago, Mommio und Sassalbo.

Der derzeitige Stand der gerichtlichen Auseinandersetzung.

Während ehemalige Wehrmachtsangehörige Pension für ihr Lebenswirken gezahlt bekommen, gehen die Opfer ihrer Taten leer aus. Von September 2011 bis Februar 2012 verhandelte der Internationale Gerichtshof in Den Haag (IGH) über eine Klage Deutschlands auf „Immunität“ gegen Entschädigungsforderungen von NS-Opfern. Anlass waren Urteile der höchsten Gerichte Griechenlands und Italiens, laut denen der Rechtsnachfolger des NS-Staates Entschädigungen für NS-Kriegsverbrechen zahlen muss. Andernfalls drohe die Pfändung deutschen Regierungsbesitzes, wie z.B. des deutsch-italienischen Zentrums Villa Vigoni oder des Goethe-Institutes. Der IGH urteilte letzten Endes zugunsten Deutschlands, mit der Begründung, italienische Gerichte hätten die deutsche Staatenimmunität nicht anerkannt. Deutschland muss keine Zahlungen in Millionenhöhe leisten und die Opfer gehen leer aus. AM Westerwelle begrüßte das Urteil, fügte aber hinzu: „In Deutschland wissen wir um unsere Verantwortung für unsere Geschichte“. Wie diese „Verantwortung“ aber aussieht, ist bis zum heutigen Tage offen.

Verfasser: Dr. Bernhard Lehmann nach Lutz Klinkhammer, Carlo Gentile, Nadja Bennewitz und Dieter Binz

Zeitzeugenberichte über die Massaker in Marzabotto:

BRUNA SAMMARCHI war damals 12 Jahre alt und erblindete bei der Minensuche. Als ich sie begrüße, ist sie sichtlich völlig aufgewühlt und zittert am ganzen Körper. Nach dem Gespräch umarmt sie mich und dankt mir viele Male: „Ab heute kann ich wieder schlafen“, sagt sie.

Ich wohnte in Saligastra, mit meinen Eltern und 7 Geschwister, Pfarre Casaglia, Gemeinde Marzabotto.Am 29. September 1944, früh am Morgen kamen die SS. Sie kamen von allen Seiten, ungestört von den Feldern. Eine Truppe, mit Waffen beladen, kam aus Casoncello. Vor dem Stall fanden sie meinen Vater der dabei war die Ochsen an den Karren zu spannen. Er wollte uns nach Ginepri, auf die andere Seite des Flusses Setta begleiten. Schon früh am Morgen hatte man erfahren, dass etwas gefährliches drohte. Meine Mutter war im Gange Brot zu backen. Die SS näherten sich drohend meinem Vater, er fiel. Dann haben sie ihm seine Sichel, die er immer bei sich hatte, ins Gras weggeworfen, andere haben ihn mit dem Fuss in den Bauch gestossen bis er sich krümmte. Dann hat man ihm einen Bündel Last auf die Schultern geladen mit welchem er rundum den Stall gehen musste und dann den Hügel runter bis auf die Strasse die nach Rivabella führte. Uns hat man vor die Maschinengewehre aufgestellt, ein Soldat kniete vor den Gewehren, bereit zu schiessen. Gegen Abend sahen wir die SS vor unserem Haus vorbeigehen, in Richtung La Quercia. Wir sahen unseren Vater,wir waren hinter einem Baum versteckt, und haben ihn gerufen. Er hat sich nicht umgedreht aber er hat uns gehört denn er hat seinen Schritt verlangsamt. Die SS haben ihn umringt, mein Vater konnte uns nicht sehen, aber er hatte verstanden dass wir lebten. Danach haben wir meinen Vater nie mehr wiedergesehen. Wahrscheinlich wurde er kurz danach erschossen. Man hat ihn tot unter einer Brücke in La Quercia gefunden, in der Rücken erschossen.
Wir sind in unsere Häuser zurückgekehrt um einen Schinken zu suchen welcher mein Grossvater versteckt hatte. Ich schaute durch die Fenster und habe alle Toten der Familie Sassi gesehen. Ich werde das Bild nie vergessen. Von diesem Massaker erinnere ich mich an die graue Farbe, den Herd, die Personen, alle grau.
In diesem Ort haben wir bis zur Befreiung gelebt, nach einer kurzen Zeit in Bologna sind wir in La Quercia zurückgekehrt. Da fanden wir eine Sämaschine die meinem Vater gehörte. Mein Bruder setzte sich ans Steuer, ich setzte mich hinter ihn. Wir merkten nicht dass eine Handgranate in die Zahnräder geraten war und als wir die Sämaschine in Gang setzten, ist die Granate explodiert. Mich hat sie ins Gesicht getroffen, meinen Bruder in den Rücken. Das war am 26.Juni 1945. Auf einem südafrikanischen Lastwagen wurde ich nach Bologna ins Spital (Sant’Orsola) gebracht. Nach mehreren Blutübertragungen kam ich in eine Augenklinik wo ich bis zum 15.August blieb. Als man mir den Verband entfernte, verlor meine Schwester die Besinnung, in den Wunden befanden sich Kleiderstücke. Am 15. August 1945 kam ich nach Hause zurück.

Im Frühling 1946 ging ich nach Reggio Emilia in eine Blindenanstalt. Dort bin ich zur Schule gegangen und habe die Blindenschrift Braille gelernt. In Florenz, in einer anderen Blindenanstalt, habe ich Strickarbeit gelernt.

Ich habe nie eine tiefe Demütigung überwunden: um ein kleines Stück Brot kaufen zu können, sammelten wir Granatsplitter vom Boden auf. Jeden Tag kam ein Lastwagen vorbei, wog die Splitter und dafür bekamen wir ein bisschen Geld. Für ein kleines Stück Brot habe ich Granatsplitter “verkauft”, dieselben die mein Vaterhaus zerstört haben. Ich habe geheiratet, habe 5 Kinder und bis heute 10 Enkelkinder.
Oft frage ich mich folgendes: die deutschen Soldaten waren in verschiedene Truppen aufgeteilt und jede Truppe hatte sein Exekutionskommando. Was dachten diese junge Männer um so schlimme Sachen zu begehen?

PRIMO RIGHI war damals 20 Jahre alt, als die Deutschen Besatzer in Marzabotto ein Blutbad anrichten:

Ich wohnte in Maccagnano. Am 29. September 1944 kam mein Schwager Ruggero Acacci nach Hause gelaufen. Er arbeitete in der Hanffabrik in Pioppe und bebachrichtigte uns über das Eintreffen der SS. Er rief: “Laufe in den Wald, ich komme auch sofort.” Ich lief, nach 100 Metern kam eine Luftrakete aus Richtung Valico di Pian di Setta geflogen und sofort danach ein Maschinengewehrfeuer.
Ich versteckte mich im Wald, in den Höhlen die ich mir gebaut hatte. Gegen Mittag verliess ich mein Versteck und fand ein kleines neunjähriges Mädchen aus Creda. Einige Stunden vorher war sie von einem Massaker in Creda fortgelaufen, überlebte aber nicht. Ich wickelte sie in eine Jacke und brachte sie zu einer Frau die in “Case Nuove” wohnte. Am Abend sah ich keinen Menschen mehr, ein Haus brannte, ich hörte Schüsse und es war mir klar, dass etwas schlimmes geschehen war. Ich sah meinen Vater am Abend und morgens am 30. September sagte er mir dass alle tot seien. Aus meiner Familie wurden meine Schwägerin, 2 Schwestern, ein Enkelkind und die Mutter getötet.
Zuhause habe ich die Leichen meiner Familie gesehen: meine Enkelin Luisa lag zwischen ihrer Mutter und der Tante welche noch die Wangen der Kleinen zwischen den Händen hielte, die Mutter umarmte und küsste die Kleine um sie vor dem Gewehrbeschuss zu schützen. Auch die andern Kinder lagen da, umarmt von den Muttern und Grossmüttern.

FERRUCCIO LAFFI, damals 16 Jahre alt. Als ich ihm in der Gedenkzone des Monte Sole im Haus der Begegnug treffe, gibt er sich sehr locker und freundlich, bietet mir Kastanien an. Es ist erst das zweite Mal, sagt er, dass er über den 29. September 1944 spreche. Bald wird er von der Erinnerung und von den Emotionen hinweggerissen:

Ich wohnte in Colulla di Sotto. Am 1.Oktober kamen die SS-Leute ein zweites Mal. Ich bin wieder mit meinen Brüdern in den Wald gelaufen. Nur die Männer versteckten sich, weil wir glaubten, dass den Frauen und den Kindern nichts geschehen würde. Wir hörten wieder die Schüsse in der Ferne, gegen Abend sind wir aus unserem Versteck herausgekrochen und sahen unser Haus in Flammen. Das Vieh war draussen und alles war so still. “Seltsam” dachte ich, “ich sehe niemand. Im Stall sahen wir unsere Toten: 14 Personen meiner Familie und 4 Personen die bei uns Zuflucht gefunden hatten. Wir haben die Toten begraben und sind in den Wald zurückgelaufen. Ich habe mich gerettet, obwohl die deutschen Soldaten mich mehrmals mit meinen 2 Brüdern aufgegriffen haben. Dann mussten wir schwere Munition tragen, im Regen. Einer meiner Brüder musste einen Karren ziehen, ich habe ihn nie mehr wiedergesehen. Mir ist es gelungen, nach Bologna zu flüchten und dort habe ich auch einen meiner Brüder wiedergefunden. Nach der Befreiung habe ich als Hilfsarbeiter bei einem Maurer gearbeitet.”

ANNA ROSA NANNETTI war 14 Monate als sie ihren Vater und zwei Großväter verliert. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die schrecklichen Ereignisse aufzuzeichnen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Ich habe sie für September 2013 nach Augsburg eingeladen.

Die Vernichtung meiner Familie begann am 19.September 1944. Früh morgens kamen die SS nach Salvaro, Gebiet Creda. Männer, Frauen und Kinder wurden erschossen, Häuser und Ställe verbrannt, auch in Maccagnano. Gleichzeitig durchkämmten andere Truppen die Häuser und nahmen die Männer mit. In Kolonnen aufgestellt und misshandelt wurden sie in ein Gebäude “Scuderia” (Stallung) in Pioppe geführt, auch “Casa dei Birocciai” (Haus der Fuhrmänner) genannt. Dieses Gebäude befand sich auf einem kleinen Platz vor der Kirche und dieser Ort war das Gefängnis unserer Väter, Ehemännern, Brüdern, Söhne, Onkeln und Grossväter.
Ohne Prozess, auf hastige und eigenmächtige Weise, entschieden die SS, je nach Belieben, wer von den Gefangenen arbeitsfähig war oder nicht. Die Arbeitsunfähigen blieben in der “Scuderia”und wurden erschossen, die andern wurden nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt. Wer sich in den Tagen der “Scuderia” nähern konnte, erzählt, dass die Männer aufgehäuft da lagen, gekrümmt oder ermordet. Unter diesen Männern waren: mein Vater, Guido Sabatino Nannetti, 35 Jahre alt, Zollaufseher, (erst ein paar Tage vorher war er aus Savona nach Hause gekommen), meine Grossväter Adolfo Nannetti und Antonio Fava, zwei Schwäger meines Grossvaters Adolfo: Primo Monetti und Virginio Venturi.
Am 1.Oktober 1944 wurden sie alle erschossen, in der “Botte” (Fass) in Pioppe di Salvaro. Die “Botte” ist ein grosser Wasserbehälter der zum Betrieb der Hanffabrik diente. In den Tagen war der Behälter leer weil die Hanffabrik vorher bombardiert worden war. Als die Schleuse des Kanals, der die Zisterne mit Wasser versorgt, wieder geöffnet wurde, wurden alle Körper in den Fluss “Reno” fortgerissen. Keiner wurde wiedergefunden.

FERNANDO PIRETTI war damals 9 Jahre alt. Ich kann mit ihm im Haus der Begegnung ausführlich sprechen.

“Meine Familie hatte in Cerpiano Zuflucht genommen, bei den Schwestern “Orsoline”: meine Eltern, meine Schwester Teresa von 13 Jahren, ich, und andere 60 Personen. Wir befanden uns in einem Betsaal in einer kleinen Kirche und an dem Tag war der Betsaal voll Kinder. Die Lehrer warnten uns, dass die SS sich näherten und dass sie schon eine Familie von 7 Personen (davon 5 Kinder) ermordet hatten. Die Frauen und die Kinder wurden im Hof versammelt. Die Lehrerin bat die SS, die Kinder gehen zu lassen aber sie haben uns in den Betsaal gestossen und geschrieen: “In 5 Minuten seid ihr alle tot!”.
Dann wurden die Maschinengewehre aufgestellt und das Gewehrfeuer begann, Handgranaten explodierten. Alle 25 Frauen starben, auch meine Mutter. 18 Kinder starben, darunter auch meine Schwester Teresa. Wie durch ein Wunder habe ich mich gerettet. Ich erinnere mich, dass ich zwischen den Leichen lag, im Blut, und dass ein Soldat meinen Kopf mit den Haaren hochgezogen hat.”
Generalmajor Reder verweilte bis zum 26. Oktober 1944 in Cerpiano, wo er Frauen vergewaltigte, und Menschen ermordete, die sich im Wald versteckt hatten.

BRUNO ZERBI, Sohn von Pietro Zerbi, wohnhaft in Colulla di Sopra. Sein Vater machte sich zeitlebens Vorwürfe, am Tod seiner Schwester Schuld zu sein:

„Wenn ich an meinen Vater Pietro denke, (erst vor ein paar Monaten verstorben) denke ich hauptsächlich an seinen Schmerz und sein Trauma, welches ihn sein ganzes Leben begleitet hat. An einem Nachmittag kam die SS nach Collula di Sopra. Mein Vater und sein Großvater liefen in den Wald, um sich zu verstecken. Pietros Schwester Bruna, 19 Jahre alt, erwartete ein Kind und wollte auch in den Wald laufen. Aber Pietro wollte nicht: “Nein, bleibe im Haus, du bist schwanger, die Soldaten suchen junge Männer um nach Deutschland zu verschleppen”.
Dann kam die SS und gab den Befehl, dass alle Personen ihre besten Kleider anziehen solle “für eine lange Reise”. Acht Personen wurden vor dem Haus aufgestellt, Frauen, Kinder und Männer. Alle wurden hingemetzelt, Pietros schwangere Schwester erschoss man , aus ihrem Mutterleib wurde der Fötus herausgerissen und auf das Seitengewehr aufgespiesst.”

LORENZO CUCCHI, damals 8 ½ Jahre alt.; Ort: Faggiolo

“Mit meiner Familie war ich nach Malfolle geflüchtet, denn in der Nähe von Pioppe di Salvaro, wo wir wohnten, fanden Bombenangriffe statt.Am Morgen des 23.Julis 1944 wurden wir durch das Geschrei und den Lärm der SS geweckt. Wir wurden alle vor dem Stall versammelt, Männer, Frauen und Kinder. Meinem Vater war es gelungen sich in den Wald zu verstecken, ungefähr 10 Meter von uns entfernt. Meine Mutter fragte die Soldaten ob sie ihre kleine Tochter, damals 1 ½ Jahre alt, aus dem Bett nehmen dürfe. Es wurde ihr gestattet, aber als meine Mutter mit meiner Schwester zurückkam, weinte meine Schwester. In dem Moment, als mein Vater das Weinen seiner kleinen Tochter hörte, lief er aus seinem Versteck heraus und wurde sofort von den SS festgenommen.
Wir wurden alle vor dem Stall aufgestellt, vor den Waffen die auf uns zielten. Lange Minuten wo wir uns umarmten, unter dem Geschrei der Soldaten. Dann wurden wir getrennt, Frauen und Kinder auf eine Seite, Männer auf die andere. Den Frauen und den Kindern wurde befohlen, den Hügel hinunterzugehen. Einige Minuten später hörten wir die Gewehrschüsse hinter uns, alle Männer wurden erschossen.
In Bologna wurde ich von einer guten Familie aufgenommen die mir ein Studium ermöglichte. Ich bin Arzt geworden. Sehr schmerzlich und traurig war es für mich und auch für meine Mutter, getrennt zu leben. Meine Mutter musste Dienst leisten und ich studierte in einem Pensionat.”

GIAN LUCA LUCCARINI, berichtet vom Schicksal seines Vaters Antonio Luccarini, der mit 18 Jahren erleben musste, wie 7 seiner Geschwister und seine Mutter ermordet wurden. Gianluca Luccarini möchte die Erinnerung an die Massaker aufrechterhalten.

„Am 29. September 1944 entschieden meine Großeltern, Gaetano Luccarini und Maria Tonelli, 49 Jahre alt, in die Kirche in San Martino di Caprara zu flüchten. Sie nahmen 7 ihrer 9 Kinder mit: Prima, Albina, Rita, Anna, Luigi, Cesare und Carlo. Mein Grossvater lief in den Wald, er glaubte da würde die SS ihn nicht finden. Und so war es. Nur er allein hat sich gerettet. In der Weite hörte er die Schüsse und die Schreie seiner Frau und seiner Kinder, die vor der Kirche erschossen wurden. Erst mehrere Monate später haben mein Vater Antonio und mein Grossvater sich wiedergefunden. Mein Vater war Partisan bei der Brigade “Stella Rossa” (roter Stern). Mein Onkel Aldo wurde von den deutschen Soldaten gefangen, kehrte aber nach Kriegsende gegen April 1945 zurück.”

Francesco Pirini, ein Überlebender von Marzabotto, erinnert sich über die Morde in der Kirche von Cerpiano und auf dem Friedhof

„ Am 29. September 1944 bekamen wir in Cerpiano mit, dass es eine deutsche Durchkämmungsaktion gab. Meine Mutter hat mich fortgeschickt. Mit 17 Jahren befand ich mich im "Risikoalter", zum Militär eingezogen zu werden. Es war schon häufiger vorgekommen, dass die Deutschen hierher kamen und Häuser ansteckten oder jemanden suchten. Ich versteckte mich auch diesmal in einem Waldstück, von dem aus ich Cerpiano sehen konnte. Um beobachten zu können, was dort vor sich ging, legte ich mich in unmittelbarer Nähe flach auf den Waldboden. Ungefähr 16 Soldaten der SS waren angekommen. Sie hatten die älteren Männer, Frauen und Kinder in unser Kirchlein getrieben. Dann folgte eine Explosion. Ich hörte Schreie und Stöhnen aus dem Inneren der Kirche, das nach und nach abflachte und schließlich aufhörte.

Plötzlich wurde versucht, die Tür von innen zu öffnen. Ein älterer Mann kam raus. Er wurde jedoch von zwei Soldaten sofort niedergeschossen. Diese Ereignisse habe ich selbst beobachtet, andere wurden mir von den Überlebenden erzählt. Meine Schwester war mit unserem Cousin und anderen Jugendlichen in die Pfarrkirche nach Casaglia gegangen. Als sie ankamen, war die Kirche bereits mit ca. 90 Personen gefüllt. Die Soldaten trieben die Leute dann zum Friedhof, wo die gesamte Gruppe mit Maschinengewehren beschossen wurde. Meine Schwester bekam einen Schuss in ihr Hüftgelenk. Sie knickte ein und fiel, starb aber nicht an der Verletzung. Sie blieb verletzt auf der Erde liegen und die anderen fielen tot auf sie. Das war am 29. September 1944, einem Freitagvormittag.

Sie blieb dort bis zum Samstagnachmittag liegen, als ein Bauer aus der Gegend kam, der verzweifelt seine Familie suchte. Er fand seine Angehörigen tot unter dem Berg von Leichen. Er hörte meine verletzte Schwester und befreite sie. Trotz des Steckschusses machte sie sich in Richtung Cerpiano auf. Sie wollte nach Hause gehen, um zu sehen, was mit den anderen geschehen war. Auf ihrem Weg sah sie in einiger Entfernung deutsche Soldaten. Da sie offensichtlich auf sie schießen wollten, ließ sie sich in einen Straßengraben die Böschung herunterfallen. Somit entging sie den Schüssen. Im Graben stieß sie auf drei andere Frauen, die sich dort bereits versteckt hielten. Vorerst blieben sie zusammen. Die Frauen behandelten ihre Wunde durch Waschungen mit eigenem Urin und brachten ihr bei, wie man Wunden desinfiziert.

Nach ein paar Tagen kamen alle aus ihrem Versteck. Sie suchten nach ihren Familien und fanden Leichenberge. Sie setzten die Toten in einem Massengrab bei. In Cerpiano war das große Steinhaus nicht zerstört worden. Aus diesem Grunde fanden sich die Überlebenden hier ein. Plötzlich tauchten Reder und seine Leute wieder auf, die alle im Haus in den Keller einsperrten. Sie benutzten die Küche, wärmten sich an dem brennenden Ofen und fingen an, die Frauen zu mustern. Ein Onkel von mir war einer der Überlebenden. Er hatte seine Frau und sechs Kinder die Woche zuvor verloren. Er bemerkte die seltsame Musterung und versteckte ein Mädchen mit meiner Schwester unter einem umgedrehten Holzkübel.

Dadurch entgingen die beiden dem Schicksal der anderen Frauen. Kurz darauf wurden alle, einschließlich einer Ordensschwester, von Reder und seinen Soldaten vergewaltigt. Dann mussten sie das Haus verlassen. Die Gruppe der Überlebenden zog nach Bologna und brauchte über einen Monat, bis sie dort Mitte November ankamen. Ich hielt mich die ganze Zeit über im Wald versteckt. Als die Soldaten ihr Lager aufbauten, hatte ich die Hoffnung aufgegeben, nach Cerpiano zurückkehren zu können. Im Wald war ich auf andere Leute gestoßen. Wir hatten gemeinsam den Fluss überquert und waren unterhalb eines Dorfes herausgekommen. Wir waren durchnässt und dreckig und versuchten Unterschlupf bei ein paar Bauernhäusern zu finden, was uns jedoch verwehrt wurde. Eine der Bäuerinnen, Margarita Janelli, hat sich jedoch dazu überreden lassen, Brot zu backen und uns Essen in den Wald zu bringen. Durch ihre 5 Brotlaibe konnten wir 10 Tage überleben. Später sahen wir ein Gefecht zwischen Deutschen und anderen Soldaten. Da sie gegen die Deutschen kämpften, waren wir der Meinung, dass das diejenigen waren, auf die wir warteten. In der folgenden Nacht machten wir uns in Richtung dieser Soldaten auf. Dabei überschritten wir die damalige Front und befanden uns im schon befreiten Gebiet der Alliierten.

Antonietta Benni berichtet über die Vorgehensweise des 16. Späherbattaillon der 16. Division Panzergrenadiere unter dem Kommando Walter Reders gegen die Bevölkerung und die Partisanen:

„ In Cerpiano kommen die Deutschen an. Sie holen 49 Leute aus dem Keller in die Kapelle neben dem Palazzo: es sind 20 Kinder, zwei Alte und 27 Frauen, unter ihnen drei Lehrerinnen. Sie schließen sorgfältig die Türen und dann …. Beginnt das Werfen von Handgranaten. Es ist 9 Uhr morgens, und 30 Menschen sind getötet worden. … Verletzte, die klagten und verzweifelt um Hilfe riefen; Kinder, die weinten, Mütter, die versuchten, die überlebenden Kinder zu beschützen. Eine Frau, Amelia Toscani, wollte um jeden Preis fliehen: nachdem sie das Seitentürchen geöffnet hatte, wurde sie in der Tür von einem deutschen Wachsoldaten abgeknallt, sodass ihr Körper halb drinnen und halb draussen blieb und ihr in der Nacht streunende Hunde den Kopf annagten …… Der arme Pietro Orlandi hölt es zwischen den Toten nicht mehr aus, unter denen auch die Frau seines einzigen Sohnes, der nach Deutschland deportiert wurde, ist, und zwei seiner Enkel. Er nimmt seinen dritten, überlebenden Enkel bei der Hand und schickt sich an, hinauszugehen: ein Hagel von Schüssen befördert die beiden ins Jenseits.
Im Nebenhaus schlemmen die Mörder, sie spielen Harmonium, als wäre es ein Fest, sie essen, was sie finden, sie streuen alles, was sie nicht essen können, auf den Boden: Weizen, Bohnen, und bedecken alles mit ihren Exkrementen. Papiere, Bücher, Urkunden …. alles herumgeworfen mit der Tobsucht der Vandalen. ….Nach 28 Stunden hören die 16 Überlebenden ihr Urteil: in zwanzig Minuten „alles kaputt“, die Gewehre werden geräuschvoll geladen, um sich darauf wieder zu entladen: weitere 13 Opfer! Und ein Holzschild wird an der Tür dieser ungewöhnlichen Grabkammer aufgestellt: „dies ist das Schicksal der Helfer der Partisanen“.

„In Caprara wurden 55 Personen, Frauen und Kinder in einem Raum zusammengebracht und mit Handgranaten getötet. Einem Kind und einer Frau aus Villa d’Ignano, die aus dem Fenster gesprungen waren, gelang es, sich zu retten, aber die anderen starben alle; vielleicht hätte sich jemand retten können, aber die Grausamkeit der Deutschen hat ihre Raffinessen: das Gebäude wurde in Brand gesetzt, sodass alle die Armen verbrannten….“

„In S.Martino die Caprara, in der Kirche, hatten mehrere weinende und bekümmerte Menschen Zuflucht gesucht. Die Deutschen holen sie heraus, töteten sie beim Bauernhaus und verbrannten die Masse von 52 Leichen, vielleicht auch einigen Verletzten, mit Benzin. Einige Männer, Verwandte der Opfer, wurden gezwungen, der makabren Szene beizuwohnen. Unter ihnen hat Don Marchionis Vater mitangesehen, wie seine Frau und seine Tochter ermordet wurden. In der Familie Lorenzini gab es 15 Tote und in der Familie Luccarini 8 (die Mutter und 7 Kinder) und viele andere …..“

„Das schlimmste Blutbad bleibt jedoch immer noch das vom Friedhof von Casaglia, wo 84 Menschen eines qualvollen Todes starben. An jenem Morgen in S.Michele, macht sich Don Marchioni auf den Weg nach Cerpiano, um dort die Heilige Messe zu zelebrieren….. Als er an der Kirche in Casaglia vorbeikam, wo er die Heilige Kommunion zu sich nehmen wollte, und dort etwa hundert Menschen vorfand, die von nur allzu verständlicher Panik erfasst waren, blieb er bei ihnen und betete mit ihnen den Rosenkranz. Da kommen die gefürchteten Deutschen: sie dringen in die Kirche ein und befehlen allen, hinauszugehen, um den Zug zum Friedhof zu treiben. Es ist eine arme Frau mit gelähmten Beinen dabei, Vittoria Nanni, die versucht, sich im Sitzen oder an ihrem Stuhl festgeklammert zu bewegen, die Deutschen wollen sie zwingen, ihren Halt loszulassen, und als sie feststellen, dass es ihr nicht möglich ist, erschießen sie sie vor allen anderen in der Kirche.“
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Bernd Sperlich aus Hannover-Bothfeld | 24.10.2012 | 16:04  
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Roswitha Bute aus Soltau | 24.10.2012 | 17:09  
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Ewald Eden aus Wilhelmshaven | 24.10.2012 | 18:03  
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Christina Rolle aus Augsburg | 06.11.2012 | 09:56  
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