Ein Päckchen Kaffeebohnen für jeden

Sie begrüßten die Teilnehmer des Augsburger Psychiatriepflegetages: (von links) Georg Oppermann, Pflegedirektor des BKH Augsburg und Hauptorganisator, Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert, Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, sowie Achtsamkeitstrainer Thomas Voss.
 
Stellvertretender Pflegedirektor und Kommunikationstrainer Roberto Will (Mitte) behandelte in seinem Workshop die Frage: „Wer ist schuld an meinem Frust? – Ein systematischer Blick auf die innere und äußere Achtsamkeit“.
Augsburg: Bezirkskrankenhaus | Kaffeebohnen als Begrüßungsgeschenk? Damit der Arbeitgeber will, dass man noch länger „durchhält“? Nein, die Kaffeebohnen, die die Teilnehmer des Augsburger Psychiatriepflegetages in die Hand gedrückt bekamen, hatten symbolischen Charakter. „Immer, wenn sie etwas gut finden, soll eine Bohne von der linken in die rechte Hosentasche wandern“, erläuterte Georg Oppermann, Pflegedirektor am Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg, den tieferen Sinn. Der Psychiatriepflegetag, der anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Klinik stattfand, war von der Pflegeabteilung organisiert worden und speziell an Pflegekräfte gerichtet. Das Motto lautete: „Ein Tag der Achtsamkeit“.
Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken Schwaben, beglückwünschte die Ausrichter zu dieser Themenauswahl. Auch ihm sei dieses Thema eine Herzensangelegenheit. „Achtsamkeit ist mehr denn je vonnöten – gegenüber sich selbst und gegenüber anderen. Es gilt, aus eigener Kraft heraus stark zu werden und zu bleiben. Daraus erwächst die Fähigkeit, bewusster zu leben“, sagte Düll vor 160 Teilnehmern aus dem gesamten süddeutschen Raum.
Da Achtsamkeit jedoch nicht immer leicht falle und schon gar nicht in der Hektik des Alltags, gehörten eine spezielle Sensibilität ebenso dazu wie die Courage, Fehlentwicklungen bei sich und anderen zu erkennen und entgegen zu steuern. „Wir, die Bezirkskliniken Schwaben, nehmen das Thema ernst“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Bei einer jüngst durchgeführten Mitarbeiterbefragung sei dieser Punkt gezielt beleuchtet worden. Ergebnisse werden im Frühjahr erwartet. Können die Mitarbeiter der Klinik beruflich belastende Dinge offen ansprechen, lautete eine Frage. Eine andere: Wenn sich jemand bei seiner Arbeit psychisch stark belastet fühlt, was können die Bezirkskliniken als Arbeitgeber dagegen tun? Vorstand und Gesamtpersonalrat versprechen sich von der Auswertung der Antworten, einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung, eine langfristige Mitarbeiterbindung und eine mitarbeiterorientierte Ausrichtung des Unternehmens zu bekommen, erläuterte Düll bei der Tagung im BKH Augsburg.
Dass jene Kaffeebohnen und die Geschichte dahinter auch den Einladungsflyer schmücken, fand Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert „eine schöne Geschichte“. Sie zeige, wie mit einfachen Mitteln bisweilen große Wirkung und positive Stimmung erzeugt werden kann. Das sei insbesondere für die knapp 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BKH Augsburg wichtig, die Menschen mit seelischen Erkrankungen behandeln und versorgen. 2013 waren es 4400 Betroffene, die in dem 260-Betten-Haus stationär aufgenommen wurden, und etwa 11 500, die ambulant betreut wurden. Die Klinik ist für die Stadt Augsburg mit angrenzenden Kommunen zuständig. „Hier hat sie sich einen exzellenten Ruf erarbeitet – auch im wissenschaftlichen Bereich“, unterstrich Reichert. Allerdings stoße die Einrichtung, die in direkter Nachbarschaft des Augsburger Klinikums an der Stadtgrenze zu Neusäß liegt, an ihre Kapazitätsgrenzen. Deshalb sei es nur konsequent, sie zu erweitern. Das, so der Bezirkstagspräsident und Verwaltungsratsvorsitzende der Bezirkskliniken, soll noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten hätte das BKH Augsburg dann 326 Betten.
Pflegedirektor Oppermann sprach die anwesenden Pflegekräfte an. „Wir wissen um ihre Aufgabe, um ihre schwierige, aber auch interessante und schöne Arbeit mit psychisch Kranken.“ Aus diesem Grund habe man als Veranstalter den Mitarbeitern etwas zurückgeben wollen - zum einen symbolisch ein Päckchen Kaffeebohnen für jeden, zum anderen ein prall gefülltes Tagungsprogramm mit mehreren interessanten Vorträgen am Vormittag sowie acht vertiefenden Workshops am Nachmittag, zu denen man sich je nach Interesse anmelden konnte.
Schon als Achtsamkeitstrainer Thomas Voss über „Stark aus eigener Kraft“ referierte, Arbeitspsychologin Brigitta Gruber über „Alter(n)sgerechte Arbeitswelten“ sprach und Psychologe Moritz Wagner von der Forschungsgruppe Metrik das Thema „Viel getan und nichts erreicht?“ beleuchtete, wird so manche Kaffeebohne von der jeweils linken in die rechte Tasche der Teilnehmer gewandert sein.
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