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"Vorsicht Piefke" - Völkerverständigung in der Kresslesmühle

Severin Groebner hat die Besucher am Mittwochabend in der fast ausverkauften Kresslesmühle in Augsburg mit seinem Kabarett-Programm im Zuge der Völkerverständigung unterhalten. In „Servus Piefke“ nahm er die feinen Unterschiede zwischen Österreichern, vorrangig Wienern, und Deutschen aufs Korn.

Unterstützt wurde Severin Groebner von seiner Sample-Maschine „Roland Mustermann“, die Begriffe ins Deutsche übersetzte. In Bayerisch-Schwaben hätte er sich einige Translationen wie „fesch“ als „dufte“ sparen können, tritt fesch im Augsburger Sprachgebrauch doch wesentlich häufiger auf als das hochdeutsche Äquivalent. Was das Publikum, das sprachlich offenbar auch mit Besuchern von außerhalb der schwäbischen Grenze besetzt war, allerdings lernen konnte: Die Bezeichnung „Piefke“ für Deutsche ist sowohl Singular als auch Plural und „leiwand“ ist das Gegenteil von „Oasch“. Freilich sollten Nicht-Österreicher keines dieser Wörter im Gespräch mit Österreichern benutzen, da dies in deren Ohren schrecklich falsch klingt. So wie Sächsisch für fast alle Nicht-Sachsen – eine weitere Spracherfahrung, die auch Groebner gemacht hat.

Gollum mit Anzug und Brille

Ein bisschen versuchte der Wiener sein Publikum oberflächlich mit der Innenpolitik der Alpenrepublik vertraut zu machen. Dabei bezeichnete er den Regierungswechsel zu Jörg Haider und Wolfgang Schüssel als „von relativ deppert zu ziemlich gschissen“ und zeichnete ein optisch klares Bild von Schüssel: „Gollum mit Anzug und Brille“ oder ein katholischer Philipp Rösler. In der Rolle eines Priesters predigte Groebner dann über die Jammertradition der Deutschen, die im Vergleich zu Wienern angeblich nicht wirklich jammern können. Zumal eine Kerntugend der Deutschen der Fleiß ist – womit der Kabarettist beim Thema Baumarkt angekommen war. „Der Baumarkt – Tempel der deutschen Befindlichkeit“. Nicht umsonst wirbt eine Baumarktkette mit dem Slogan „Es gibt immer was zu tun“. Ein Satz, den Groebner auf seinem Sampler so lange wiederholte, bis er sich in den Köpfen der Zuhörer eingenistet hatte.

Pointenapplaus gab es für Groebner eher spärlich. Dafür applaudierte das Publikum wie gewünscht, wenn er einen Schluck aus der Wasserflasche nahm. Dabei bezog sich Groebners Wunsch eigentlich nur auf Situationen mit Wasserflasche und ausgeschaltetem Licht. Wieder so ein Missverständnis zwischen Österreichern und Deutschen. Ein bewusst provoziertes oder ein versehentliches Augsburger Unikat? Bei all der Völkerverständigung in „Servus Piefke“ bleibt nur noch anzumerken: Wenn Deutsche nicht versuchen sollen, Wienerisch zu sprechen, weil das einfach nicht richtig klingt, dann Herr Groebner, unterlassen Sie bitte das Singen!
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