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Ich schenke Dir einen Stern, eine Erzählung der Guarani indianer in Paraquai und Nordargentinien.

Diedorf: haus der kulturen | Yaci, der Mond , hatte eine wirklich schwere Aufgabe jeden Tag zu bewältigen. Er musste all die schlimmen Träume und bösen Gedanken, die die Menschen jeden Tag und jede Nacht gedacht und hinauf in den weiten Himmel geschickt hatten, vom großen Firmament wieder zusammenkehren und das Gesammelte im Laufe des heissen Tages irgendwo im Dschungel dann tief im Boden vergraben, damit es nicht weiter Schlimmes bewirken konnte. Dabei war er seit unendlichen Jahren unsterblich verliebt in Arai, die Morgenröte. Immer, wenn Yaci sich von seiner nächtlichen Mühe erholen musste, und schwer und ermüdet in die Wipfel der dunklen Bäume gerade schon zum Schlafe versank, sprang dieses Mädchen des Morgens quicklebendig mit tänzerisch leichten Schritten leicht wie eine Wolke über die dunklen Wipfel des Himmels und verwirrte Arai ganz die Sinne, so dass er jeden Morgen von Ihr träumte. Oh, war sie schön, wie eine Prinzessin, gehüllt in rosa Tüll und schwingende rotbunte Tücher ließ sie für Arai glatt die Sonne aufgehen!
Doch schwer wie der Rucksack des Mondjüngling nun einmal voll all dem himmlischen Unrat geworden war, müsste er ja erst nach erholsamem Schlaf , noch all das tief vergraben und könnte sich erst dann wieder auf den Weg machen. Jetzt in der heissen Tagessonne unmögliches Unterfangen und so würde es bis zur nächsten kühlenden Nacht dauern, bis er wieder die Kraft hätte, seinen Rucksack nur mit der leuchtenden Scheibe beladen wieder Schritt für Schritt den steilen Weg über den Himmel zu schleppen. Und so sehnte sich Arai nun eben seit Jahrtausenden nach der lieblichen Gestalt und konnte doch nicht mit ihr zusammen kommen.
Wie konnte er die Schöne denn nur auf sich aufmerksam machen?
Beim nächsten Himmelsrundgang kam ihm dann nun doch einmal eine gute Idee: er würde einen dieser leuchtenden Sterne mit in den großen Sack stecken und versuchen, am Abend ihn seiner Geliebten wie einen Blätterball zu zu werfen. Entzückt würde sie sicher zu ihm ins kuschlige Blätterdach kommen und mit ihm spielen. Ganz wie von selbst schien ihm dieses Mal die Arbeit von der Hand zu gehen und frohen Herzens schleppte er die schwere Last und den silbrig leuchtenden kleinen Stern, den er dazu gepackt hatte, zu seinem heimatlichen Wald hinter den dunklen Baumkronen. Kaum konnte er es diesesmal erwarten, bis sich am Himmel das erste Morgenrot zeigte und wie immer leicht wie ein rosa gefiederter Flamingo Arai über den Horizont hüpfte. Als Sie näher gekommen war, rief er ihr zu : Ich schenke dir einen Stern, willst Du ihn fangen? Ohne eine Antwort abzuwarten, warf er das leuchtende Ding zu ihr in den Morgenhimmel hinauf. Sie streckte sich etwas gelangweilt vor solcher Herausforderung nach dem heran hüpfenden Himmelsball , konnte ihn aber nicht erreichen: Upps!!! Da war es passiert. Der Ball fiel nach unten, auch an Yaci vorbei und zerschellte in viele tausend silbrig glänzende Scherben am Waldboden. Aus der Traum!!!
Die Guarani-indianer zeigen noch heute die Stelle, an der im Campo de Cielo im Norden Argentiniens An der Grenze zu Paraquai vor vielen hundert Jahren ein Stern auf die Erde gefallen und in viele Tausend große und kleine Scherben zerplatzt ist. Natürlich haben europäische Forscher längst mit Hilfe der Radiokarbonmethode einen exakte Jahreszahl ermittelt: 1574 n.Chr.
Davon hat Arai jetzt aber auch nichts gehabt.
Viele der großen tonnenschweren Meteoritenbruchstücke aus Nickeleisen haben angefangen zu rosten und zersplittern an der Oberfläche in immer kleinere Stücke . Diese kann man säubern und sich um den Hals hängen. Vielleicht hat man dann ja mehr Glück in der Liebe als Yaci.
Im Haus der Kulturen können wir bei unserer Ausstellung mit Schmuck ferner Kulturen auch ein paar dieser kleinen Sterne zum Kauf anbieten.
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