Sommerloch - die kleine Version

    Betty hat in ihrem letzten Eintrag sehr deutlich ihre Meinung zum Thema Sommerloch und fehlende Besucher kundgetan. Natürlich hat sie Recht, aber vielleicht hätte man es auch weniger direkt ausdrücken können. Ich weiß, ich bin auch nicht gerade für Diplomatie und Zurückhaltung bekannt, unsere Menschen hier wissen das nur zu gut, aber ich denke mir, daß Sie Menschen auch mal hin und wieder eine Pause von uns verdient haben.
Das nennt man dann Urlaub und was kann es schöneres geben, als sich ins Auto zu setzen, Stunden im Stau stehen, ganz viel schwitzen und sich ärgern, daß man nicht noch früher los gefahren ist, um dann am Urlaubsort angekommen festzustellen, daß der Campingplatz zwar schön ist, aber auch sehr voll und laut, daß das Wetter nicht garantiert immer schön sein kann und es unendlich viel Spaß macht bei starken Regen gelangweilt im Wohnwagen zu sitzen. Die Alternative? Bei uns sein und in voller Sonne mit uns im Auslauf eine Runde spielen oder eine kleine Runde Gassigehen, wenn unsere Menschen es als nicht zu heiß erachten. Es liegt in Ihrem Ermessen, was Sie bevorzugen.
Aber lassen wir das Thema. Auch wenn das Sommerloch noch nicht vorbei ist und wir nicht unbedingt alle immer Spazieren gehen können, dann muß ich zum Beispiel heute feststellen, daß unsere kleine Gipsy wohl gerne unterwegs war. Sie fand ihre Gassigänger heute toll und ist einfach so mal ein bißchen länger mitgelaufen, als wir es in der letzten Zeit von ihr gewohnt waren. Vielleicht hat sie meine kurze Einführung in das Spazierengehen doch verstanden. Ich weiß ja, daß sie ein unendlich helles Köpfchen hat und hier viel zu wenig dafür zu tun hat, aber die Pfoten kann man doch bitteschön immer mal bewegen - das tut dem Kopf am Ende vom Tag auch ganz gut. Ich kann ohnehin nicht verstehen, warum an sich alle immer wieder Besuch bekommen und auch teilweise schon engere Freunde gefunden haben, nur Gipsy nicht. Woran liegt das? Ich habe noch nichts gefunden, das sie falsch macht. Gipsy liebt Menschen über alles und freut sich über Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten wie kein anderer Hund hier zu Zeit. Warum also hat diese umwerfende Hunde-Dame keine Interessenten? Sie hat doch die perfekte Größe, ist zwar bewegungsfreudig, liebt es aber genauso auf dem Schoß zu sitzen und von einer heilen Welt zu träumen. Sie ist niedlich und unglaublich freundlich und so schnell zufrieden, wenn nur ein Mensch bei ihr ist. Gut, sie hat verlernt wie es mit Artgenossen klappt, aber das kann sie wieder leicht hinkriegen, sie ist ja nicht dumm und ja, sie hat halt einfach einen Jagdinstinkt, aber ist das denn bei der Rasse verwunderlich! Also ich finde in der Tat wirklich keinen Grund, warum Gipsy immer noch bei uns ist. Viele Besucher finden auf Anhieb Fynn oder Keks toll. Auch klar....weiße Hunde haben schon etwas Besonderes an sich. Sie verschmutzen leicht! Nein, Scherz beiseite. Aber gerade diese Beiden sind nicht so einfach Zeitgenossen, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Nehmen Sie mal Keks. Ein Herdenschutzhund, der 3 Jahre alt ist, bisher 5 Besitzer hatte und diese Erfahrungen einfach nicht ganz aus seinem Kopf raus bekommt. Natürlich, ein hübscher Kerl und die Größe und die Erscheinung sind beeindruckend, aber da kann nicht mal einfach so ein Mensch daher kommen und sagen "den nehme ich mit!". Das geht ja bei uns eh nicht, denn unsere Menschen nehmen Gott sei Dank ihre Pflicht sehr ernst, uns gut zu vermitteln und uns nicht einfach nur los werden zu wollen. Wir sind ja nicht einfach irgendeine Ware und unsere Menschen sind so toll, daß sie sich immer um uns kümmern. Und Fynn? Nun ja, er hört und sieht nicht ganz so gut und da gibt es dann auch ein paar Dinge zu beachten. Das weiße Fell bedeutet halt leider manchmal einen Gendefekt, der sich dann im Bereich Hören und Sehen zeigt. Fynn ist ein toller, junger Hund, verstehen Sie mich da nicht falsch, aber er sollte dann doch bei Menschen leben, die nicht nur jetzt, wo er jung ist mit ihm leben wollen und denen bewußt ist, daß er hin und wieder doch anders behandelt werden sollte. Mal schnell von hinten an ihn dran rennen, weil Mensch sich sicher ist, daß der Hund schön hört...das klappt bei Fynn nur, wenn er spürt, daß Sie kommen. Für ihn wäre ein zweiter Hund in der Familie toll - als Anhaltspunkt sozusagen. Aber das macht weder Keks noch Fynn zu schwierigen Hunden. Das bedeutet nur, daß man sich kein Stofftier zulegt, sondern ein Lebewesen mit Herz, Verstand und Seele, das so seine Erfahrungen im Leben gemacht hat. Nehmen Sie doch Bella. Sie mußte immer bewachen und immer bellen, wer kann ihr verübeln, daß sie nach wie vor hin und wieder bellt. Oder auch Sam, der bei uns das Autofahren lernt, weil er das vorher wohl noch nie machen mußte. Oder Tobi, der zwar ein Familienhund war, aber irgendwie auch wieder nicht. Wenn man ihn nach seinem bisherigen Leben fragt, dann hat er bei Menschen gelebt, aber wohl nicht so wirklich mit ihnen. Nele redet ja nach wie vor nicht über ihr früheres Leben, ich denke, sie ist so froh, daß sie hier bei uns ein neues Leben anfangen darf, da will sie Früher einfach nicht mehr wissen. Und auch Hilde, die bei uns eingezogen ist, weil ihre Besitzerin verstorben ist, weiß wohl bereits, daß das hier ihre große Chance auf ein gutes Hundeleben ist. Von mir wollen wir mal garnicht reden! Ich habe ein paar Monate gebraucht, aber ich habe es verstanden: ich mußte hier einziehen, um mein Leben in den Griff zu bekommen - und das tue ich, glauben Sie mir.
Vor Kurzem habe ich zu Betty gesagt, was sie tun würde, wenn sich jemand für sie interessieren würde und sie hier aufziehen sollte. Sie konnte mir keine wirkliche Antwort geben, denn Betty gehört hier her, hier hat sie Respekt und Liebe kennen gelernt und sie weiß selbst nicht, ob sie das aufgeben würde. Da müßte wohl der prefekte Mensch kommen, dem selbst eine Betty nicht widerstehen kann.
Und damit kommen wir zu den Auszügen der letzten Woche - ja, es gab Auszüge trotz Sommer, Sonne und kleinen Sommerloch.
Da wäre mal als erstes unser Geschichtenerzähler Nepomuk, der nun endlich einen Mensch für sich alleine hat, der ihm rund um die Uhr zuhören will. Es freut mich sehr mein Guter. Und auch das schöne Fräulein Honig hat Menschen für sich gefunden, die sich aber nicht nur wegen Ihrer Schönheit in sie verliebt haben, sondern vorallem, ihr zartes Wesen zu schätzen wissen. Auch Dir das aller Beste. Und dann wäre das Rocky, der nun endlich auch sein Katerleben anfangen kann, nachdem der Beginn nicht ganz so toll war. Viel Spaß lieber Rocky. Und nicht zu vergessen unser Bernd der auch seinen Mensch gefunden hat und nicht lange gezögert hat, um mit diesem mit zu gehen. Gut gemacht!

Das macht doch Hoffnung für die kommenden Wochen und wenn das Sommerloch sich weiter so von seiner guten Seite zeigt, sollten wir uns nächstes Jahr vielleicht darauf freuen.
Ich wünsche Ihnen ein paar schöne Tage.
Ihr
Wolfi

http://www.tierheim-hoechstaedt.de
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