Workshop "essensWert" zu Gast in der Landkäserei Reißler in Nordendorf: "Gib Lebensmittelverschwendung keine Chance!"

Die bayerische Infokampagne gegen Lebensmittelverschwendung machte Station in der Landkäserei Reißler. Dabei gab auch Molkereimeister Stefan Kaiser wertvolle Tipps: "Käse mit abgelaufenem MHD muss nicht in den Müll, viele Käsesorten reifen weiter. Machen Sie die visuelle Kontrolle".
Nordendorf: Käserei | "In Deutschland landen jedes Jahr rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll; jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, wird weggeworfen; in einem Vier-Personenhaushalt wandert jährlich knapp tausend Euro an Lebensmittelwert in den Abfall". Diese alarmierenden Fakten (Studie Universität Stuttgart) präsentierte das Münchner Ernährungsinstitut "KinderLeicht" beim Workshop "essensWert" in der Landkäserei Reißler in Nordendorf. Die Initiative zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen tourt seit September 2013 durch Bayern und wird vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert. Die Kampagne gegen den Lebensmittel-Müllberg setzt gezielt bei den Verbrauchern an, denn über 60 % des Mülls stammt von den privaten Haushalten - die meisten Abfälle wären vermeidbar. "Wir wollen den Wert scheinbar wertloser Lebensmittel in den Blick rücken und beim Verbraucher das Bewusstsein für die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittel schärfen", beschrieb Agnes Streber, Oecotrophologin und Leiterin des Ernährungsinstituts KinderLeicht, das Ziel der Infokampagne. Die Workshopteilnehmer, darunter auch Vertreter von Schulen und Kindergärten, erhielten viele alltagstaugliche Tipps zur Abfallvermeidung - vom nachhaltigen Einkauf über die optimalen Vorratshaltung bis zum intelligenten Planen des Speisezettels. "Für die Umsetzung bedarf es keiner Vorlaufzeit. Jeder kann sofort starten und aktiv werden bei der Lebensmittel-Müllvermeidung", motivierte Streber.
Einkauf: Die Reduzierung von Lebensmittelabfall beginnt bereits beim Einkauf. Nie hungrig einkaufen. Lebensmittelvorräte vor dem Einkauf überprüfen. Mehrere kleine gezielte Einkäufe pro Woche tätigen statt eines Großeinkaufs. Einkaufszettel schreiben - wer ohne Plan einkauft, kauft meist zu viel.
Vorratshaltung: Jedes Lebensmittel hat individuelle Ansprüche. Richtig gelagert bleibt es länger haltbar, die Haltbarkeitsdauer hängt unter anderem von der Licht- und Sauerstoffeinwirkung und der idealen Temperatur ab. Bei leicht Verderblichem Kühlkette nicht unterbrechen. Lebensmittel mit kürzerem Ablaufdatum zuerst verbrauchen bzw. im Kühlschrank oder Speisekammer nach vorne stellen.
Verwertung: Kreativität und Spontanität helfen bei der Reduzierung von Lebensmittelabfall. Vor dem Kochen die Portion so gut wie möglich berechnen. Das gekochte Gericht in eher kleinen Portionen austeilen - Reste im Topf können problemlos wiederverwertet werden, Reste auf dem Teller wandern in die Tonne. Möglichst alle essbaren Teile verwerten wie beispielsweise beim Broccoli auch den Strunk. Auch mal "Reste-Rezepte" probieren - in Kochbüchern oder im Internet finden sich viele kreative Ideen.
Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum nicht in einen Topf werfen! Lebensmittel mit überschrittenem MHD sind häufig noch gut verwendbar, Augen, Nase und Zunge sind gute Kontrolleure. Im Handel löst ein abgelaufenes MHD kein Verkaufsverbot aus. Anders ist das Verbrauchsdatum zu bewerten. Es steht auf leicht verderblichen Lebensmitteln als "zu verbrauchen bis ..." und ist wörtlich gemeint. Es darf nach Ablauf nicht mehr verzehrt werden.
Abgerundet wurde der Workshop durch einen Vortrag von Gastgeber Stefan Kaiser über die Käseproduktion in seinem Familienbetrieb. Aus dem täglichen Umgang mit Nahrungsmitteln resultiere eine sehr wertschätzende und ethisch verantwortungsvolle Haltung gegenüber den Lebensmittel. Kreative Anregungen für den "Käseverzehr bis zum letzten Gramm" hält er bereit: "Mit Reststücken kann man noch schmackhafte Speisen zaubern, wie etwa Camembert mit Quark verquirlen und als Brotaufstrich servieren oder Hartkäse würfeln und in Öl einlegen". Auch müsse Käse, der womöglich mal über mehrere Stunden auf dem Frühstückstisch lag und dadurch etwas unansehlich wurde, keinesfalls in den Abfall. "Verwenden Sie ihn dort, wo das Auge keine große Rolle spielt, wie zum Kochen oder Überbacken", so der Ratschlag des Molkereimeisters.
Einigkeit herrschte am Ende der Infoveranstaltung bei den Teilnehmern: "Es besteht dringender Handlungsbedarf hinsichtlich der Lebensmittelverschwendung. Tragen wir das Thema als Multiplikatoren hinaus in unser Umfeld. Wenn jeder Einzelne mitmacht, kann man große Kräfte mobilisieren gegen den Lebensmittel-Müllberg".
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myheimat-Regionalmagazin meitinger | Erschienen am 03.05.2014
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