Regionaler Nahverkehrsplan vom RMV für 2014-2019

Blühende Bahnsteigflora in Friedberg am 24.6.2014. Nach dem geplanten Umbau wird der Bahnsteig so kahl und tot wie in jedem modernen Bahnhof sein.
 
Das frisch renovierte Bahnhofsgebäude von Kirchhain ist ein Schmuckstück - ab 2017 soll auch der Zugang zum Bahnsteig verbessert werden (20.6.2014).
 
Der Bahnhof von Friedrichsdorf ist nicht barrierefrei - aber für den Umbau fehlt noch ein vernünftiges Konzept (29.7.2014).
 
Die S6 soll später nicht nur bis Frankfurt Süd, sondern sogar bis Darmstadt fahren (14.8.2014).
 
Wo keine Gleise liegen, kann ein Schnellbus helfen - Linie 260 in Bad Homburg (14.8.2014).

Am 23.9.2014 veröffentlichte der RMV die neue Ausgabe des regionalen Nahverkehrsplans. In diesem Artikel werden einige Inhalte mit Schwerpunkt auf der Main-Weser-Bahn und Umgebung vorgestellt.

Der regionale Nahverkehrsplan vom RMV liegt erstmals als PDF zum Herunterladen bereit (84MB). Die letzte Ausgabe (2004 - 2009) wurde hingegen nur als Printversion zum Kauf angeboten. Auch der NVV hat einen Nahverkehrsplan erstellt, der aber schon Anfang Juli zum Herunterladen zur Verfügung stand.

Inhalte
Der RNVP erläutert den aktuellen Bestand, vom RMV gewünschte Standards, umzusetzende Ziele und zugehörige Maßnahmen. Etwa in Kapitel 2 wird der Bestand dargestellt und durch zahlreiche Grafiken erläutert. Folgende Themen werden dabei abgedeckt:
- Bevölkerungsentwicklung
- ÖPNV-Anteil
- Ausstattung Bahnstationen mit Park & Ride
- Fahrgastinformation an Bahnhöfen
- Erreichbarkeit von Frankfurt aus dem RMV-Gebiet
- Bestand an Bahnstrecken mit Nutzung und Einschränkungen durch Langsamfahrstellen

Die meisten Detailinformationen finden sich in den Anlagen:
Anlage 1: Grafiken zur Erreichbarkeit verschiedener Zentren
Anlage 2: Tabelle Schienenstrecken mit Fahrzeugtypen, Betreiber und Vertragsende
Anlage 3: Ziele für Schienenverkehr 2019: Tabelle mit Strecke, Grundtakt, Betriebsdauer, Bedienungsstandard
Anlage 4: Tabellen zum Busangebot
Anlage 5: Steckbriefe Linienbündel im Schienenverkehr
Anlage 6: Muster der Qualitätssicherungsvereinbarung
Anlage 7: Umbaumaßnahmen Stationen
Anlage 8: Nicht umsetzbare Maßnahmen und zu sichernde Trassen
Anlage 9: Übersicht Teilnetze im Schienenpersonennahverkehr
Anlage 10: Liste der zu beteiligenden Institutionen
Anlage 11: Tabelle Dynamische Fahrgastinformation - Bestand und Planung
Anlage 12: Darstellung von Musterbahnhöfen


Hessen-Express
Der RMV möchte den schnellen Verkehr zwischen den Zentren stärken. Das soll durch stündliche Express-Verbindungen geschehen. Die eingesetzten Züge sollen sich innen und außen von anderen Angeboten unterscheiden. Eine Umsetzung ist jedoch erst nach 2019 in Sicht.

Folgende Linien sind in Planung:
HE 1: Wiesbaden – Frankfurt Flughafen – Frankfurt Hauptbahnhof (über Wallauer Spange)
HE 2: Limburg – Frankfurt (aus Linie 20)
HE 3: Kassel – Marburg – Gießen – Friedberg – Frankfurt (aus Linie 30)
HE 4: Siegen – Wetzlar – Gießen – Friedberg – Frankfurt (aus Linie 40)
HE 5: Kassel – Fulda – Hanau – Offenbach – Frankfurt (aus Linien 50 und 51)
HE 6: Frankfurt – Darmstadt – Bensheim – Mannheim (aus Linie 60)
HE 7: Wiesbaden – Mainz / später Frankfurt Flughafen – Darmstadt (aus Linie 75)
HE 8: Mainz – Rüsselsheim – Frankfurt Flughafen – Frankfurt Hbf (aus Linie 80)

Im letzten Nahverkehrsplan wurde ein vergleichbares Express-Angebot unter dem Namen RE-X beschrieben. Ein Mangel am Hessen-Express ist die fehlende Nord-Süd-Durchbindung - so würde eine Linie Kassel - Frankfurt - Mannheim deutliche Vorteile bieten. Zur Zeit fährt der RegionalExpress über Darmstadt kurz vor der Ankunft des RE aus Kassel ab - das ist definitiv keine gute Verbindung.

Für den Hessen-Express auf der Main-Weser-Bahn gibt es nicht nur Befürworter. Gegner sind die Bürgermeister von Lollar und Fronhausen, die den Wegfall von Halten in ihren Orten sehen. Der Landkreis Gießen befürchtet sogar, dass der InterCity wegen Fahrgastverlusten durch den Hessen-Express ausgedünnt oder gestrichen werden könnte. Wobei das gar nicht so schlecht wäre, da der IC manche Taktstörung im Nahverkehr verursacht.


Verkehr auf der Main-Weser-Bahn
Für die Main-Weser-Bahn ist zumindest schon als Vorstufe zum Hessen-Express ein RE-Stundentakt bis Marburg mit Verlängerung bis Treysa genannt. Dafür würden Züge der HLB zwischen Marburg und Gießen nur noch an den Stationen Gießen-Oswaldsgarten und Marburg Süd halten.

Der RMV würde bei einer Durchbindung vom Mittelhessen-Express zum Flughafen Frankfurt ausreichende Nachfrage erwarten. Allerdings würde bei Verspätungen kein ausreichender Zeitpuffer zur Verfügung stehen, so dass diese Maßnahme nicht weiter verfolgt wird.

Die Main-Weser-Bahn hat auch eine wichtige Bedeutung für den NVV - schließlich ist der RE30 mit Abstand die nachfragestärkste SPNV-Linie im NVV-Gebiet, obwohl er nur zweistündlich verkehrt. Daher wünscht der NVV auch eine stündliche Bedienung dieser Verbindung. Bei einer Verlängerung der RegionalBahn Kassel - Treysa bis Frankfurt (ab Treysa als RE) wird ein deutlicher Anstieg der Fahrgastnachfrage erwartet. Als Alternative dafür wird nur eine Einbindung des ICs gesehen.

Ab Ende 2014 wird Treysa - Kassel mit FLIRTs der HLB anstelle von RegioTrams bedient. Das führt zu einer Fahrtzeitverkürzung, und IC-Anschluss soll in Treysa statt Wabern sein. Das bedeutet aber, dass die Übergangszeiten vom Regional- oder Mittelhessen-Express auf die RegionalBahn in Treysa noch länger werden.


Umgestaltung S-Bahn-Netz
Das S-Bahn-Netz soll durch bauliche Maßnahmen erweitert werden, deren Beginn vor 2019 liegen soll. Damit verbunden sind auch Änderungen an den Linienführungen.

Bei der Main-Weser-Bahn steht immer noch der viergleisige Ausbau zwischen Frankfurt West und Friedberg an. Der Ausbau im ersten Bauabschnitt Frankfurt - Bad Vilbel hätte nach den früheren Planungen schon längst erledigt sein müssen, ist aber immer noch nicht begonnen worden. Bei dem Ausbau würden zahlreiche S-Bahn-Stationen umgebaut. Außerdem ist der Neubau einer Station in Ginnheim geplant.

Für die eingleisige, nicht elektrifizierte Taunusbahnstrecke zwischen Friedrichsdorf und Usingen wird ein Ausbau zur S-Bahn gewünscht. Im letzten RNVP hingegen wurde die Elektrifizierung der Strecke als nicht lohnenswert gesehen.
Für die Verbindung Friedrichsdorf - Friedberg werden im RNVP des RMV keine Maßnahmen genannt. Im Nahverkehrsplan für den Bereich des Zweckverbandes Oberhessische Versorgungsbetriebe wird gewünscht, die Fahrten nach Umsetzung der anderen Maßnahmen (Verlängerung S5, Regionaltangente West) bis Bad Homburg zu verlängern. Außerdem sollte die Signaltechnik verbessert werden, um die manuelle Streckenfreigabe (Fahrer muss den Fahrdienstleiter anrufen) an den Endpunkten und im Kreuzungsbahnhof Rosbach einzusparen.

Weitere Bauprojekte sind der Ausbau der nördlich des Mains verlaufenden Bahnstrecke nach Hanau als S-Bahn und die neue Station Gateway Gardens nahe des Flughafens.

Die Taktlage der S-Bahnen wird bei S5 und S6 abschnittsweise geändert. Diese Bahnen würden dann die Strecken Friedberg - Darmstadt und Usingen - Hanau (nordmainisch) fahren.


Stationen
Zahlreiche Bahnstationen erfüllen noch nicht die vom RMV gestellten Anforderungen. Auf einer Karte sieht man, dass noch viel Nachholbedarf besteht. Im Landkreis-Marburg-Biedenkopf genügen nur Stadtallendorf, die Stationen an der frisch modernisierten Bahnstrecke nach Frankenberg und einzelne Stationen an der Strecke nach Erndtebrück den Anforderungen. In Marburg ist der Umbau schon weitestgehend erfolgt, während andere Stationen teilweise auf der Projektliste für einen Umbau stehen.

In Ordnung sind auch die Stationen Gießen-Oswaldsgarten, Gießen und Bad Nauheim. Für die Stationen dazwischen gibt es nur eine Empfehlung zum Umbau, während für den Knotenbahnhof Friedberg eine große Baumaßnahme ab 2016 geplant ist.

Bahnhof Treysa: Kompletter Neubau der Bahnsteige (und Verkürzung), Rampen zum barrierefreien Zugang (Umsetzung 2015 - 2016)
Bahnhof Neustadt: nur Empfehlung
Bahnhof Kirchhain: barrierefreier Ausbau durch Rampe und Aufzug (ab 2017)
Anzefahr: nur Empfehlung langfristig. Die Station könnte durch eine Verlegung aufgewertet werden, die sich aber wegen der geringen Einsteigerzahlen nicht lohnt.
Bürgeln: Erneuerung Bahnsteig 2, Beleuchtung, Treppen, Wartehäuschen (ab 2018)
Cölbe: Erneuerung Bahnsteig 2, Treppe, Wartehäuschen (ab 2019)
Bahnhof Niederwalgern: Bahnsteig-Umbau und Bau einer Unterführung (ab 2017)
Bahnhof Lollar: Umbau mit Rückbau der Unterführung (ab 2016)
Bahnhof Friedrichsdorf: barrierefreier Ausbau und Umfeldgestaltung (ab 2018, Konzept noch nicht fertig)
Neuer Haltepunkt Bruchköbel-Roßdorf an der Linie 33 zu prüfen
Neue Haltepunkte Friedrichsdorf Gewerbegebiet oder Bad Homburg-Steinkaut werden aufgrund fahrplantechnischer Zwänge nicht weiter verfolgt.


Nachfrage
Im Zeitraum 2004 - 2010 erhöhte sich die ÖPNV-Nachfrage im Rhein-Main-Gebiet und in Gießen sowie auf den Bahnstrecken von Marburg und Fulda nach Frankfurt. In den mehr abseits gelegenen Kreisen nahm die Nachfrage ab.

Für den Zeitraum bis 2020 werden bei umgesetzten Ausbauprojekten deutliche Fahrgastzuwächse auf den Schienenstrecken bei Frankfurt sowie auf der Strecke Herborn - Gießen - Frankfurt erwartet. Deutliche Fahrgastverluste werden für Teile der unteren Lahntalbahn (Albshausen - Gräveneck) und Vogelsbergbahn (Nieder-Ohmen - Großen-Buseck) erwartet. Bei Fulda sorgt die Fertigstellung der A66 für Fahrgastverluste zwischen Neuhof und Steinau. Außerdem wird die S-Bahn S9 zwischen Hanau und Frankfurt zahlreiche Fahrgäste an die nordmainische S-Bahn verlieren.

Bei der Taunusbahn gibt es deutliche Fahrgastzuwächse bis Grävenwiesbach. Die stiefmütterlich behandelte Bahnstrecke Friedberg - Friedrichsdorf kann nur zwischen Rodheim und Friedrichsdorf Fahrgäste gewinnen.

Bei den Bahnlinien
29 (Limburg – Siershahn),
41 (Dillenburg – Betzdorf),
53 (Schlüchtern – Gemünden am Main).
ist die Nachfrage so gering, dass sie eigentlich auf Busverkehr umgestellt werden sollten.


Fahrzeuge und Strecken
Zahlreiche im Bestand befindliche Schienenfahrzeuge erfüllen noch nicht alle Anforderungen vom RMV (z.B. fehlende Toiletten, Klimaanlagen, Energieeffizienz).

Bei einem Teil der Strecken werden die geforderten Standards bezüglich Reisegeschwindigkeit nicht erreicht. Dazu gehören die obere Lahntalbahn und die Nebenstrecken im Wetterau-Netz. Auch die Bahnstrecke nach Frankenberg erfüllt die Standards nicht, liegt aber im Toleranzbereich.


Finanzielles
Der RMV befürchtet, dass die öffentlichen Zuschüsse nicht in gleichem Maße wachsen wie die Kosten. Wesentliche Kostentreiber in den letzten Jahren waren die Eisenbahninfrastrukturnutzungsgebühren. Zusätzliche Einnahmen werden durch die Umsetzung der Baumaßnahmen Ausbau S6, nordmainische S-Bahn und Gateway Gardens erwartet.

Bezüglich Tarif hat der RMV erkannt, dass der jetzige Tarif einige Mängel aufweist wie etwa die Tatsache, dass sich durch Aufteilung einer Strecke ein niedrigerer Preis ergeben kann als für die Teilstrecken zusammen. Langfristig strebt der RMV nach einem flächendeckenden elektronischem Fahrgeldmanagement-System mit automatischer Fahrpreisberechnung (z.B. "Handyticketing"), was aber bis 2020 nicht vollständig umgesetzt werden kann.


Diverses
Der RNVP vom RMV enthält noch manche Fehler. In den das Schienennetz enthalten Grafiken verläuft die Bahnstrecke nach Frankenberg über den Haltepunkt Sarnau. Bis zum 3.7.2010 hätte das noch gepasst. Der Halt für Sarnau wurde am 4.7.2010 an eine Stelle verlegt, die nicht mehr die Bahnstrecke nach Frankenberg berührt, und die alten Anlagen wurden entfernt.

Im RNVP heißt es zum Thema Sicherheit: "Alle Regionalzüge sind mit Zugbegleitern besetzt." Vielleicht kennt man beim RMV den Unterschied zwischen Zugbegleiter und Lokführer nicht? Auf der Linie 16 beispielsweise sind gar keine Zugbegleiter im Einsatz.

Im Busverkehr stellt sich der RMV folgendes vor: "Im Busverkehr gilt grundsätzlich das Fahrgastflussprinzip: Die Fahrgäste steigen beim Busfahrer ein, rücken nach hinten durch und steigen an einer der hinteren Türen wieder aus. Der Busfahrer hat bei den einsteigenden Fahrgästen eine Einstiegskontrolle durchzuführen und die vorgezeigten Fahrkarten auf deren räumliche und zeitliche Gültigkeit zu prüfen." In der Theorie hört sich das schön an, in der Praxis wären viele Busse beim Befolgen dieser Anweisung hoffnungslos verspätet.

"Die Fortschreibung des RNVP wurde in einem aktiven und offenen Beteiligungsverfahren erarbeitet" schreibt der RMV. In dieser Beziehung besteht noch etwas Nachholbedarf. Um richtig offen zu sein, müsste jeder Bürger im RMV-Gebiet die Möglichkeit haben, vorab den Entwurf zu lesen und zu kommentieren.


Links

RNVP des RMV
RNVP des NVV
Nahverkehrsplan im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Nahverkehrsplan Wetterau
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