Fußball-Opas bei der WM 2014

Junge Fußballstars tummeln sich bei der Fußball-WM 2014 zur Genüge am Zuckerhut. Doch nicht nur Nachwuchskicker und Profis im besten Fußballer-Alter machen die Weltmeisterschaft unter sich aus. Viele Trainer bringen alte Haudegen und WM-erfahrene Routiniers über 32 Jahre mit zur Endrunde. Fast nur Gastgeber Brasilien verzichtet auf Altstars wie Ronaldinho und Kaká. Die folgenden Fußball-Opas werden den Jungspunden bei der Fußball-WM in Brasilien den Weg weisen und ihre Mannschaft führen.

In Gruppe A möchte Dario Srna (32, Schachtjor Donezk) Kroatien ins Achtelfinale führen. Er beerbte Niko Kovac nach dessen Rücktritt als Kapitän in der Nationalmannschaft, inzwischen ist Kovac sein Trainer. Leitwolf Srna ist jedoch längst nicht der älteste Kempen im kroatischen Team. Mit Ex-FCB-Linksverteidiger Danijel Pranjic (32, Panathinaikos), „Pferdelunge“ Ivica Olic (34, VfL Wolfsburg) und Torwart Stipe Pletikosa (35, FK Rostow) verfügen die Kroaten über sehr viel Erfahrung. Bei den unzähmbaren Löwen aus Kamerun ist Samuel Eto’o (33, FC Chelsea) aufgrund seiner Klasse für Trainer Volker Finke unverzichtbar, auch wenn der extravagante Stürmer dem Deutschen in die Aufstellung quatschen will. In der Abwehr auf Erfahrung setzt Mexiko. Dort nimmt Ex-Barca-Star Rafael Marquez (35, Club Leon) eine Schlüsselposition in der Innenverteidigung ein. Etwas überraschend kam dagegen die Nominierung des Ex-Stuttgarters Carlos Salcido (34, Tigres de Monterrey).

Iker Casillas (33, Real Madrid) geht als Nummer Eins für Spanien ins Turnier, sein Vereinskollege Xabi Alonso (32) bestellt den Acker im defensiven Mittelfeld. Außerdem kann Trainer Vicente del Bosque auf Chef-Stratege Xavi (34, FC Barcelona) und Außenstürmer David Villa (33, Atletico Madrid, wechselt zum New York City FC mit vorheriger Leih-Station Melbourne City FC) zurückgreifen. Alle vier Routiniers haben mit Spanien schon einige Titel geholt. Ohne Oldies kommen die Konkurrenten Chile und Niederlande in Gruppe B aus. Die Australier dagegen nutzen die Erfahrung von Mittelfeldspieler Mark Bresciano (34, Al-Gharafa Doha), der sein Geld lange in Italien verdiente, und Premier-League-Veteran Tim Cahill (34), der seine Karriere bei den New York Red Bulls ausklingen lässt.

Von Fußball-Opas wimmelt es in Gruppe C. Bei den Griechen stehen Georgios Karagounis (37, FC Fulham), Konstantinos Katsouranis (34, PAOK Saloniki), Loukas Vyntra (33, Levante), Evangelos Moras (33, Hellas Verona) und Dimitrios Salpingidis (32, PAOK Saloniki) im Kader. Zum großen Schlag muss auch die Elfenbeinküste ausholen, denn bei Stars wie Didier Drogba (36, Galatasaray), Didier Zokora (33 Trabzonspor) und dem an Malaria erkrankten Kolo Touré (33, FC Liverpool) tickt die WM-Uhr. Mit Spannung erwarten Fußball-Fans in Gruppe C den Auftritt von Kolumbien ohne Stürmer Falcao, dafür mit Verteidiger Mario Yepes (38, Atalanta Bergamo) und Torhüter Faryd Mondragon (42, Deportivo Cali). Der ehemalige Schlussmann des 1. FC Köln feiert noch während der Fußball-WM seinen 43. Geburtstag und ist der älteste Spieler des Turniers. Kaum Oldies sind für Japan nominiert. Mit dem Ex-Wolfsburger Yoshito Okubo (32, Kawasaki Frontale) und Yasuhito Endo (34, Gamba Osaka) finden sich aber auch hier Nadeln im Heuhaufen.

Obwohl Italien in Gruppe D seinen Kader beträchtlich verjüngt hat, geht es nicht ohne ein paar Routiniers. Gianluigi Buffon (36, Juventus Turin) steht zwischen den Pfosten, sein Vereinskollege Andrea Pirlo (35) lenkt das Spiel in entscheidenden Momenten und Andrea Barzagli (33, ebenfalls Juve) verleiht der Abwehr Stabilität. Drei Spieler älteren Semesters haben es auch in den Kader der Three Lions geschafft. Englands Trainer Roy Hodgson setzt in der Zentrale auf Steven Gerrard (34, FC Liverpool), während Frank Lampard (35, FC Chelsea) und Stürmer Rickie Lambert (32, FC Southampton) als Reservisten vorgesehen sind. Auch für Uruguay laufen Altstars auf. Diego Lugano (33, West Bromwich Albion), Diego Perez (34, FC Bologna) und Diego Forlan (35, Cerezo Osaka), der einst zu den besten Angreifern der Welt gehörte und selbst in einer mit Luis Suarez und Edinson Cavani bärenstarken Offensive seinen Platz findet. Costa Rica, eine Mannschaft ohne WM-Haudegen und ohne Stars, dürfte den Flieger in die Heimat nach dem dritten Gruppenspiel besteigen.

Gruppe E: Linksverteidiger Patrice Evra (33, Manchester United) und Ersatz-Torwart Mickael Landreau (35, Bastia) haben es in den Kader Frankreichs geschafft. Walter Ayovi vom CF Pachuca läuft mit 34 noch für Ecuador auf. In der Schweiz ist Steve van Bergen mit 31 Jahren der älteste Akteur im Kader und die wenigen Oldies der honduranischen Nationalmannschaft kennt wohl kaum jemand hierzulande.

Erst 13 Länderspiele hat Hugo Campagnaro für Argentinien bestritten. Dabei ist der Abwehrspieler von Inter Mailand schon 33 Jahre alt. Genau wie Martin Demichelis von Manchester City, der immerhin schon 37 Mal für die Albiceleste auflief. Hinzu kommen bei den Gauchos noch Maxi Rodriguez (33, Newell’s Old Boys) im Mittelfeld und Stürmer Rodrigo Palacio (32, Inter Mailand), der mit Lionel Messi, Kun Aguero, Gonzalo Higuain und Ezequiel Lavezzi allerdings zu starke Konkurrenz im Angriff hat. Wie sieht es bei den drei übrigen Teams in Gruppe F mit Oldies aus? Der Ältestenrat bei den Super Eagles aus Nigeria dürfte aus Joseph Yobo (33, Norwich City), Shola Ameobi (32, Newcastle United) und Peter Odemwingie (32, Stoke City) bestehen. Bosnien-Herzegowina bietet Zvjezdan Misimovic (32, Guizhou Renhe FC) und Emir Spahic (33, Bayer Leverkusen) auf. Von den älteren Fußballern im iranischen Kader dürfte Fans am Ehesten Javad Nekounam (33, Kuwait Sporting Club) als ehemaliger Kicker des CA Osasuna ein Begriff sein.

Vor einem Jahr hat wohl kaum jemand noch gedacht, dass Torwart Roman Weidenfeller (33, Borussia Dortmund) für ein Länderspiel nominiert wird, geschweige denn, zur WM fährt. Durch die Schulterverletzung von Manuel Neuer sieht es inzwischen beinahe so aus, als würde der BVB-Schlussmann zumindest im Auftaktspiel der Deutschen in Gruppe G das Tor hüten. Sollte Bundestrainer Joachim Löw im Verlauf des Turniers wieder vom System der „falschen Neun“ abkommen, läuft wie im Testspiel gegen Armenien fast zwangsläufig die einzige Spitze im Kader auf, nämlich Miroslav Klose (35, Lazio Rom). Auch bei den Portugiesen stehen drei Routiniers im Aufgebot: Torwart Beto (32, FC Sevilla) sowie die Verteidiger Bruno Alves (32, Fenerbahce) und Ricardo Costa (32, FC Valencia). Während Ghana ohne Fußball-Opas auskommt, greift US-Trainer Jürgen Klinsmann im Tor auf Tim Howard (35, FC Everton) und Nick Rimando (34, Real Salt Lake) sowie auf die allesamt 32-jährigen Feldspieler DaMarcus Beasley (Puebla FC), Kyle Beckerman (Real Salt Lake), Brad Davis (Houston Dynamo) und Jermaine Jones (Besiktas Istanbul) zurück.

Russland traut sich in Gruppe H ebenfalls nicht ohne alte Haudegen nach Brasilien. Sergey Ignashevich (34, ZSKA Moskau) bildet gemeinsam mit seinem gute zwei Jahre jüngeren Vereinskollegen Vasiliy Berezutskiy den Eckpfeiler in der Abwehr. Spielgestalter Roman Shirokov (32, FK Krasnodar) ist allerdings noch nicht ganz fit und Torhüter Sergey Ryzhikov von Rubin Kasan fährt mit 33 Jahren und der Erfahrung von einem Länderspiel zur WM. Bei Belgien darf Daniel van Buyten (36, FC Bayern München) mit, Südkorea holt Tae-Hwi Kwak (33, Al-Hilal Riad) ins Boot und Algerien verzichtet auf Oldies.

Wie viel Einfluss können Spaniens Altmeister noch auf den WM-Verlauf nehmen? Wie weit kommt Kroatien mit einer sehr guten Mischung aus Talenten, Kickern in der Blüte ihrer Karriere und starken Routiniers? Spielen die alten Haudegen aus Argentinien, Russland oder Italien noch eine Rolle, wenn es um die Wurst geht? Altmeister wie Eto’o, Forlan, Evra, Karagounis oder Klose sollten die jüngeren, schnelleren, dribbelstarken WM-Teilnehmer jedenfalls nicht unterschätzen. Womöglich hat einer der Routiniers am Ende entscheidenden Einfluss auf Überraschungen bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien.
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