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Von Friedberg nach Friedberg - Fahrt des Heimatvereins Friedberg in die Partnerstadt in der Steiermark

Wittelsbacher Spuren in Graz: Das farbige Wappen der Maria Anna von Bayern (Mutter der bayerischen Kurfürstin Maria Anna), Gemahlin des Erzherzogs und späteren Kaisers Ferdinand II. an der alten Universität in Graz. Bild: Nägele.
 
Wandgemälde auf der Westwand im Friedberger Rathaussaal. Links Herzog Wilhelm V. von Bayern mit Gemahlin Renata und den Kindern Maximilian (späterer 1. Kurfürst Bayerns) und Maria Anna (Gemahlin des späteren Kaisers Ferdinand II.). Bild: Nägele.
 
Bildnis der Maria Anna, Kurfürstin von Bayern Museum Friedberg im Wittelsbacher Schloss (Foto: Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München)
Erstmals in seiner 126-jährigen Geschichte unternahm der Friedberger Heimatverein im September 2012 eine viertägige Reise. Sie führte in die Partnerstadt Friedberg in der Steiermark. Dass die Fahrt zu einem besonderen Erlebnis für die 36 Teilnehmer wurde, ist u.a. dem Friedberger Komitee hier vor Ort zu verdanken. Es war vor allem Felix Reithemann, der die Kontakte herstellte und dem Vorstand des Heimatvereins bei der Vorbereitung der Fahrt mit Rat und Tat zur Seite stand.
Am Donnerstag, 6. September, trat man in aller Frühe die weite Reise an. In Burghausen wurde der erste Halt eingelegt, um die dortige länderübergreifende Landesausstellung „Bayern und Österreich – Verbündet, Verfeindet, Verschwägert“ zu besichtigten.
Die lange Busfahrt ins österreichische Bundesland Steiermark nutzte die Vorsitzende Regine Nägele, um den Teilnehmern passend zum Thema der Landesausstellung einen Einblick in die engen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Haus Wittelsbach und dem Haus Habsburg zu geben. Schwerpunkt ihrer Ausführungen bildete das 16. bis 18. Jahrhundert. Denn gerade hier zeigen sich Verbindungen zwischen der Steiermark mit seiner Residenzstadt Graz und dem Bayernland und somit auch zum bayerischen Friedberg.
Ein waschechtes „Grazer Kindl“, geboren 1610, regierte nach dem Tod ihres Mannes, des bayerischen Kurfürsten Maximilian (+1651), 3 Jahre lang das Bayerland bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Ferdinand Maria. Ihr Name: Maria Anna, auch Marianna genannt. Ab 1654 soll sie ihren Witwensitz im Schloss in Friedberg genommen haben. Wenn dies auch angezweifelt wird, so steht doch fest, dass sie sehr viel für die Wiederinstandsetzung des durch den 30-jährigen Krieg schwer heimgesuchten Schlosses getan hat. Sie, die erste regierende Kurfürstin Bayerns, war die Tochter der bayerischen Wittelsbacherin mit dem gleichen Namen Maria Anna und ihrem Gemahl, dem späteren österreichischen Kaiser Ferdinand II.
Die Mutter, der Ehemann und auch die Großeltern des „Grazer Kindl“ verweilten einst gemeinsam im bayerischen Friedberg. Die Wandmalereien an der Westseite des Friedberger Rathaussaales legen davon Zeugnis ab.
Dem Betrachter dieser Fresken dürfte in aller Regel nicht bekannt sein, dass ausgerechnet Maximilian in zweiter Ehe die Tochter seiner Schwester, also seine Nichte, eben jenes „Grazer Kindl“, geheiratet hat. Die Ehe mit seiner ersten Frau, der lothringischen Elisabetha, war kinderlos geblieben. Nach deren Tod im Jahr 1635 heiratete der inzwischen 62-jährige Maximilian im gleichen Jahr seine 25-jährigen Nichte Maria Anna, in der Hoffnung, einen Thronerben zu bekommen. Maximilian war somit nicht nur der 5 Jahre ältere Schwager von Kaiser Ferdinand II., sondern nun auch noch sein Schwiegersohn.
Auf die wittelsbachisch-habsburgischen Beziehungen verwies ausdrücklich die junge, charmante Stadtführerin, die den Heimatverein am 2. Tag der Reise durch die steierische Landeshauptstadt und frühere Residenzstadt Graz führte. So erzählte sie über die Wittelsbacherin Maria, zugleich Mutter von Kaiser Ferdinand II. und somit Großmutter der bereits oben erwähnten Kurfürstin Maria Anna folgende Anekdote: Deren Mann Karl, Regent der Steiermark, war durch die Feindeinfälle im Osten seines Landes so sehr bedrängt, dass er genötigt war, den Protestanten Zugeständnisse zu machen. Das war der streng katholischen Ehefrau zuwider und sie soll ihm gesagt haben, wenn er nicht durchgreife, dann nehme sie ihre Kinder und trage sie in der Kraxn nach Bayern.
Diese Wittelsbacherin war die Schwester Herzog Wilhem V., somit war sie eine Tante von Kurfürst Maximilian I. und zudem die Stammmutter einer Habsburger Linie, beginnend mit Kaiser Ferdinand II. bis Kaiser Karl VI., der der Vater von Kaiserin Maria Theresia war. Die auf den ersten Blick verworrenen, sehr engen verwandtschaftlichen Beziehungen greifen bis nach Graz.
Bei der Führung durch die ehemalige Residenzstadt mit den beschaulichen Hinterhöfen wurde eigens auf die schönen, mit reichem Stuck verzierten Hausfassaden hingewiesen. Als nämlich der gebürtige Grazer Ferdinand 1619 Kaiser wurde, übersiedelte er und sein Hofstab nach Wien. Die stolzen Grazer wollten den damit verbundenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verlust, der mit der Übersiedelung der Adeligen und ihrem Gefolge einher ging, zumindest sich äußerlich nichts anmerken lassen. Geschickt versuchten sie mit oberflächlicher Pracht der Hausfassaden den schmerzlichen Verlust zu übertünchen.
Roland Gressenbauer, der Besitzer des Hotels Adler in Friedberg, wo die Reisegruppe bestens untergebracht war, organisierte die Besichtigungen in der Steiermark, begleitete persönlich die Gruppe nach Graz und am dritten Tag auf einer Rundreise durch die Oststeiermark. Auf dieser Fahrt wurde zunächst das Chorherrenstift Vorau mit seiner phantastischen Bibliothek besucht. In seiner humorvollen Art berichtete Roland Gressenbauer auf der Fahrt im Bus Wissenswertes über die Steiermark und bedachte seine schöne Heimat zudem mit Superlativen. Er führte uns zum größten künstlich angelegten Badesee Steiermarks für die Mittagspause. Weiter ging es auf der Apfelstraße mit den schönsten Blumenorten Österreichs nach Elz bei Puch, wo man in einer Taverne Äpfel in natura und in flüssiger Form „verkosten“ konnte. Zum Abschluss der Rundfahrt führte Gressenbauer seine bayerischen Gäste noch durch seine Heimatstadt Friedberg, die eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat: Zur Sicherung der Ostgrenze und zur gezielten Besiedlung wurde diese Stadt im 12. Jahrhundert gegründet. Auch Klostergründungen, wie das 1163 gegründete Vorau, dienten diesem Ziel.
Zur Abrundung dieses Tages begrüßte während des Abendessens im Hotel der Friedberger Bürgermeister die bayerischen Friedberger. Später am Abend genoss man das ein paar Schritte vom Hotel entfernte „Weitzerplatzfest“ bei Wein und Musik.
Vor der Abreise aus dem steierischen Friedberg verabschiedete sich Roland Gressenbauer persönlich im Bus von den Gästen und überbrachte dem Heimatverein zum Andenken ein Buch über Pinggau und Friedberg. Zu den netten Geschichten in diesem Buch passt sehr gut folgendes tatsächliche Ereignis:
Walter Föllmer, Heimatvereinsvize, wollte am Tag der Heimfahrt mit dem ersten Zug in den Chiemgau zu einer Geburtstagsfeier fahren. Der Bahnhof sei gleich unterhalb des Hotels, wurde ihm gesagt. Dort angekommen wunderte er sich zunächst über den Bahnhofsnamen "Pinggau", wo auch niemand auf einen Zug wartete. Zur angegebenen Abfahrtszeit kam allerdings tatsächlich ein Dieseltriebwagen, wie er auch auf der Paartalbahn verkehrt. Der Zug hielt, der Lokführer kurbelte das Fenster herunter. Es ergab sich folgende Konversation: "Wo woins denn hi ?" "Nach Wiener Neustadt !" "Normal hoit mer do net...steigens ei !"
Des Rätsels Lösung: Friedberg hat auch einen Bahnhof, der aber über einen Kilometer weit weg liegt und an dem der Zug zuvor schon hielt.
Ein Lob der steirischen Lokalbahn!
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin friedberger | Erschienen am 14.12.2012
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