Gestern im Hessischen Landtag: 7. Hessischer Tag der Menschen mit Behinderung

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Am 18. August begrüßte der Hausherr Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtages. Zur Begrüßung spielte „Blind Foundation“. Zwei der Bandmitglieder sind blind. Moderator war Andreas Winkel, Rollstuhlfahrer und Journalist beim Hessischen Rundfunk.

Geladen hatte zur 7. Veranstaltung unter dem Motto „ 10 Jahre UN- Behindertenrechtskonvention in Deutschland“ der Hessische Minister für Soziales und Integration Stefan Grüttner und die Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderung Maren Müller-Erichsen. Der Sozialminister stellte in seiner Begrüßungsrede fest, dass die Barrieren in den Köpfen der Menschen abgebaut werden müssen. Menschen mit Behinderungen sind nicht als Kranke zu sehen. Jeder kann zu jeder Zeit durch Krankheit oder Unfall zu einem Menschen mit Handicap werden. Er freue sich auf den heutigen Tag den wir gemeinsam in Workshops gestalten.

Katja Lüke, vor 20 Jahren zur Rollstuhlfahrerin geworden, übernahm das Impulsreferat. Von Beruf Diplom-Sozialpädagogin/Diplom Sozialarbeiterin, stellte fest, das sie heute als Privatperson da sei und auch sie ungeduldig ist, da vieles doch zu langsam gehe. Rechte und Teilhabe seien in der UN-Behindertenkonvention verankert. Sie freue sich sehr, das heute im Landtag auch Sitztische zwischen den Stehtischen aufgestellt wurden, leider nicht immer selbstverständlich. Erfreulich seien auch die neuen Möglichkeiten der Verwaltung, dass Blinde Formulare per Audio übersandt bekommen und Verwaltungen auch an die denken, die etwas in leichter Sprache benötigen. Jedoch seien Diskriminierungen noch nicht ganz verschwunden, wenn es zum Beispiel darum geht Wohnraum (privat) nicht an Rollstuhlfahrer zu vermieten, sie könnten ja die Türen kaputt fahren. Auch würde bei diesen Menschen mit Handicap ständig der Notarzt kommen, Pflegedienste mehrmals am Tag die Tür öffnen und schließen, was natürlich totaler Unsinn ist. Katja hat den Text in dem Heft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gestaltet. Es nennt sich 10 Knigge Tipps zum respektvollem Umgang mit behinderten Menschen. In Tipp 10 heißt es zum Beispiel, dass die Behinderung nur ein Merkmalist, der Mensche jedoch Berufstätiger, Vater/Mutter, Steuerzahler, Vereinsmitglied usw. Ein Mensch soll nicht auf seine Behinderung reduziert werden. Artikel 8 in der UN-Behindertenrechtskonvention heißt es auch; Bewusstseinsbildung
(1) Die Vertragsstaaten verpflichten sich, sofortige, wirksame und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um
a. in der gesamten Gesellschaft, einschließlich auf der Ebene der Familien, das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen zu schärfen und die Achtung ihrer Rechte und ihrer Würde zu fördern;
b. Klischees, Vorurteile und schädliche Praktiken gegenüber Menschen mit Behinderungen, einschließlich aufgrund des Geschlechts oder des Alters, in allen Lebensbereichen zu bekämpfen;
das Bewusstsein für die Fähigkeiten und den Beitrag von Menschen mit Behinderungen zu fördern.
Katja Lüke brachte auch zum Ausdruck, das sie sich sehr darüber freue, dass sich die Landeshauptstadt Wiesbaden erfolgreich beim Access City Award 2016 bei der Europäischen Kommission – Beschäftigung, Soziales und Integration beworben hatte. Mit diesem Preis werden seit rund 5 Jahren von der EU-Kommission beispielhafte Städte mit über 50.000 Einwohnern geehrt, die sich in besonderem Maß für die Barrierefreiheit einsetzen. Wiesbaden hat den 2. Platz beim Access City Award 2016 belegt und gehört somit neben Kaposvar (Ungarn), Mailand (Italien), Toulouse (Frankreich) und Vaasa (Finnland) zu den Preisträgern aus 48 europäischen Bewerbern.
(Der Absatz über den Access City Award ist hier entnommen; https://www.eswe-verkehr.de/news/eintrag/access-ci...)

Bis zu der Mittagspause konnten die Teilnehmer vier Workshops besuchen.
Chronische Talente- Inklusion am Arbeitsplatz; Literatur für Alle – Literatur in einfacher Sprache
Barrierefrei wohnen – Vorstellung einer Musterwohnung; Inklusives Lernen – Inklusive Schulbündnisse

Beim Hessischen Landestheater Wiesbaden gibt es ein inklusives Ensemble. „Theater Anders“ stellte sich mit einer Theatervorführung vor.

Bevor diese wichtige Veranstaltung beendet wurde, sprach Maren Müller-Erichsen über die Förderungen, damit Menschen mit Behinderungen ihren Platz im Arbeitsleben finden, und auch durch entsprechende Wohnungen eigenständig leben können. Sie gehe auch sehr kritisch mit der Tatsache um, dass schon in der Schwangerschaft aussortiert werde. Als Behindertenbeauftragte habe sie schon sehr viele Streitgespräche geführt. Die heutige Veranstaltung sei die Siebte, und es habe sich in dieser Zeit etwas getan. Es muss noch vieles dazu beigetragen werden, dass auch Behinderte ganz selbstverständlich zu ihrem Recht kommen.

Bürgerreporter:in:

CHRISTINE Stapf aus Amöneburg

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