Von Kirche- Adel, alten Gemäuer und Fledermaus

romanischen Petruskirche Linden
   
Fundamentstein der nicht aus der genannten Zeit stammen kann!!!
Linden: Deutschland | Mein Sonntagsspaziergang führte mich diesmal ins Gießener Becken. Auf der rechten Flanke eines kleinen Muldentales gelegen gibt es eine kleine aber stolze Bergbaustadt. Kalkstein und Sand brachten frühen Wohlstand. Geschichtlich hat das kleine Städtchen einiges zu bieten. Ersterwähnung 790 schenkt Winicho dem Kloster Lorsch seinen Besitz in Linden. Die Keimzelle der Stadt ist eindeutig der Bereich rund um die romanische Kirche. Großen Linden war eine typische Klostersiedlung. Es gab ein Nonnenkloster mit einer Holzkapelle, den Vorgänger der heutigen Kirche, eine Kirche der Templer, Adelshöfe, die als Lehn von unfreien Bauern bewirtschaftet wurden. Das kirchliche Areal wurde von einer Schutzmauer eingefriedet. Wie im Mittelalter üblich wurden alle zur Mutterkirche gehörenden um die Kirche herum beerdigt. Es gab nur 2 Zugänge zu diesem Areal. Einmal im Süden Richtung Pfarrhaus und damaligen Kloster, und einmal im Nordosten, durch das ,,Schwarze Tor,, durch das die Toten getragen wurden. Auf der Westseite ist das Gelände stark abfallend. Hier wurden insgesamt 8 Gewölbekeller angelegt, die mit großer Wahrscheinlichkeit miteinander verbunden waren. Um auf gleiche Höhe zur Kirche zu kommen, wurde eine ca 4,50 hohe Stützwand gebaut. Mächtig erscheint diese Mauer und die Kirche mit ihren Türmen darüber. Die Stadt selbst wurde von einem Wall und Graben geschützt. Die Vorderseite der Kirche ähnelt eher einer mittelalterlichen Burg. Zwei große Rundtürme schmücken den Eingang der Kirche. Wann die Türme an die Kirche kamen ist nicht bekannt. Die erste Erwähnung der Türme gibt es auf einer Rechnung aus dem Jahr 1654. Die Türme sind zwar beeindruckend, aber das wirklich besondere an dieser romanischen Petruskirche ist das Eingangsportal. Es stammt aus der ältesten Zeit des deutschen Christentums. Man findet solch ein Portal nur noch in Remagen, Basel, Worms, Konstanz und Regensburg. Das Portal zeigt die Geschichte des Heiligen Wenzel, der der Sage nach für die Armen Holz stahl. Haben hier die irischen Mönche des Bonifazius ihre Spuren hinterlassen? 1964 fand man bei Bauarbeiten im Innenbereich des Chors einen Fundamentstein, in dem die Zahl anno 817 eingeritzt war. Dumm nur das die Zahlen in arabischer Schrift auf dem Stein sind und somit die Fälschung verraten. Im Jahr 817 wurden bei uns noch römische Zahlen benutzt. Wer hat den Stein platziert und warum?
Hatte der Schreiber genauere Informationen über den ersten Kirchenbau? Man wird es nicht mehr herausfinden können. Man geht von einer Saalkirche aus, die sich an eine Turmkapelle anlehnte. Bei Bauarbeiten im Jahr 1906 bis 1908 wurden im Bereich des Chor Fundamente einer halbrunden Apsis sowie einer Treppe ins Unbekannte gefunden. Handelt es sich um den geheimen Eingang zum Tunnel aus der wehrhaften Kirche in die Freiheit außerhalb der Stadtbefestigung oder doch nur der Eingang zu einer Krypta?? Hier stapeln sich die Sagen! Manche glauben, dass dieser Tunnel bis zum Schiffenberg gehen soll. Das kann aber nicht sein, so erzählte uns unser Stadtführer. Das Lückebachtal liegt dazwischen, was zu viel Wasser für den Tunnelbau bedeutet. Da das Westtor der Kirche von den Lindener seit ewig als Karolingertor bezeichnet wird,kann man davon ausgehen, das die Vorgängerkirche wohl eine karolingische Saalkirche war. Wann genau die romanische Kirche gebaut wurde, ist nicht bekannt. Erstmals wurde sie 1206 erwähnt. Die Kirche wurde oft umgebaut, erweitert und den neuen Gegebenheiten angepasst. Seit der Reformation ist die Kirche evangelisch. Der katholische Ursprung ist aber am besten im alten Chor sichtbar. Das Kruzifix auf dem Altar ist aus verschiedenen Epochen. Der älteste Teil ist der Christuskörper der zwischen 1450 und 1475 angefertigt worden sein muss. Der alte Altar war wie das alte Taufbecken aus einfachem Stein. 1407 bekam die Kirche einen Altarschrein von dem nur noch die beiden Holzfiguren geblieben. Sie zeigen St. Wenzeslaus sowie den hl Johannes und befinden sich nun restauriert in der Kirche. Die Flügeltüren des aus dem 16. Jahrhundertstammenden Altars wurden 1944 von der Wehrmacht abgeholt, um sie vor Bombenangriffen zu schützen. Sie sind nie wieder aufgetaucht. Auch die Kirchenglocken wurden Opfer des Krieges. Ursprünglich hatte die Kirche vier Glocken. Die 1588 in Linden gegossene Glocke wurde bereits 1917 eingeschmolzen. Die Herrenglocke von 1737 wurde im Zweiten Weltkrieg abgeliefert, fand aber den Weg nach Großen Linden zurück. In einer Nische der Ostwand befand sich der Altar Petri et Pauli. Diese Altarplatte findet man heute vor der Kirche als Tischplatte wieder. Auch das alte Taufbecken steht vor der Kirche. Der neue Altar aus dem Jahr 1741 ist aus schwarzem Lahnmarmor und wurde von Freiherr von Fabrici zum Zeichen der Dankbarkeit für gute Pflege in Großen Linden gestiftet. Auch das neue Taufbecken ist aus Lahnmarmor und wurde 1764 aufgestellt. Die Pflege der Kranken war Sache der Geistlichen. Der Adel war in Linden stark vertreten. Die Ritter von Linden waren selbst Kaiser Barbarossa bekannt. Man geht davon aus das die unter Barbarossa zu Ruhm und Ehre gekommene Ritterschaft auch das so seltene Eingangsportal der Kirche in Auftrag gegeben haben. Macharius von Linden kannten die Portale von Worm und Konstanz.1129 erwähnt eine Urkunde erstmals Angehörige einer Familie "von Linden" als Vasallen der Gleiberger und Tübinger Grafen, in deren Besitz sich Großen-Linden am Ende des 12. Jh. befand. An der Südseite der Kirche befindet sich noch eine Seltenheit. Aus dem Jahr 1470 stammt das spätgotische Sandsteinrelief. Es zeigt Christus als Gärtner. Er steht hinter einem Zaun, in einer Hand der Spaten und in der anderen Hand die Kreuzesfahne. Diese Darstellung nach Johannes ist sehr selten und an der Lindener Kirche neben dem Sakristeieingang zu finden. 1493 belehnt Kaiser Friedrich III. Graf Ludwig von Nassau-Saarbrücken mit der Hälfte am Dorf Linden. 1585 Abtretung der Rechte an Großen-Linden an Landgraf Ludwig IV. durch Graf Albrecht von Nassau. 1577 hat Großen-Linden Stadtfreiheit und dient keinem Herrn. 1605 bekam die Stadt Linden ihre Stadtrechtsbestätigung durch Landgraf Ludwig V. Stadtwerdung im einzelnen gilt als ungeklärt. Ebenso der Verbleib der die 1310 erwähnt Burg. Wann die Templer Linden aufgaben- Unbekannt. Wann die Nonnen das Kloster aufgaben ist auch unbekannt. Rätsel über Rätsel. Fest steht nur das dieses Kloster 1450 nicht mehr da war, denn da wurde das Pfarrhaus, welches als das älteste in Oberhessen gilt, auf diesem Gelände gebaut. Die Stadtmauer mit den vier Toren kam in Abschnitten. Um 1660 wird die Hauptpforte und die Gießer Pforte erwähnt. Bis 1830 das Butzbacher Tor oder die Schuhäuser Pforte und im Westen die Wetzlarer Pforte gebaut.
Zum Kirchenareal gehören auch die bereits erwähnten Keller. Neben dem Rathaus stand das ,,Narrenhaus,, . Ursprünglich wohl ein Spital der Templer dann Gefängniss, darunter der erste Kirchenkeller. Die Keller waren den Lehn zur Nutzung gegeben und werden heute noch zur Lagerung von Kartoffel und co von einigen genutzt. Durch die immer kühlen Temperaturen und die hohe Luftfeuchte haben die Keller ein sehr gutes Lagerkliema. In einem dieser Keller wurde der Wein gelagert der zur Verlobung per Erlaß zwangsweise gekauft werden mußte. Das Klima der Keller haben auch die Fledermäuse entdeckt. Durch die Lüftungsöffnungen fliegen die Tier zum Überwintern in die Keller. Bei den Lindener Kellerfledermäusen handelt es sich um das braune Langohr. Die Fledermäuse leben im Sommer in Baumhöhlen. Nur im Winter besuchen sie Höhlen, Stollen und eben auch die Kirchenkeller. Führungen durch den Altteil des Stadtteiles Großen-Linden werden vom Heimatkundlichen Arbeitskreis Linden durchgeführt und können beim Ersten Vorsitzenden Helmut Faber, Telefon 06403/4802, angemeldet werden. Termine von Montag bis Samstag können individuell abgestimmt und gebucht werden. Die Führungskosten betragen 2,50 € pro Person, Mindestteilnehmerzahl 10 Personen. Für teilnehmende Kinder und Jugendliche sowie Mitglieder des Heimatkundlichen Arbeitskreises sind die Führungen kostenlos.
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