Alfred Hennings – ein rastloser Rentner......

Alfred Hennings, kein Rentner zum Ausruhen
 
Hennings, als junger Bursch und Soldat

Wenn man zu Alfred Hennings ins Atelier kommt braucht man Zeit. Denn in seinen inzwischen 89 Jahren hat er viel erlebt und ein erfülltes Leben hinter sich. Doch für ihn, den Freischaffenden Künstler, Diplomdesigner, Maler und Graphiker gibt es noch viel zu tun. Ob nun als Berater einzelner Firmen oder Vereine, oder als Dozent an der Volkshochschule, sein Wissen und Können ist überall gefragt.

Man merkt ihm sein Alter nicht an, seine 89 Jahre, die er im Oktober vollendet, und er fühlt sich auch immer noch fit. Ist er bis vor zwei Jahren noch alleine mit dem Mountenbike unterwegs gewesen, so hat ihm dies seine zwei Jahre jüngere Frau dann verboten. Hatte sie doch Angst das ihm etwas zustoßen könnte und keine Hilfe da wäre. Er nimmt dieses Verbot gelassen, wenn auch übertrieben, so sieht man ihn halt dann mit seinem schnittigen Audi TT von einem Termin zum anderen fahren.

Der 1919 in Magdeburg als jüngster von fünf Kindern geborene Alfred Hennings sieht in seinem Leben viele glücklich Zufälle. Einer davon war dass ihn die Eltern trotz Widerspruch die „Brotlose Kunst“ studieren ließen. Im Krieg und danach in russischer Gefangenschaft musste er viele Kameraden begraben und der Zufall wollte es, wenn schon in Russland in Gefangenschaft, dann im Kaukasus. Auch von hier kam er unbeschadet 1950 zurück und konnte sein Studium weiter voran treiben.

Als weiteren glücklichen Zufall oder Schicksal bezeichnet Hennings das Kennenlernen seiner Frau, die aus Belgien zu Besuch war und er schriftlich um ihre Hand bei ihren Eltern anhalten musste. 1951 durfte er sie dann heiraten und hat es nie bereut. Und wenn irgendwo im Regal im Kaufhaus eine Verpackung steht, zum Beispiel von Melitta, so hat diese bestimmt er entworfen. Durch einen Zufall kam er auch nach Krumbach, durch eine Zeitungsanzeige. Ein Kriegsfreund von Hennings wohnte in Stockach am Bodensee, nur 8 km weit entfernt von Krumbach. Das dies jedoch nur ein Dorf und keine Stadt war, konnte er nicht wissen. Denn die Firma Lackfabrik Dr. Sallinger war hier.

Dennoch für ihn ein glücklicher Zufall, Stockach ist nicht so weit weg wie Bielefeld. Durch Zufall lernte er auf der Post Alfons Schmid kennen, der ihn für die Volkshochschule anwarb. Auch Alois Wachter kam auf einem Postbesuch auf ihn zu, der suchte für die Fachoberschule eine kunsterzieherische Lehrkraft für die 11. Und 12. Klasse. In den Jahren wo andere langsam an den Ruhestand dachten, da startete Alfred Hennings nochmals richtig durch.

So wollte er 1991 unbedingt nochmals auf den Spuren seine Kriegsgefangenschaft gehen und reiste mit seinem Sohn in den Kaukasus. Von diesen Erlebnissen alleine mitten in den 4000der könnte er Stundenlang berichten. Von dieser Gastfreundschaft der Leute dort und von seinen doch sehr positiven Eindrücken. Doch damit sollte es noch nicht genug sein. 2003 ging er in die Lüfte, erfüllte sich einen anderen Traum. In Laupheim sprang er aus 4000 Meter im Tandem – Flug mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug. Eine dafür überreichte Urkunde zeigt er heute voller stolz.

Ansonsten hält er sich noch täglich in seinem Atelier auf, das in einem Gebäude im Keller der Firma Novokeram untergebracht ist. Als guter Freund des Seniorchef Max Wagner und heute noch ständiger Berater der Firma bekam er die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt. Hier arbeitet er noch immer an verschiedenen Techniken der Graphik und der Malerei. Hier entstehen weiterhin noch Werke, die er immer wieder für Ausstellungen benötigt. Und hier bildet er sich selber immer wieder weiter um als Dozent an der VHS seinen Schülern immer wieder neues bieten zu können.

Und wenn er dann wirklich auch mal Zeit hat, nicht für den Kultverein unterwegs ist und keiner Firma beratend zur Seite steht, dann schwingt er mit seiner Frau das Tanzbein. Und Tanzveranstaltungen finden sich für das jung gebliebene Paar immer und immer wieder. Und ans Aufhören und sich zur Ruhe setzen, da denkt Alfred Hennings noch lange nicht daran. Denn viel zu viel gibt es für ihn noch zu tun..............

Alfred Hennings Steckbrief in Kürze:
Am 25. 10. 1919 in Magdeburg geboren;
Besuch Volksschule, Realschule, Abschluss Mittlere Reife;
1938/39 Studium der Meisterschule Magdeburg, Fachklasse Graphik;
1939 Wehrdienst und bis 1950 Kriegsgefangenschaft in Russland;
1950 bis 1953 Ausbildung zum Holzbildhauer in Wiedenbrück;
1951 Heirat
1954 Fachhochschule Bielefeld für Freie und Angewandte Graphik;
1958 bis 1964 Leiter der Design – Ateliers bei den Melitta – Werken;
1963 Geburt des Sohnes
Seit 1964 Freischaffender Künstler in Krumbach;
1975 bis 2004 Kunsterzieher an der FOS Krumbach;
daneben
1981 bis 1999 Kunsterzieher an der BFS für Ergotherapie in Günzburg;
1989 bis 1991 und
2001 bis 2005 Kunsterzieher am Simpert – Krämer - Gymnasium Krumbach;
1984 Berufung zur Lehrplankommission für BFS vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung, München,
Seit 1972 Dozent an der VHS Krumbach

Daneben war Alfred Hennings 1971 Preisträger für die Festschrift zum Wirtschaftskongress CIOS Munich, wo aus 16 Länder 300 Künstler teilnahmen.
Preisträger für Werbung auf Zigarettenpackungen und bei der Württembergischen Metallwarenfabrik für Graphiken. Viele Prospekte tragen seinen Namen, wie jener vom „Ulmer Spatz“, Bäckereimittel - Lieferant oder vom Ulmer Brotmuseum. Seine Arbeiten aufzuzählen würden Seiten füllen, und es werden längst noch nicht die letzten sein, die den Namen „Alfred Hennings“ tragen werden.........

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Karin Völkl aus Bad Endbach am 16.09.2008 um 08:19 Uhr  
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