KAB Ortsgruppe Meitingen vor 85 Jahren als Katholischer Arbeiterverein gegründet

Meitingen: St. Wolfgang |

Bei der Jahreshauptversammlung der KAB Ortsgruppe Meitingen am "Tag der deutschen Arbeit" wurde auch ein Rückblick auf die Gründungsgeschichte des Vereins gegeben.

Den Aufzeichnungen ist zu entnehmen, so Franz Schaffer, dass nach jahrelangen Gesuchen beim Ordinariat von Seiten der Gemeinde, einen Priester zu bekommen, dies 1927 überraschend Erfolg hatte. Meitingen besaß eine kleine Kirche und ein Benefizienhaus. Die Forderung des Ordinariats war, das Haus bewohnbar herzurichten und einen Gehaltsanteil für den Geistlichen durch die Gemeinde zu übernehmen. Nachdem dies zugesichert war, bekam die Gemeinde ihren ersten eigenen Seelsorger. Am 16. August 1927 bezog Expositus Ernst Ritter aus Augsburg das frisch renoviert Haus.
Kaplan Ritter muss ein bescheidener, jedoch aufgeschlossener, rühriger und leutseliger Geistlicher gewesen sein. Der Bau der heutigen St. Wolfgangskirche wurde durch ihn vorangetrieben. (14. Mai 1929 Abbruch und zwei Jahre später am 14. Mai 1931 erfolgte die Einweihung der neuen Kirche).
Exp. Ritter hatte Kontakt zum damaligen Arbeitersekretär der Diözese Augsburg, Hans Adlhoch, den er mehrmals zu Vorträgen und Informationsveranstaltungen über die in dieser Zeit anstehenden sozialpolitischen Fragen eingeladen hat. Bald schloss sich eine Gruppe von 19 Männern zusammen, die bereits im November 1929 den „Katholischen Arbeiterverein“ gründeten. Im März 1930, bei einer außerordentlich gut besuchten Generalversammlung wurde dann die Gründung besiegelt. Den Rechenschaftsbericht erstattete Präses Ritter. Als Vorstand wurde in dieser Versammlung Ludwig Biederwolf gewählt. Karl Liepert wurde Kassenwart. Der Vortrag von Hans Adlhoch bei dieser Versammlung über die Invalidenversicherung wurde mit großem Interesse aufgenommen. Bürgermeister Hans Koch dankte dem Referenten für seinen Vortrag und stellte weiter fest: Der junge Kath. Arbeiterverein steht fest da, so dass ganz begründete Aussicht besteht, dass er auch weiterhin unter der rührigen Führung seines Präses Benefiziat Ritter blüht und gedeiht.
Mit dem Wahlspruch
„Gott segne die christliche Arbeit"
und einem Lied wurden die Versammlungen immer begonnen und beendet.
Ritter hat mit Dr. Metzger zusammengearbeitet, der, so aus Erzählungen u.a. von Liepert, den neuen Arbeiterverein ebenfalls unterstützte. (Dr. Metzger wurde am 17. April 1944 in Berlin durch das Fallbeil hingerichtet). Auch Ritter war ein absoluter Gegner der damaligen Machthaber und wurde wegen dieser Haltung in „Schutzhaft“ genommen. Die Abberufung von Expositus Ritter erfolgte bereits 1937 durch das Ordinariat.

Die Gründung des Werkvolks 1955 vor 60 Jahren.
Karl Liepert, der bereits 1930 dem Arbeiterverein beigetreten war, war der Motor zur Neu-gründung des Abeitervereins 1955, zwischenzeitlich als „Werkvolk“ umbenannt. Pfarrer Johann Radinger war erster Präses. (Radinger war von 1937 bis 1941 Expositus und 1941 mit der Errichtung der eigenständigen Pfarrei, Pfarrer von Meitingen bis 1981).
Unter der Leitung von Liepert wurden viele Aktivitäten gestartet. Hier sind zu nennen sozialpolitisch Vorträge, aber auch gesellige Veranstaltungen und Ausflüge. Hervorzuheben sind u. a. ein vom Kreisverband organisierter Arbeitnehmertag 1978 in der Gemeindehalle mit Diözesanprälat Alfred Sauer als Zelebrant und Prediger.
Mit der Einführung der Messfeier zum Volk spendete die Werkvolkgruppe den zunächst provi-sorischen Volksaltar. Beim Start der Seniorennachmittage übernahmen vor allem KAB Mit-glieder die Bewirtung und sorgten für Beiträge der Geselligkeit.
1973 gab Karl Liepert den Vorsitz an Helmut Tanzer ab. Neu war die Bestellung einer Frauenvorsitzenden. (Gleichberechtigung in der KAB war eine Selbstverständigkeit.) Dieses Amt wurde Frau Frieda Schuster übertragen. Beide ergänzten die Aktivitäten von Karl Liepert. Die Sammlungen für die Christliche Arbeiterhilfe (CAH) und der Caritas, wurden in dieser Zeit von den Mitgliedern weitgehend übernommen. Nach 9 Jahren, 1982 gab Helmut Tanzer den Vorsitz an Franz Schaffer ab. Zur Vorsitzenden der Frauen wurde im gleichen Jahr Frau Josefine Stuhlmüller gewählt. Veranstaltungen auf Kreisebene u. a. in der Wieskirch und in Rühlingstetten wurden rege wahrgenommen. Dabei hat die Verpflegung bei Wochenendver-anstaltungen in Rühlingstetten ausschließlich unsere Frauengruppe übernommen. Dem Wunsch nach einem Banner erfüllte die Schneiderin und KAB Mitglied Anna Kaiser. Frau Anna Hauser übernahm 1987 den Vorsitz der Frauen.
Eine gemeinsame Aktion mit der KAB Herbertshofen/Erlingen war bei der Markterhebung 1989 der Blumenwagen mit unserem KAB Zeichen, dem Hammerkreuz. Die Restaurierung der Josef-figur aus der alten Kirche übernahm die KAB. Mehrere Betriebsbesuche mit Informations-gesprächen mit der Werksleitung und Betriebsrat bei SGL u.a. mir Weihbischof Müller, Diözesanpräse Martin Bummele und unseren Ortspräses wurden organisiert. Solidaritätsbekundungen und Warnstreiks sind Teil unserer KAB Verpflichtung.
Seit April 2013 führt ein Leitungsteam mit Anne Hauser, Wilhelm Golling, Gerlinde Schwegler, Roman Margazyn, Gottfried Kröner und Franz Schaffer die Geschicke des Ortsverbandes. Soziale und gesellschaftliche Aktionen werden weiterhin durchgeführt. Dazu gehören u.a. die CAH Spendenaktion „Hyazinthezwiebel", Die alljährliche Waldadventfeier im Maria Elend seit über 25 Jahren (Unterstützt vom Busunternehmer Meier) mit Ausklang im Pfarrheim. Über 25 Jahre laden wir zum Fastenessen mit Pellkartoffeln und versch. Quarkspeisen ein, deren Erlös sozialen oder kirchlichen Einrichtungen zu Gute kommt, Kreuzweg- u. Maiandachten, Gebetstunde an Gründonnerstag, Fronleichnam, Erstellen eines Altars und beteiligen an der Prozession, wie auch die Wallfahrt der Frauen und Männer in der Ulrichswoche nach Augsburg. Wir bringen uns beim Ferienprogramm der Gemeinde mit ein. Die Angebote von Seniorenfahrten und Konzerten des KAB Bezirksverbands, die Teilnahme beim Kriegergedenken gehört zum festen Programm.

Zur Person Hans Adlhoch
Hans Adlhoch war Mitglied im Augsburger Stadtrat und im Reichstag. Wegen seiner kritischen Haltung zum Dritten Reich kam er mehrmals in „Schutzhaft“. Von April bis Oktober 1935 das ersten mal ins KZ Dachau. Ab 19. Jan. 1944 bis Kriegsende wiederum nach Dachau.
Auf dem Weg in die sogenannte Freiheit vom KZ Dachau nach Bad Tölz am 26. April 1945 mit noch 14000 Häftlingen brach Adlhoch zusammen. Am 21. Mai 45 starb er in einem ungarischen Militärlatzarett in München.
Seine letzten Worte waren:
„Wenn ich sterbe, sterbe ich für Christus“.
In Meitingen ist auf unsere Anregung hin eine Straße nach ihm benannt.

(Text von Franz Schaffer)
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1 Kommentar
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Gitte Garbrecht aus Berlin | 01.06.2015 | 17:49  
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