Die neue Zeit.

   
Wolfi
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich weiß, es ist nicht einfach nun wieder sozusagen von Vorne anzufangen. Wolfi weiß noch nicht, wie er das Tagebuch weiter schreiben soll, was er erzählen soll. Ihm fehlt Betty ganz unglaublich. Sie fehlt uns allen, auch wenn gerade Betty und ich nicht wirklich Freundinnen waren. Wir haben uns aber auch nie bemüht einen Weg zu finden. Sie war die Hofkatze und ich finde mein Leben im kleinen Hundehaus, mit einer Wohneinheit für mich ganz alleine an sich sehr angenehm. Wissen Sie, ich bin nicht unbedingt daran interessiert meine Artgenossen um mich zu haben. Ich habe zwar mal eine kurze Zeit einen Mitbewohner gehabt, aber nun ja, was soll ich sagen, ich war schon sehr froh, als er dann ausgezogen ist. Mein Name ist übrigens Tina und ich habe beschlossen, daß ich Wolfi beim Tagebuch helfen werde. Ich glaube, daß ich einen guten Abstand zu allem hier habe und daher mehr als perfekt geeignet bin, über das Leben im Tierheim zu schreiben. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe unsere Menschen hier, wie schon erwähnt, meine Artgenossen bräuchte ich nicht wirklich um mich, aber wenn sie da sind und sie gehen mir aus dem Weg, dann ist alles in Ordnung. Hunde? Hm, da bin ich ziemlich unbefangen. Ich denke, daß auch Hunde merken, daß ich durchaus in der Lage bin, mich sehr gut zur Wehr zu setzen. Ich weiß, daß jeder neue Tagebuch Schreiber sich kurz vorstellen soll, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben. Also bitte schön:
Mein Name ist wie gesagt seit ich hier eingezogen bin Tina. Mein Leben davor ist mittlerweile irrelevant. Ich bin nach einem Unfall hier eingezogen, Gott sei dank hat mich jemand gefunden und diesen tollen Menschen hier übergeben. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre. Ich wurde gut versorgt und habe den Unfall vollkommen ohne bleibende Schäden überstanden. Dafür bin ich unseren Menschen auch sehr dankbar. Nein, es kommt kein "aber"! Ich bin unseren Menschen dankbar, sie haben sich toll um mich gekümmert und tuen es auch immer noch. Ich bin keine große Schmusekatze, aber ich kuschle schon sehr gerne. Ich merke sehr schnell, wenn der Mensch, die sich mit mir unterhält, aber einfach lieber nur kuscheln will und keine Unterhaltung führen will, dann gehe ich auch manchmal einfach weg. Ich bin mir sicher, daß das mit der Grund ist, warum ich noch hier bin. Aber es ist auch ein bequemes Leben für mich. Ich habe genug Platz, gut, keinen richtigen Freilauf, aber genug Ausgang, um die Nase in den Wind strecken zu können. Ich kann alleine leben und muß mir nicht überlegen, ob ich auf meinem Weg irgendwem begegnen werde, den ich nicht treffen will. Ich bekomme immer Futter und das reichlich. Nicht, daß ich in der Tat verfressen bin, aber ich habe sehr oft gleichzeitig die Qual der Wahl zwischen Trocken- und Nassfutter und vielleicht würde der ein oder andere sagen, daß ich mehr Auslauf brauche. Kommt Zeit, kommt auch das. Ich genieße dieses schön bequeme Leben hier und es gibt ja auch viel zu sehen.
Sicherlich werde ich in Zukunft immer mal wieder ein wenig von mir erzählen, aber es gibt in der Tat wichtigere Neuigkeiten und ich möchte gerne mit den positiven Erlebnissen beginnen.
Es gab einen Auszug aus dem Hundehaus und ich weiß, daß das mittlerweile schon fast eine Überraschung und Sensation ist. Daher dies als erste Nachricht. Keks, der weiße Riese ist ausgezogen. Ich habe ihn oft genug bewundert, da er einfach in der Tat nicht nur groß, sondern auch unzweifelhaft beeindruckend mit seinem Auftreten ist. Ich freue mich, daß er nun nach all den schlechten Erfahrungen mit Menschen endlich die Familie gefunden hat, in der er sein kann, was er ist...ein großer Hund mit starken Instinkten. Ich habe die Menschen, die immer wieder zu ihm gekommen sind, gut beobachtet und ich ich bin mir sicher, daß die mit unserem Keks und seinen Ansprüchen und Wünschen gut klar kommen werden. Oft genug kommen Meschen zu uns, die es gut meinen, aber es einfach nicht passen würde. Das müssen unsere Menschen einschätzen können und Entscheidungen treffen. Vielleicht gefällt das nicht immer allen Beteiligten, aber im Fall von Keks war das mit seiner jetzigen Familie schon Liebe auf den ersten Blick. So soll es sein. Wunderbar.
Und auch im Katzenhaus ist so einiges passiert, was ein wenig zurückgestanden ist, ob all der schlimmen Nachrichten in der letzten Zeit. Es gab endlich einen Auszug aus dem Katzen-Kindergarten mit Kiara und Simba, die auch zusammen bleiben durften. Dann sind aus dem Mietz-Haus Pepe mit seinem Bruder Snowy, Minka, Dallas und Texas und auch endlich Emiliy, die dann gleich noch Joker aus dem kleinen Katzenhaus mitgenommen hat, ausgezogen. Das liest sich doch gut! Natürlich haben wir schon wieder etliche Neuzugänge im Katzenhaus, die zur Zeit noch in der Qurantäne sitzen und auf die Freigabe vom Tierarzt warten, ins Mietz-Haus einziehen zu dürfen, aber das dauert immer ein bißchen. Wir wollen doch sicher gehen, daß alle Bewohner gesund und munter bleiben. Auch neben mir sind viele Neue eingezogen. Da wäre Sindbad direkt neben mir, Karlo auf der Drei, wie unsere Menschen so schön sagen und Sydney zusammen mit Alessio auf der Vier. In unserem Notzwinger sitzen Lexa und Syd, die beide leider die schlimme Diagnose FIV positiv erhalten haben. Aber sie haben hier im Tierheim zusammen gefunden und irgendwie scheint es mehr als nur eine Freundschaft auf Zeit zu sein. Ich wäre nicht überrascht, wenn Lexa und Syd zusammen bleiben dürfen. FIV positiv ist übrigens nicht ein sofortiges Todesurteil, die beiden können ein langes gemeinsames Leben führen. Aber sie müssen auf Freigang in der Wildnis verzichten, was aber scheinbar auch kein so großes Problem für die Beiden zu sein scheint. Menschen finden sie toll, Syd schnurrt manchmal schon bevor ihn überhaupt jemand angesprochen hat. Doch, ich hoffe, daß unsere Menschen für die Beiden bald eine Familie gewinnen können.

Leider muß ich zum Abschluß doch noch Abschied nehmen. Unser ehemaliger Bewohner Jacko hat uns verlassen. Er hatte, ehe er im Tierheim eingezogen war, schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich und dies hat doch sehr tiefe Spuren hinterlassen. Ich weiß, daß dieser Verlust unsere Menschen sehr bewegt hat, weil auch Jacko, der kleine tolle Kerl, unsere Menschen sehr bewegt hat. Leb wohl Jacko.
Und auch im Katzenhaus mußten wir uns von einer Bewohnerin trennen. Cookie litt an einer seltenen Form von Ataxie und alle Versuche, die Krankheit so weit in den Griff zu bekommen um ihr ein lebenswertes Leben bieten zu können, schlugen fehl. Cookie wurde von ihrem Leid erlöst. Es ist sehr schade, daß wir nicht mehr für die kleine Maus tun konnten, aber manchmal sind selbst unsere Menschen machtlos.

So oder so hoffe ich, daß ich, solange ich das Tagebuch nun führe, nicht all zu viele Abschiede hinnehmen muß. Auch wenn ich keine Freunde verliere, dann traure ich dennoch um meine Mitbewohner und leide mit unseren Menschen mit.
Lassen Sie uns hoffen, daß ich über ganz viele Auszüge schreiben darf und mit Wolfi zusammen viele schöne Berichte für das Tagebuch verfassen kann.
Ihre
Tina

http://www.tierheim-hoechstaedt.de
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 02.10.2016 | 18:42  
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