Debatte um Fußgängerzone: Stadtmarketing und Aktionskreis schreiben offenen Brief

In der Debatte um eine Fußgängerzone in Burgdorf haben das Burgdorfer Stadtmarketing und der Aktionskreis Einkaufsstadt Burgdorf heute einen offenen Brief geschrieben. Da dieses Thema auch auf myheimat kontrovers diskutiert worden ist, dokumentieren wir den offenen Brief hier im Wortlaut.

An den Bürgermeister
und den Rat der Stadt Burgdorf

Betr: Fußgängerzone – Straßenumbau in 2012

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Ratsmitglieder,

wir nehmen Bezug auf die in den letzten Wochen öffentlich geführte Debatte über die Einrichtung einer Fußgängerzone in der Burgdorfer Innenstadt. Die Art und Weise der öffentlich geführten Debatte schadet dem Ansehen der Stadt Burgdorf. Stadtmarketing Burgdorf e.V. (SMB) und der Aktionskreis Einkaufsstadt Burgdorf e.V. (AKEB) wenden sich in diesem offenen Brief an die Beteiligten, um die leidenschaftlich geführte Debatte zu versachlichen verbunden mit der Bitte an die Verantwortlichen in der Stadt Burgdorf, den nach langen Diskussionen und umfangreichen Interessenabwägungen getroffenen Beschluss zum Straßenumbau nun auch wie geplant umzusetzen.

Aus unserer Sicht stellt sich der Sachverhalt wie folgt dar:

1. Der Rat hat auf Vorschlag der Verwaltung nach mehrjähriger intensiver Diskussion der Gestaltungsmöglichkeiten den Umbau der innerstädtischen Straßen nach Maßgabe der den Beteiligten bekannten Planungen beschlossen.

2. Die ursprüngliche Straßenplanung ist im Zusammenhang mit dem Einzelhandelskonzept und dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) kritisch „verprobt“ und entsprechend der Einsichten des Einzelhandelskonzeptes bzw. des „ISEK“ modifiziert worden.

3. Im Rahmen des Einzelhandelskonzeptes und des „ISEK“ sind die Bürger, Interessenverbände und eine Vielzahl von Trägern öffentlicher Belange in unterschiedlichster Form über mehrere Jahre hinweg intensiv beteiligt gewesen. Einzelhandelskonzept und ISEK spiegeln neben einer Vielzahl von guten Kompromissen einen weitgehenden Konsens zu den Entwicklungsperspektiven Burgdorfs und seiner Ortsteile wider.

4. Die jetzt bevorstehenden Umbaumaßnahmen der innerstädtischen Verkehrswege versperren nicht die Möglichkeit, die Marktstraße nach deren Umbau als Fußgängerzone zu nutzen.

5. Alle Beteiligten waren bislang einig darüber, dass die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Fußgängerzone nicht mit dem Anspruch auf „absolute Richtigkeit“ beantwortet werden kann. SMB und AKEB haben daher schon in 2007 den Vorschlag unterbreitet, mindestens temporär die Marktstraße zur Fußgängerzone zu machen. Dieser Kompromissvorschlag hat viele Anhänger gefunden. Denn allen an der Diskussion Beteiligten war klar, dass eine funktionierende Fußgängerzone eine hinreichende Frequenz von Besuchern voraussetzt, die in einer Kleinstadt wie Burgdorf nicht ohne weiteres, schon gar nicht während der Nacht, früh am Morgen oder in den späten Abendstunden gegeben ist. Entscheidend ist neben der Sperrung der Marktstraße für den Autoverkehr vor allem ein stimmiges Nutzungskonzept der Marktstraße, das die entsprechende Fußgängerfrequenz sicherstellt. In dem Zusammenhang haben wir angeregt, den Wochenmarkt in die Innnenstadt zu verlegen, um die Innenstadt an den Markttagen zu beleben und für die Markttage die Marktstraße zur Fußgängerzone zu machen. Die weitere Belebung der Innenstadt hängt aber auch von der Attraktivität des Einzelhandelangebotes, der Gastronomie und anderer Nutzungen in der Innenstadt ab, für die neben der öffentlichen Hand vor allem die Hauseigentümer und die Betreiber von Läden oder anderen Gewerbebetrieben Verantwortung tragen.

6. All diese Nutzungsmöglichkeiten der Marktstraße werden durch den inzwischen beschlossenen Stadtstraßenumbau nicht ausgeschlossen.

7. Die nunmehr ins Leben gerufene Bürgerinitiative zur Einrichtung Fußgängerzone auf der Marktstraße verfolgt das Ziel, den lange geplanten (und finanzierten) Straßenumbau zu stoppen. Der Bürgermeister verweist auf die nach ausführlicher Diskussion und umfassender Interessenabwägung vom Rat getroffenen Beschlüsse.

SMB und AKEB halten es für richtig, den Straßenumbau wie geplant im nächsten Jahr umzusetzen.

Wir sehen im Straßenumbau die Chance, die Attraktivität Burgdorfs durch nachhaltige Investitionen in die Aufenthaltsqualität der Innenstadt für die Besucher Burgdorfs erheblich zu steigern. Der Umbau der innerstädtischen Straßen ist das vorerst letzte Teilstück auf dem Weg zur konsequenten Umsetzung des großen Plans, nach Fertigstellung der „B 188 neu“, die Innenstadt vom Fernverkehr zu befreien. Den Bürgern wird damit ihre historische Altstadt für eine selbstbestimmte, flexible Nutzung zurückgegeben. Mit dem Straßenumbau wird gewissermaßen ein Zeichen für die gelungene Befreiung der historischen Altstadt vom Schwerlastverkehr einer Bundesstraße gesetzt.

Ein Stopp des geplanten Straßenumbaus würde dieses für alle wünschenswerte Ziel vereiteln. Der geplante Straßenumbau gibt den Fußgängern Vorrang vor dem fließenden Verkehr. Dies wird durch die jetzt schon im Zusammenhang mit besonderen Anlässen wie der Eröffnung der Lichtwochen, dem Stadtfest Oktobermarkt oder den Thementagen übliche temporäre Sperrung der Marktstraße für den Autoverkehr unterstrichen. Wenn
etwas los ist in der Stadt, dann soll die Innenstadt den Fußgängern gehören!

Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister und verehrte Ratsmitglieder, deshalb eindringlich, an den Beschlüssen zum Straßenumbau in der Burgdorfer Innenstadt festzuhalten. Die Mitglieder der Bürgerinitiative bitten wir, weiter für eine Belebung der Innenstadt durch innovative Nutzungskonzepte zu streiten. Wir bieten Ihnen an, mitzuwirken an den Initiativen zur attraktiven baulichen Nutzung des Platzes zwischen St. Pankratius und dem Schloss. So können attraktive Nutzungen und damit die Menschen in die Innenstadt geholt werden. Auch die Verlegung des Wochenmarktes in die Innenstadt kann zur Belebung der Innenstadt beitragen. Die Marktstraße könnte ihrem Namen wieder „alle Ehre“ machen.

Doch bei allem Diskussionsbedarf über zukünftige Gestaltungsmöglichkeiten Burgdorfs, sollten wir auch der Diskussionskultur hinreichend Rechnung tragen. Die Diskussionskultur ist in den letzten Jahren zu einer großen Stärke Burgdorfs geworden. Das war nicht immer so. Eine offene Diskussion verträgt es nicht, wenn mit Meinungen und Stellungnahmen Einzelner in der Presse öffentlich Politik gemacht wird. Eine Diskussionskultur, die ihren Namen verdient, braucht den geschützten Raum für „offene Meinungsbildung“. Dies ist der Raum, in dem man sich ohne öffentlichen Ansehensverlust auch mal „irren“ oder etwas „Dummes“ sagen darf, ohne solcher Art Äußerungen persönlich zu nehmen oder gar zum persönlichen Verhängnis werden zu lassen. Wir sind in Burgdorf alle gut beraten, uns diese Räume der offenen Diskussionskultur zu bewahren oder wo nötig zu schaffen, um in einem offenen und gerne kontroversen aber respektvollen Dialog nach den besten Lösungen für Burgdorf zu suchen.

In diesem Sinne bitten wir die Verantwortlichen in der Stadt und die Mitglieder der Bürgerinitiative, den Umbau der Straßen wie geplant umzusetzen und die öffentliche Kontroverse zu beenden. SMB und AKEB laden die Beteiligten ein, im geschützten, offenen und respektvollen Dialog um die besten Lösungen für eine perspektivenreiche Entwicklung von Burgdorf zu „streiten“. Die gebündelte Kreativität der Beteiligten kann zu einem stabilen Fundament für Burgdorfs Zukunft werden.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Karl-Heinz Vehling, Vorsitzender SMB
Harald Baumgarten, Vorstandsprecher AKEB

Bürgerreporter:in:

Robin Jantos aus Hannover-Mitte

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