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Die Anstifter: anspruchsvollstes Freilichttheater in Steingaden

Das Autoren-Duo mit Plakat (Foto: © Bild: www.theater-steingaden.de CC)
 
Schlussszene
 
Schlussapplaus
Steingaden: Freilichtbühne | Dort, wo Oberbayern dem Allgäu die Hand gibt: im Pfaffenwinkel, ist keineswegs nur die weltberühmte Wallfahrtskirche Zum gegeißelten Heiland auf der Wies www.wieskirche.de als UNESCO-Welterbestätte ein Magnet für internationale Besucherströme.

Die vierte Freilichtbühnensaison der Laienspielerschar der Kulturgemeinschaft Steingaden e. V. www.theater-steingaden.de setzt mit Die Anstifter weit mehr, als nur einen Akzent, ihr einen Besuch abzustatten!

Das kongeniale Duo Karl Müller-Hindelang und Christian Schönfelder hat mit der Geschichte des Norbert von Xanten nicht nur ein Historienspiel auf die Bühne gebracht, das über die mit ihm in Verbindung stehende Gründung des Kloster Steingaden – 1147 durch Markgraf Welf VI., als Prämonstratenser-Chorherrenstift, sowie als Hauskloster und Grablege der Welfen – regionalen Bezug hat, sondern schaffen mit einer brillanten Idee auch den nachdrücklichen Gegenwartsbezug.

Unter den Augen von Abt Hermann Josef Kugler vom Kloster Windberg, macht der zum Prämonstratenser Orden gehörende Ortspfarrer Pater Petrus-Adrian Lerchenmüller eine überzeugenden Karrieresprung als Papst Honorius und das ausverkaufte Haus stellt sich auf Episoden aus dem Leben des Heiligen ein.
Doch weit gefehlt! Dass weit Größeres ansteht bekommt auch himmlischen Beistand, denn während immer wieder bedrohliche Regenwolken aufziehen, hält Petrus exakt die Quellen des Himmels geschlossen und nicht ein einziger Topfen schmälerte den Genuss eines lediglich ein wenig kühl gewordenen Abend.

Das besagte Große leitet Regisseurin Eva (Elisabeth Schmölz) ein, als sie einen ihrer leicht hysterischen Auftritte hat und die Aufführung zur Probe mutiert.
Diese Dramaturgie-Idee zieht sich von nun an durch das gesamte Stück und schafft durch den wiederholten Wechsel von Probenatmosphäre und Aufführungsrealität die Räume, das historische mit aktuellen Bezügen zu verflechten.

Ein Kniff, von dessen Gelingen die Akteure wohl erst beim Schlussapplaus selbst letztlich überzeugt waren, vor dem nur eine tiefe Verbeugung und absolutes Kompliment möglich ist und der das verdient hat, was die Regisseurin – wenn auch wohl mehr im Eigeninteresse – vergeblich zu erreichen versuchte: die Präsenz im Bayerischen Fernsehen und weit darüber hinaus.

Keines der brennenden Gegenwartsthemen bleibt unberührt, wird mit Tiefgang und ohne jeden moralisch erhobenen Zeigefinger zum Nachdenken anstiftend so überzeugend aufbereitet, dass ein regionaler Bänker (Anton Nöß) in der Hauptrolle des Hl. Norbert glaubhaft Kapitalismuskritik anbringen und zwei Asylbewerber eingebunden sind, wobei einer in der Rolle eines Klerikers aushilft und so die heute so häufige, dem einheimischen Priestermangel geschuldete Situation vorwegnimmt.

Ja: im Hochmittelalter, also zu Lebzeiten des Protagonisten vor ca. 900 Jahren, standen die Menschen im Kern vor den gleichen Herausforderungen durch Armut, Streit und Konflikten im persönlichen Umfeld, wie weit darüber hinaus, sowie durch Geiz und Gier verursachte Unterdrückungen und Ungerechtigkeiten. Diese haben wir durch unseren heutigen Lebensstil noch weiter potenziert.
Norbert, der bisherige Bettelmönch, zieht zu seine Bischofsweihe, wie einst Jesus selbst, mit einem Esel in Magdeburg ein, steht neben dem Lossagen vom höfischen Leben auch als Bischof für Demut und Bescheidenheit.
Wer frisst und säuft, kann auch beten, schallt es dem Volk entgegen, dem schon vor der Einführung als Erzbischof ausgeschenkt wurde. Doch wo man den rechten Weg geht, kommt das Gefolge von selbst, ist eine seiner weiteren Feststellungen.
Zu eben diesem rechten Weg gehört auch sein Rückfordern der, vom Klerus geraubten Güter, was offenlegt, wie auch im 12. Jahrhundert Korruption herrschte und die Parallelen zu heutigen Forderungen an Brüssel, Berlin, Banker und Millionärsgschwerl zu Gunsten von mehr Gemeinwohl.
Die inneren und äußeren Gewitter drängen Norbert zur Umkehr und deren Verkündigung gegen die Macht des Geldes und den Krieg der Verzweiflung, denn Niemand gewinnt, wenn kein Glaube an Jesus besteht.
Und wie tief dieser Glaube gewesen sein muss, zeigt sich in Klosterbau und Ordensgründung im Sumpfgebiet um das entlegene französische Prémontré, wohin man ihn nahezu verbannt hatte, ohne sein Wirken damit stoppen zu können, wie es auch bis heute durchaus noch gang und gäbe seitens der Amtskirche mit begnadeten Seelsorgern ist.
Pragmatisch auch, die Entzauberung des Irrlehrers Tanchelin (Christian Breidenbach).
Da Gier und Geiz keinen Arzt benötigen ist das logische bis in unsere Zeit gültige Credo Gemeinsamkeit statt Übervorteilung, was ein notwendiges Notwenden erfordert, ganz so wie Gott es will!
Wir wissen es und nix passiert ist eine der nahezu resignierten Feststellungen aus dem Volk, denen Regisseurtochter Magdalena Hindelang als Mia, ein Mädchen im Volk ihre kleinen Akzente, wie den Sprachunterricht mit den Asylbewerbern entgegensetzt.
Das Signal, welches Kernbotschaft überhaut ist. Das gesamte Ensemble hat sich anstiften lassen, die Lebensgeschichte des Norbert von Xanten aufzuführen und so seine Intentionen in die heutige Zeit zu tragen, um die Zuschauer anzustiften, damit diese sich anstiften lassen, im Hier und Heute Barmherzigkeit, Frieden und Gerechtigkeit zu leben.
Die unübersehbare Gottesferne ist zweifelsohne eine, wenn nicht überhaupt die Ursache für alle Dilemmas unserer Tage, in denen mit den großen Jubiläen 2017 – zuvorderst 100 Jahre Fatima – sehr wohl auch gegenläufige Zeichen gesetzt sind.
Es ist ein ganz außergewöhnlich bekennendes Engagement der Kulturgemeinschaft Steingaden e. V. mit den über 250 vor und hinter den – insbesonders beim Lichtspiel der Illuminationen – fulminanten Kulissen (Johannes Klein und Team) des Fohlenhofes überaus beeindruckend und ohne jede Spur bigottischen Einschlages darbietet.
Die Örtlichkeit des Fohlenhofes ist ohnehin Freilufttheater pur, lässt gigantische Szenen mit Volk, Reitern und Kutschen zu. Selbst die mehrfach als durch die Szene laufend geforderte Sau findet sich im Detail der Schenkungen des Gottfried von Cappenberg (Johannes Klein) auf dessen Wagen wieder.
Die drei großen G’s: gewagt – genial – gelungen haben sich die Verantwortlichen nicht nur auf die Fahnen geschrieben, sondern ihre Rechnung ging – von anerkennendem Applaus des Premierepublikum – ausverkauft! – bestätigt voll auf!

Neben den bestechenden schauspielerischen Leistungen – keineswegs nur der prominenten Rollen – und der unübertrefflichen Autorenlösung – überzeugte auch die verbindend gestaltete Musik von Joachim Schreiber, dargeboten vom Orchester unter Leitung des Dirigenten Georg Müller, nebst Chor von Caspar Berlinger. In der gesamten Ausgestaltung und Publikumsorientierung hätte die grandiose Schlussszene in der Vergangenheit (Klöstergründungen) und Gegenwart (Ausbildungszentrum für arbeitslose Katalonen) zu einer zu Herzen gehenden Symbiose finden, durchaus einen gemeinsamen Gesang – bsw. das Tedeum – verdient gehabt.

Prädikat: Besuch besonders empfehlenswert, sei es für jeden Kleriker, wie für jede(n) Besucher(in) – egal ob im Glauben beheimatet oder dazu abseits stehend – die/der elementare Impulse für sein ganz persönliche Leben benötigt: Anstiftung eben!

Weitere Vorstellungen jeweils 20.30, Einlass 19.30, am 20., 21., 22., 27., 28. und 29. Juli, sowie 03., 04. und 05. August 2017.

Kontaktdaten für Kartenbestellungen und Informationen:
Karten: www.theater-steingaden.de und Tourist Info Steingaden www.steingaden.de,
e-Mail: tourist-info@steingaden.de, Tel: 0 88 62 / 2 00


Erich Neumann, freier investigativer Journalist
über DFJ Deutsche-Foto-Journalisten e. V. www.dfj-ev.de
Medienunternehmer im Gesundheitsbereich
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