Anzeige

Wenn das Jahr sich neigt

Sonnenuntergang links vom Wilhelmstein. Foto: Marius Vespermann (Foto: Marius Vespermann)
Kennen Sie das, verehrte Leserinnen und Leser? Ein neues Jahr beginnt, man sieht erwartungsfroh einem schönen Frühling entgegen, man dreht sich zwei Mal um die eigene Achse und schwupps - schon ist’s wieder Herbst. Das wirft die Frage auf: Wann beginnt eigentlich diese dritte Jahreszeit? Für die Astronomen ist die Antwort klar: Um den 21. September. Die Meteorologen wiederum rechnen anders. Für sie ist der Herbstanfang am 1. September.
Leider haben alle diese Herrschaften die Rechnung ohne die Segler vom Steinhuder Meer gemacht. Für die gelten ganz andere Gesetze. Die Skipper schauen in die untergehende Sonne und auf die Insel Wilhelmstein. Und solange die Sonne rechts von der Insel untergeht, ist der Sommer noch lange nicht zu Ende. Erst, wenn das Gestirn
- vom östlichen Teil des Meers gesehen- deutlich links neben der Festung hinter den Rehburger Bergen verschwindet, ist für den harten Kern der Segelzunft der Herbst angebrochen.
Jetzt leert sich das Meer, und die Boote ziehen in ihre Winterquartiere. Nun werden die Resümees der Saison gezogen, die je nach Seglertypus unterschiedlich ausfallen. Der Freizeitskipper war wieder mal zu wenig auf dem Wasser („Das wird nächstes Jahr alles besser!!“). Der Regattasegler träumt von seinen (verpassten) Siegen („Das liegt nur am Boot. Ich brauch’ ein neues!“). Die Leistungssportler unter den Seglern werden wehmütig ("Nur zwei Punkte mehr und ich hätte die Goldene gehabt."). Die segelnde Dame war mit ihrer Ausstattung nicht zufrieden („Das nächste Jahr gibt’s das neue Outfit von Nelly Jansen und kein neues Segel, basta!“), und die Jungs und Mädels der Wettfahrtvereinigung Steinhuder Meer mit ihren 24 Mitgliedsvereinen können stolz auf über 35 durchgeführte Regatten zurück blicken.
Mit gemischten Gefühlen sehen nun alle der dunklen Jahreszeit entgegen. Alle? Nein, da gibt es eine kleine Truppe Hartgesottener, die den Winter mit Frost und Eis geradezu herbei sehnt. Sie nennen sich Eissegler, die beim ersten tragfähigen Eis ihre Segelschlitten klar machen, um dann bei günstigem Wind mit Geschwindigkeiten von 80 km/h und mehr übers Meer zu flitzen. Ihre einzige Sorge ist: „Hoffentlich schneit’s nicht!“ Dann würde nämlich das Eis stumpf.
Und noch jemand freut sich auf den Winter am Meer: Die „MS Steinhude“, der Stolz der Steinhuder Personenschifffahrt. Sie lässt sich am Clubgelände der Baltischen Segler-Vereinigung gemütlich einfrieren und hält so Jahr für Jahr ihren verdienten Winterschlaf. Hier träumt sie dem Frühling entgegen, der noch soo weit entfernt scheint. Aber kaum, dass er da ist und man sich zwei Mal um die eigene Achse …..
Sie ahnen es schon: Schwupps geht die Sonne wieder links vom Wilhelmstein unter.
0

Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Magazin Wunstorf | Erschienen am 14.09.2010
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.