Der Lechrain, Alte Grenzlandschaft zwischen Bayern und Schwaben

 
Dr. Albert Thurner, Werner Gutmann
Anders als das Allgäu, der Pfaffenwinkel oder das Werdenfelser Land ist der Lechrain eine relativ unbekannte Landschaftsbezeichnung. Zum einen, weil es keine touristische oder mediale Nutzung dieses Namens gibt. Zum anderen aber auch, weil Umfang und Abgrenzung des Lechrains bis heute umstritten sind.“ Mit dieser Feststellung eröffnete Dr. Albert Thurner seinen Vor-trag vor den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft 60plus der Landsberger SPD im Waitzinger Bräustüberl.

Die erste Nennung der Lechrainer führt auf Johannes Thurmaier (Aventinus) zurück, der 1523 in seiner Landtafel und Chronik schrieb: „An dem Lech Lycates oder Lycatios, haissen wir nun die Lechrainer." Er grenzt die Lechrainer auf der bairischen Seite klar von den Schwaben ab.

Obwohl der Lech ja auf beiden Seiten einen Rain hat, rechnet niemand die Ostallgäuer oder die Augsburger zum Lechrain. Links vom Lech sind eindeutig Schwaben, rechts des Lechs gibt es eine Übergangszone vom Schwäbischen ins Bairische. Was ist nun das Prägende für den Lech-rain? Sicher nicht die Landschaft, auch nicht die Trachten oder die Bauformen. Vielleicht gibt es ein paar typisch lechrainische Sitten und Gebräuche. Das hervorstechendste Merkmal dieser Überganszone aber ist der Lechrainer Dialekt, der einen bairischen Wortschatz mit schwäbischer Aussprache und Relikten aus dem Mittelhochdeutschen verbindet.

Für die Herausbildung dieser bairisch-schwäbischen Mischung gibt es verschiedene Erklärun-gen. Die Lechrainer Bevölkerung, obwohl seit jeher unter bairischer Herrschaft, stand unter ständigen Einflüssen aus dem Schwäbischen, vor allem aus der nahen und mächtigen Reichs- und Bischofsstadt Augsburg. So liefen durch das Gebiet am Lech ja auch zwei wichtige Fernhandelsstraßen von Augsburg nach Italien. Vielleicht aber hat die Lechrainer Sprache auch nur Gemeinsamkeiten des Schwäbischen und Bairischen konserviert, die sich in den jeweiligen Dia-lekten selbst schon lange verloren haben.

Die Verbreitung des Lechrainer Dialekts definiert immerhin recht gut die genaue Ausdehnung des „engeren“ Lechrains: vom Hohenpeißenberg zum Ammersee, von dort zur München-Augsburger Straße bis vor die Tore von Augsburg. So hat bereits Mitte des 19. Jahrhunderts der Peitinger Schriftsteller Joseph Friedrich Lentner die Grenzen des Lechrains beschrieben. Die anderen Landstriche am Fluss bis hinab nach Rain am Lech können als Lechrain im weiteren Sinne gelten.

Heute ist ein lechrainisches Sonderbewusstsein noch in der einheimischen Landbevölkerung vorhanden und wird durch einige Vereins- und Straßennamen oder die Rubrik „Lechrain“ im Landsberger Tagblatt aufrechterhalten. Mit dem langsamen Aussterben des Lechrainer Dialekts ist aber auch dieses Sonderbewusstsein im Schwinden begriffen. In naher Zukunft, meinte Thurner, wird der Lechrain zur reinen Landschaftsbezeichnung ohne kulturelle Eigenheit herab-sinken.

Werner Gutmann, der Leiter der Arbeitsgruppe 60plus der Landsberger SPD, konnte mit Dr. Al-bert Thurner einen Referenten gewinnen, der nicht nur ein hervorragender Historiker, sondern auch ein gebürtiger Lechrainer ist. Viel Applaus und eine lang andauernde Diskussion lassen den Schluss zu, dass der „Lechrain“ bei den Besuchern wieder ein Stück ins Bewusstsein gerückt wurde.
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