200000 Euro für die Volksmusik

Birgit Tomys ist Projektorganisatorin des Volksmusikprojekts im Wittelsbacher und Dachauer Land.
 
Die Aichacher Bauernmusi spielt zum Tanz auf im Altomünsterer Kapplerbräusaal.

Das ist ein unerwartetes Zusammentreffen: Die Europäische Union, bisweilen kritisiert wegen ihres Hangs zu vereinheitlichen, greift bayerischen Musikanten unter die Arme. Mit einem Zuschuss von 85.788 Euro fördert die EU das Projekt „Volksmusik im Wittelsbacher und Dachauer Land“. Dessen Ziel ist es, traditionelle Musik aus der Region zwischen München, Augsburg und Ingolstadt zu erhalten und weiterzuführen. So soll die Identität des Landstriches gefördert, seine Einzigartigkeit bewahrt werden.

Aus ihrem Förderprogramm „Leader in ELER“ unterstützt die EU landwirtschaftlich geprägte Gebiete. Zuschüsse gibt es für bürgerschaftlich initiierte Maßnahmen, die den Lebensstandard heben, wirtschaftliche, soziale oder ökologische Verbesserungen bringen. Die Volksmusik wurde als zuschusswürdig anerkannt, weil sie „die
Attraktivität des Lebensraumes ausbaut und die kulturellen und gesellschaftlichen Ressourcen für kommende Generationen erhält“, wie es in der Projektbeschreibung heißt. Konkret geplant ist, Volksmusik zurück in Kindergärten und Schulen zu holen – zum Beispiel durch Referenten, die den Mädchen und Burschen (aber auch Erzieherinnen und Erziehern) traditionelle Musik näher bringen. Eine Internet-Plattform soll erstellt werden, auf der sich alle Sänger und Musikanten, Tänzer und Trachtler miteinander vernetzen können. Auf der Homepage sollen auch Hintergrundinformationen über volkskulturelle Phänomene in der Region abrufbar sein. Am Ende des Projektes 2015 wird ein Notenbuch mit regionalem Liedgut herausgegeben. Um die ja meist mündlich überlieferten Texte und Melodien zu sammeln und zu erhalten, interviewen Volksmusikforscher der Bezirke Oberbayern und Schwaben derzeit Musikanten draußen auf dem Lande.

Volksmusik hat keine Grenzen


Träger des Projektes sind die beiden Regionalentwicklungsvereine Wittelsbacher Land e.V. und Dachau AGIL. Hinter denen stehen die Landkreise Aichach-Friedberg und Dachau. Sie haben den Bayerischen Landesverein für Heimatpflege mit der Durchführung der einzelnen Aktionen beauftragt. Dr. Elmar Walter, dort zuständig für Volksmusik-, Volkstanz- und Volksliedpflege, leitet das Projekt. Die Dachauer Gymnasiallehrerin und Volksmusikantin Birgit Tomys ist Projektorganisatorin. Elmar Walter sieht die Aufgabe des Projekts nicht darin, mehr Zuhörer in Volksmusikveranstaltungen zu bringen. Vielmehr müsse man „junge Menschen für regionale Musik begeistern und sie dazu anregen, sich selbst dieser Form von Musik zu widmen.“ Dabei setzt er der, wie er sagt: traditionellen Musik, keine Grenzen. „Volksmusik ist sehr individuell, jeder hat für sich seine eigene Volksmusik.“ Walter ist aufgeschlossen gegenüber neuen Einflüssen, die sich in der regionalen Musik zunehmend etablieren. Deshalb spricht er sich auch für Musizieren mit Behinderten aus. Sogar multikulturellen Volksmusikveranstaltungen, bei der Menschen verschiedener Ethnien ihre Traditionsmusik miteinander spielen, will er unterstützen.

Volksmusik als Lebensart


Vor kurzem wurde das Projekt „Volksmusik im Wittelsbacher und Dachauer Land“ mit einem Festabend im Jugendstilsaal des Kapplerbräu in Altomünster gestartet. Dabei wertete Christian Knauer, Landrat des Landkreises Aichach-Friedberg und Vorsitzender des Wittelsbacher Land Vereins, das Vorhaben als „spannende Herausforderung“. Es führe über die über Jahrhunderte gewachsene Kultur wieder zusammen, die von der politischen Gebietsreform zwischen Oberbayern und Schwaben 1978 getrennt worden ist. Der oberbayerische Bezirkstagspräsident Josef Meder sprach von der Volksmusik als Lebensart, die Identität und Lebensgefühl berge. Der Bezirk Oberbayern möchte parallel zu dem Projekt 15000 Euro für volksmusikalische Feldforschung bereitstellen. Der Bezirk Schwaben unterstützt mit weiteren 10000 Euro. Somit stehen für alle Maßnahmen im Projekt und begleitend knapp 2.00000 Euro zur Verfügung.

Nach Projektende 2015 soll der „Verein für Volkskultur im Wittelsbacher und Dachauer Land“ die Basisarbeit übernehmen und langfristig weiterführen. Aus seinen Reihen kam auch die Initiative zu dem EU-geförderten Vorhaben: Sigi Bradl aus Altomünster, Musikant, stellvertretender Vorsitzender des Vereins für Bayerische Sprache und nebenamtlicher Volksmusikpfleger des Bezirks Schwaben für den Landkreis Aichach-Friedberg, war erster Ideengeber.

Weitere Informationen zum Projekt im Internet: www.wittelsbacherland.de/projekte und www.dachau-agil.de
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