Ich bin aufgerufen, meine Seele kann zum Himmel aufsteigen

Das von den französischen Kriegsgefangenen errichtete Denkmal.
 
Im Friedhof für die verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen.
  Schwalmstadt: Trutzhain | Nahe der Stadt Ziegenhain (jetzt Schwalmstadt) befindet sich der kleine Ort Trutzhain. Trutzhain ist nun ein Stadtteil von Schwalmstadt und ist ein bedeutender, geschichtsträchtiger Ort.
Einst war hier eine Siedlung, nahe dem Truisenborn, die wüst geworden ist.
Während des Zweiten Weltkrieges errichtete das NS-Regime auf dem Gebiet des heutigen Trutzhain das Stammlager IX A für Kriegsgefangene (September 1939 bis März 1945). Das Lager bestand zunächst nur aus Zelten, ab Ende 1940 dann aus festen Fachwerk-Baracken für 6000–8000 Gefangene. Unter diesen war von 1940 bis 1941 der spätere französische Staatspräsident François Mitterrand.
Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 erfolgte reichsweit die Errichtung von Kriegsgefangenenlagern. Das STALAG IX A Ziegenhain war das größte Kriegsgefangenenlager auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen.


Mehrere tausend sowjetische Kriegsgefangene, die seit Oktober 1941 im STALAG IX A eintrafen, wurden in einem separaten Lagerbereich unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten.

Der überwiegende Teil der Kriegsgefangenen musste außerhalb des Lagers in sogenannten Arbeitskommandos Zwangsarbeit in der Landwirtschaft und in der Industrie leisten.

Bis 1945 wurden im STALAG IX A Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationen interniert: Zunächst Polen und Franzosen, darunter der spätere französische Staatspräsident François Mitterrand. Hinzu kamen Niederländer, Belgier, Briten, Serben sowie Italiener und Amerikaner.

Zum STALAG IX A Ziegenhain gehörten zwei getrennt voneinander angelegte Friedhöfe. Der heutige Gemeindefriedhof war der Bestattungsort für die verstorbenen westalliierten und polnischen Kriegsgefangenen.

Die systematische Ungleichbehandlung und Trennung der verschiedenen Gefangenengruppen fand ihre Fortsetzung über den Tod hinaus in der Bestattungspraxis der im Lager verstorbenen Kriegsgefangenen. Die polnischen, französischen, belgischen, jugoslawischen und amerikanischen Toten des STALAG IX A wurden auf dem heutigen Gemeindefriedhof Trutzhains in Anwesenheit eines Priesters, unter Geleit von gefangenen Kameraden bestattet. Den internationalen Vereinbarungen entsprechend, wurden die Angehörigen über den Tod und die Grablage des Verstorbenen benachrichtigt.

Die Gräber erhielten Holzkreuze mit den Daten der Toten. Beeindruckend ist noch heute das von französischen Kriegsgefangenen 1942 geschaffene Mahnmal der trauernden Frau sowie das an Stacheldraht erinnernde geschnitzte Eingangstor zum Friedhof.
Ende 1941 wurde für die sowjetischen und serbischen Toten der STALAG-Friedhof II angelegt.
Während die Bestattung der hier ebenfalls beerdigten italienischen Militärinternierten nach internationalen Gepflogenheiten erfolgte, wurden die sowjetischen und serbischen Verstorbenen in zum Teil mehrfach belegte Einzel- oder Massengräbern anonym verscharrt. Überdies fanden sich Beweise für die Abgabe von Leichen an die Anatomischen Institute der Universitäten Marburg und Göttingen.

Die sowjetischen und serbischen Toten wurden hingegen auf dem weit abgelegenen Waldfriedhof anonym, mitunter in Massengräbern, verscharrt. Auch die italienischen Militärinternierten lagen dort bis 1958 begraben.
Obwohl die Lagerbürokratie die Namen der im STALAG verstorbenen sowjetischen und serbischen Soldaten listenmäßig der Wehrmachtsauskunftsstelle (WAST) meldete und in einem Friedhofsbelegplan führte, wurden die Gräber nur mit nummerierten Betonpflöcken gekennzeichnet. Seit 1945 ist die Lagerkartei des STALAG verschollen oder fragmentarisch in verschiedenen Archiven überliefert.
Auf dem STALAG Friedhof II ruhen mehr als 400 sowjetische und serbische Tote. Inzwischen sind 349 Namen von dort begrabenen sowjetischen und drei Namen von serbischen Kriegsgefangenen bekannt und auf Bronzetafeln dokumentiert. Die Forschungen zur Schicksalsklärung werden kontinuierlich fortgesetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beerdigten die Amerikaner auf diesem Friedhof die Verstorbenen des Internierungslagers Ziegenhain; daneben fanden hier bis 1949 „displaced persons“ des IRO-Hospitals Steinatal ihre letzte Ruhestätte. Im Rahmen der Umbettung der Verstorbenen des Internierungslagers Schwarzenborn fand 1960 die erste Umgestaltung des Waldfriedhofs statt. Die noch vorhandenen sowjetischen und serbischen Einzel- und Massengräber wurden eingeebnet, unter Rasen gelegt und vergessen.
1992 wurde der Friedhof nach einer erneuten Umgestaltung und Wiedersichtbarmachung der „russischen Grabreihen“ als „Mahn- und Gedenkstätte Waldfriedhof Trutzhain“ eingeweiht. Seine Betreuung und Pflege übernehmen seither die Abschlussklassen der Carl-Bantzer-Schule Ziegenhain.
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.Die Gedenkstätte ist bemüht die Namen der dort begrabenen Kriegsgefangen zu ermitteln, in Zusammenarbeit mit den russischen Behörden Angehörige ausfindig zu machen und zu informieren. Dann finden auch Trauergottesdienste statt, in denen die nun namentlich bekannten Verstorbenen ausgesegnet werden können. Alle orthodoxen Christen müssen ausgesegnet werden, wenn sie sich zu Lebzeiten nicht von Christus und von der Kirche losgesagt haben. Sogar wenn der Mensch schon vor sehr langer Zeit verstorben ist, sollte man ihn in Abwesenheit aussegnen. In dem Gebet beim Ausscheiden der Seele heißt es unter anderem: Du allein befreist die Gefesselten und richtest die Darniederliegenden auf, Du Hoffnung der Hoffnungslosen, der Du jedem Menschen, der auf Dich vertraut, die Sünden erlassen kannst. Menschenfreundlicher Herr, befiehl, dass er von den Banden des Fleisches und der Sünden erlöst wird und nimm die Seele dieses Deines Dieners N. auf und lass sie ruhen inmitten Deiner Heiligen in den ewigen Wohnungen durch die Gnade Deines eingeborenen Sohnes, unseres Herrn, Gottes und Erlösers Jesus Christus, mit dem Du gepriesen bist samt Deinem Heiligen und lebendig machenden Geist, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.

Auf dem jetzt sehr gepflegten Friedhof wurde ein Denkmal errichtet, das an die Aussegnung der Verstorbenen erinnert. Eisenträger ragen aus dem Erdreich, auf diesen Trägern sind Tafeln angebracht, die je höher sie in die Luft ragen, mit den Namen der Verstorbenen versehen sind. Sie sind aufgerufen, sie sind ausgesegnet, für sie wurde gebetet, ihre Seele kann zum Himmel aufsteigen.
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