Kolping Augsburg gedenkt dem vor 150 Jahren verstorbenen Adolph Kolping

Personen auf dem Bild von rechts: Kolping-Diözesanpräses Alois Zeller; Sonja Tomaschek, Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes; Karl Schiewerlinig MdB; Gebhard Kaiser, Vorsitzender Kolping-Bildungswerk in der Diözese Augsburg
Augsburg: Kolpinghaus |

Karl Schiewerling, Vorsitzender des Bundestagsausschusses Arbeit und Soziales und arbeitsmarktpolitischer Sprecher der CDU/CSU Fraktion im Deutschen Bundestag, sieht die Integration der Flüchtlinge in unsere pluralistische Gesellschaft als eine größere Herausforderung als die Versorgung mit Wohnraum, Essen und Kleidung. Das sagte der Vorsitzende des Kolpingwerkes Landesverband Nordrhein-Westfalen in seinem Festvortrag zum Thema "150 Jahre nach dem Tod des Gründers - Die Sozialpolitik Adolph Kolpings" bei einem Empfang zum Kolping-Gedenktag am 9. Dezember im Kolpinghaus in Augsburg.

Für die minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge, die nach dem Erreichen der Volljährigkeit häufig aus den betreuten Wohngruppen herausfallen, fordert Schiewerling bis zum Abschluss ihrer Ausbildung eine weitere Begleitung. Die Kolping-Jugendwohnheime sind für ihn ein idealer Ort, wo diese jungen Menschen nicht nur eine Unterkunft sondern auch pädagogische Unterstützung erfahren. Der Neubau des Jugendwohnheims in der Jesuitengasse in Augsburg sei nicht nur eine Ansammlung von Betonwänden, in die Menschen einziehen, sondern Lernort und Heimat.

Für Schiewerling, der vor seiner Wahl 2005 in den Deutschen Bundestag Diözesansekretär des Kolpingwerkes Diözesanverband Münster war, geht dieses Engagement direkt auf Adolph Kolping, den Gründer des Kolpingwerkes, zurück. Eindringlich schilderte Schiewerling den rund 130 Gästen die Situation der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert und das Wirken des seligen Adolph Kolping. Kolping habe zu jedem einzelnen Gesellen gesagt „Du schaffst das!“ und zu allen zusammen „Wir schaffen das!“ Die Katholischen Gesellenvereine machten so aus den jungen Männern aktive Bürger, tüchtige Handwerker und gute Familienväter. Kolpings Prinzip des „Forderns und Förderns“ sei heute in seinem Werk lebendig und werde zum Beispiel vorbildlich durch das Kolping-Bildungswerk in der Diözese Augsburg umgesetzt. Im Handeln Kolpings sieht Schiewerling die erst später formulierten Prinzipien der katholischen Soziallehre vorgezeichnet. Personalität, Subsidiarität und Solidarität seien zu den Fundamenten unseres Sozialstaates geworden.

Wie für Adolph Kolping ist dem Abgeordneten aus dem Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt die Verwurzelung im Glauben wichtig. Er beschreibt den Zuhörern dazu den Andachtsraum im Berliner Reichstagsgebäude. Der Künstler habe dort einige Nägel in die Wand geschlagen. Diese stünden nicht nur in der christlichen Tradition für den Tod Jesu sondern auch für das Anheften von Dingen. Schiewerling sieht darin die Bedeutung des Wortes „Religion“ ausgedrückt, dass ein Rückgebunden-sein auf Gott meint. Das Zeugnis dieses Glaubens brauche man nach Schiewerling, der sich auch für verfolgte Christen einsetzt, nicht zu verbergen. Die Ehrenamtlichen aus den Kolpingsfamilien, die sich in Flüchtlingsunterkünften engagieren, forderte er auf, mit Christbaum und weihnachtlichen Liedern bei den betreuten Menschen Zeugnis abzulegen über das, woraus sie ihre Motivation für das Engagement beziehen.

Dass sich aus dem Katholischen Gesellenverein, dem heutigen Kolpingwerk, zum Beispiel die Handwerkskammern, die Prüfungsverfahren im Handwerk, Volkshochschulen und Sparkassen entwickelt hätten, sind für Schiewerling Belege für die bis heute andauernde Wirkung Adolph Kolpings.

Aus dem Handeln Kolpings heraus sieht Schiewerling die Familienpolitik im Zentrum des politischen Handelns im Kolpingwerk. Spontan erhält er für die Aussage, dass für die Erziehung der Kinder nicht die Schule oder der Kindergarten erstverantwortlich sind sondern die Eltern, Applaus. Schiewerling bekennt sich zum Betreuungsgeld und bedauert dessen Streichung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes.

Gebhard Kaiser, Vorsitzender des Kolpingbildungswerkes und ehemaliger Landrat Oberallgäu, dankt Schiewerling für diese Aussage und seinen Festvortrag. Kaiser freut sich, dass zumindest für Bayern das Betreuungsgeld bald wieder eingeführt wird. Kaiser wünscht dem Kolpingbruder Schiewerling weiterhin viel Erfolg bei seinem Engagement in der Politik und überreicht zum Dank ein Buch vom ehemaligen Kolping-Bundespräses Alois Schröder über das II. Vatikanische Konzil, das am 8. Dezember vor 50 Jahren beendet wurde.

„Einen Sozialreformer der ersten Stunde“ hatte Sonja Tomaschek, Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes Diözesanverband Augsburg, den vor 150 Jahren verstorbenen Adolph Kolping bereits bei ihrer Begrüßung genannt. Sie freute sich über die rege Teilnahme von vielen Partnern und Freunden. Unter den Gästen konnte sie Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich, Staatsminister a.D. Josef Miller, Ehrenvizepräsident Franz Kugler, Vertreter der Agentur für Arbeit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kolpingeinrichtungen und engagierte Kolpingmitglieder begrüßen.

In seiner Predigt während der vorausgegangenen Messfeier nannte Diözesanpräses Alois Zeller Adolph Kolping ein Vorbild der Barmherzigkeit. Kolping sei in seiner Zeit wie der barmherzige Samariter im Gleichnis den Menschen in Not auf Augenhöhe begegnet, habe ihre Not gesehen und barmherzig an ihnen gehandelt. Die Gottesdienstgemeinde forderte er auf: „Machen wir es wie Gott, werden wir Mensch! Sehen wir den Menschen auf Augenhöhe und handeln wir an ihm barmherzig!“

Erschreckende Meldungen über Auswirkungen von Überschwemmungen aufgrund von starken Regenfällen in Indien veranlassten die Gottesdienstteilnehmer in der Kollekte für die Krisenhilfe im Partnerland zu Gunsten der Kolpingstiftung-Rudolf-Geiselberger zu spenden.

www.kolpingwerk-augsburg.de
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