Das Leben

  an und für sich und im Allgemeinen ist ja nicht immer ganz geradlinig. Das muß ich Ihnen nicht sagen und hier kann das jeder Bewohner bestätigen. Ab und dann scheint es still zu stehen - so wie es bei bei mir zu sein scheint - und manchmal rast es nur so an einem vorbei, daß es einem schwer fällt mitzuhalten.
Die letzten Tage sind einfach so an uns vorbeigerannt, ohne daß viel passiert wäre. Aber dennoch ist die Zeit einfach verflogen - weg war sie.
Wie kann es sein, daß nichts passiert, kein einziger Auszug und dennoch hat jeder Bewohner das Gefühl, daß er oder sie zu nichts Zeit hatte. Wie gesagt, manchmal ist das Leben in der Tat einfach ungewöhnlich und seltsam.
Meine läuft so dahin und auch ich muß mich immer wieder fragen, wo denn die Zeit hin ist. Kann es sein, daß doch mehr passiert, als uns allen bewußt ist.
Nun ja, ich kann Ihnen sagen, daß es ein paar Umzüge gegeben hat, so ist Lucky auf eine Pflegestelle gezogen, da er einfach so unglaublich traurig geworden ist, daß unsere Menschen im die Chance geben wollten, wieder einmal ein glücklicherer Lucky sein zu können und so durfte er auf eine Pflegestelle ziehen. Das wird ihm gut tun und wieder Mut schenken.
Und auch im Katzenhaus ist der kleine Jackson auf eine Pflegestelle gezogen. Ich glaube aber, daß das mehr mit seine leicht angeschlagenen Gesundheit zu tun hat und wenn es stimmt, was Betty mir erzählt hat, dann ist Jackson wirklich ein ganz kleiner Kerl, der ein wenig mehr Ruhe braucht, als er bei uns finden kann.
Ob ich die Beiden beneide? Keine Ahnung! Das meine ich auch ganz ehrlich. Ich weiß, Betty hat mich sehr geschimpft, daß ich unser Tierheim hier nicht als Zuhause ansehen soll. Aber es ist in der Tat viel besser, als bei den falschen Menschen zu leben. Das scheint meine gute Betty nicht zu kennen - aber ich. Ich will nie wieder bei den falschen Menschen leben, ich brauche viel Zeit und bei so vielen Menschen muß immer alles ganz schnell und einfach gehen und das bin ich nicht. Also habe ich für mich beschlossen, jeden Tag aufs Neue aufzuwachen, mein Leben hier zu schätzen und alles zu genießen, was mir hier Gutes passiert und davon gibt es viel und das sollten wir zu schätzen wissen. Natürlich bin ich einem Auszug nicht abgeneigt, aber ich habe einfach schon ein paar hinter mir und da muß jetzt schon ein ganz toller Mensch kommen, der auch nur wegen mir kommt und mich damit überzeugt, daß ich mit ihm mitgehen will.
Das mag eigensinnig sein, aber es geht ja auch um mein Leben.
Natürlich wird das Betty wieder nicht gefallen, obwohl ich auch bei ihr ab und dann Momente erkennen kann, die sie nachdenklich erscheinen lassen.
Wenn Sie Betty kennen würden und ihre Anfänge hier im Tierheim erlebt hätten, dann wüßten Sie, daß dies außergewöhnliche Momente sind. Betty ist Selbstvertrauen pur, sie hat einen derart starken Charakterkopf, daß sie sogar der Überzeugung ist, daß die Fundhäsin ihr nicht gewachsen wäre, obwohl diese deutlich größer ist als Betty. Aber so ist sie und auch wenn sie ab und dann widerborstig auftritt, so muß man sie einfach lieben. Nicht nur weil sie so unglaublich hübsch ist, nein, vielmehr, weil sie genau der Dickschädel ist, der auch mal einen Finger fressen will, der panisch vor einer Fliege weghüpfen kann, weil sie davon im Schlaf überrascht wurde, gleichzeitig aber auch eine fantastische Mäusejägerin ist. Betty ist so vielschichtig, daß sie mich nach wie vor jeden Tag aufs Neue überraschen kann. Ich glaube die Familie, die sich zutraut Betty aufzunehmen, wird ein paar Monate brauchen, um vollumfänglich zu verstehen, welchen Goldschatz sie da bei sich haben. Und wenn sie sich jetzt aufregt, daß ich sie als nette Katze darstelle, dann soll sie es tun.
Die Wahrheit kommt immer ans Licht meine liebe Betty.

So und dann lassen Sie mich noch ein wenig über unseren Neuzugang im Hundehaus Luna erzählen. Luna ist meine neue Nachbarin und ich weiß nicht, was ich getan habe, aber Luna will mir unbedingt und immer alles erzählen, was in ihrem Kopf vorgeht. Das kann anstrengend sein und ich kann auch noch nicht richtig damit umgehen, aber ich versuche geduldig zu sein, denn sie ist ja erst ein paar Tage bei uns.
Wie soll ich Luna beschreiben?
Sie wird 4 Jahre alt und ist eine tolle Mischung aus Border-Collie und Gott weiß was noch. Sie hat ein lustiges Knickohr, das sie aber nach Belieben auch aufstellen kann, wenn ihr danach ist. Das ist bemerkenswert. Aber im Moment ist sie wirklich anstrengend! Sie bellt mich an wenn ich raus komme, wenn ich an ihr vorbei laufe, wenn ich einfach nur da stehe oder dann wieder weiter laufe. Marlo auf der anderen Seite ist bei Weitem nicht so interessant wie ich scheinbar, dabei ist er doch so ein stattlicher Kerl. Ich weiß auch nicht. Ich habe keine Ahnung, wie und was ich ihr erzählen soll, damit sie sich ein wenig beruhigt, aber ich arbeite daran. Leider ist ja Lucky auf seiner Pflegestelle, sonst hätte er mir bestimmt helfen können. Er kennt sich mit Hündinnen viel besser aus als ich. Mich verwirrt das vielmehr. Mira muß ich auch nicht fragen, denn sie ist ja unser Baby, was soll sie mir da helfen können. Vielleicht sollte ich mal Walker ansprechen. Er müßte sich mit Hündinnen auch gut auskennen und Lebenserfahrung hat er auch.
Das ist ein guter Plan und ein guter Vorsatz für die neue Woche: mit Walker reden.

So und damit werde ich mal meine Schnauze vorsichtig nach draußen strecken und sehen, ob ich Luna etwas entkommen kann.
Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende und vergessen Sie uns nicht.
Ihr
Ringo


http://www.tierheim-hoechstaedt.de
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