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Filmstart: Was bleibt....

Filmstart:
Was bleibt
Deutschland 2012; 85 Min.; Regie: Hans-Christian Schmid; mit Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Ernst Stötzner, Sebastian Zimmler, Picco von Groote, Egon Merten, Birge Schade, Eva Meckbach; Prädikat: besonders wertvoll; FSK ab 12 Jahren

Zur NRW-Premiere von „Was bleibt“ am 05.09.2012 um 20.00 Uhr werden Corinna Harfouch, Lars Eidinger, Regisseur Hans-Christian Schmid sowie weitere Darsteller und Teammitglieder in der Lichtburg zu Gast sein!
Eintritt: 10 Euro
Vorverkauf: Täglich ab 12.00 Uhr (So. ab 15.00 Uhr) an der Kasse der Lichtburg
Kinotrailer von Filmtrailer.com
Hans-Christian Schmid gehört zum exklusiven Club deutscher Regisseure mit makelloser Filmgrafie. Dass er schlechtes Kino nicht kann, beweist der „Requiem“-Macher auch diesmal auf eindrucksvolle Art. Erzählt wird vom gemütlichen Familientreffen in einer vornehmen Villa, das immer bedrohlicher aus dem Ruder läuft. Die beiden erwachsenen Söhne haben ebenso ihre Geheimnisse wie die Eltern. Die Fassaden bröckeln, das Drama nimmt seinen Lauf. Mit psychologischer Präzision, punktgenauen Dialogen sowie exquisiter Besetzung gelingt Schmid eine famose Vermessung der Familienwelt.

Es sollte ein gemütliches Familienwochenende werden. Der Schriftsteller Marko (Lars Eidinger) kommt mit seinem kleinen Sohn Zowie aus Berlin zu einem seiner nicht gerade häufigen Besuche bei den wohlhabenden Eltern auf dem Land. Sein jüngerer, in der Nähe wohnender Bruder Jakob (Sebastian Zimmler), ein Zahnarzt, ist mit seiner Freundin gleichfalls mit von der Partie. Dass Vater Günter (Ernst Stötzner) den Söhnen eröffnet, seinen Verlag zu verkaufen, ist die erste Überraschung des Tages. Weitreichender fällt die Enthüllung der Mutter (Corinna Harfouch) aus. Die seit Jahrzehnten unter Depressionen leidende Gitte verkündet, dass sie vor zwei Monaten ihre Psychopharmaka abgesetzt habe und fortan auf Pillen verzichten wolle.

Die Familie ist so schockiert wie besorgt. Derzeit geht es Gitte zwar augenscheinlich gut, aber was, wenn die Krankheit wieder Oberhand gewinnt? Marko findet die neue selbstbestimmte Freiheit seiner Mutter spontan prima - aber er wäre im Fall der Fälle ja auch weit weg im fernen Berlin. Sehr viel näher am Geschehen ist Jakob, dem die Idee ganz und gar nicht gefällt. Noch weniger ist Günter von den Plänen seiner Gattin begeistert. Die drohende Gebrechlichkeit von Gitte durchkreuzt nicht nur seine großen Reisepläne, auch ein gut gehütetes Geheimnis droht aufzufliegen. Den Lügengebäuden der Söhne droht gleichfalls der Kartenhaus-Kollaps. Die Ehe von Marko ist am Ende, sein erfolgloser Bruder ist praktisch pleite.

Bevor alle ihren persönlichen Offenbarungseid leisten, wird noch leidlich gestritten und gefeiert. „Brauche ich Kalendersprüche, dann lese ich einfach dein tolles Buch“ zischt der besorgte Jakob seinen Bruder an. Worauf der dem überambitionierten Softie entgegnet, mit seinem ewigen Helfersyndrom ja schon im Kindergarten fremde Kids mit frischen Windeln versorgt zu haben.

Bei einer kleinen Waffenpause der Streithähne setzt sich der Sohn ans Klavier, die Mutter singt und Papi stimmt mit ein zu „Du lässt dich gehen“ von Charles Aznavour. Die bewegende Tanzszene, die sich daraus entwickelt, bietet geradezu Klassikerqualitäten. Den Akteuren, ohnehin in Bestform-Modus, bereitet dieses Kabinettstückchen sichtlich Vergnügen. Die Harmonie hält freilich nicht lange vor. Denn plötzlich ist Gitte verschwunden. Nachdem auf einem Waldparkplatz ihr verlassener Renault R 4 gefunden wird, beginnen Familie und Polizei mit einer großen Suchaktion.

Was zum bräsigen Kammerstück à la „Kleines Fernsehspiel“ geraten könnte, fällt bei Schmid alles andere als altbacken und schwerfällig aus. Wie schon bei „Requiem“ und „Sturm“ gelingt seinem Drehbuchautor Bernd Lange ein präziser Blick auf das Verschweigen und Verdrängen. Seine gekonnt gedrechselten Figuren fallen rundum schlüssig und glaubhaft aus und laden so zum Mitfühlen und Wiedererkennen ein. Psychologisch bestens ausgepolstert werden alle drohenden Klischee-Klippen souverän umschifft. Wie üblich setzt Schmid auf das Weniger-ist-Mehr-Prinzip, verzichtet auf dramaturgischen Ballast oder geschwätzigen Schnickschnack und wirkt mit dieser Konzentration auf das Wesentliche umso spannender. Der Regisseur, der einst schon Franke Potente, August Diehl oder Sandra Hüller für das Kino entdeckt hat, setzt die Trüffelschwein-Tradition nun mit Sebastian Zimmler fort. Der leinwandpräsente Newcomer mit prominenter Bühnenerfahrung hält sich bestens zwischen seiner hochkarätigen Film-Familie. So bleibt „Was bleibt“ als einer der gelungensten deutschen Filme in diesem Jahrgang im Gedächtnis - bei Hans-Christian Schmid keine große Überraschung.


Quelle: programmkino.de
www.lichtburg-essen.de
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