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HARZ: UNSERE OSTERWANDERUNG IM EINETAL

die 500 - jährige Eiche am oberen Mühlenweg
 
Leberblümchen im Einetal
Stangerode: Einetal | Es war schon eine schöne  Tradition geworden, unsere Einetalwanderung am Ostersonnabend durchzuführen. Die Eine ist ein kleiner Harzfluß, der seine Quelle bei Harzgerode hat. Nachdem er meine Heimatstadt Aschersleben durchflossen hat, mündet er in die Wipper. Die Wipper  wiederum fließt bei Bernburg in die Saale. Bei Barby mündet die Saale in die Elbe. Mit Freunden und Familienangehörigen wanderten wir stets am Ostersonnabend im Einetal. Die Wanderungen begannen immer am Forsthaus Volkmannrode. Auf den unteren Mühlenweg, an der Untermühle vorbei, wanderten wir zur Waldschänke in dem Harzdorf Abberode. Nach dem Mittagessen ging es über Tilkerode auf dem oberen Mühlenweg zurück. zum Ausgangspunkt. Leider sind  nur mein Freund  und ich in der Lage diese Tradition aufrecht zu erhalten. Da auch die Gaststätte nicht mehr vorhanden ist, mussten wir uns schon vor ein paar Jahren auf die Rucksackverpflegung umstellen. Am Ostersonnabend war es wieder soweit. Von dem ehemaligen Forsthaus Volkmannrode wanderten wir auf dem unteren Mühlenweg im Einetal ca. 3 km, bis wir zum Sühnekreuz gelangten. Der Sage nach hatten sich zwei Mädchen in einen Jägerburschen verliebt. Es kam zum Streit. Statt mit Worten wurden, zur Lösung des Streites, Sicheln eingesetzt. Im Anschluss daran waren beide Mädchen tot. Zum Gedenken daran wurde von den betroffenen Familien ein Sühnekreuz an dieser Stelle errichtet. Vom Sühnekreuz wanderten wir etwa 2 km weiter, ehe wir abweichend von der Tradition den Mühlenweg und damit das Einetal verließen.
Natur-und Bergbaulehrpfad Tilkerode
Über eine mittlere Steigung gelangten wir auf eine Hochfläche, die sich zwischen Tilkerode und Stangerode befindet. Ein Feldweg führte uns, an der 500 - jährigen Eiche vorbei, zum oberen Mühlenweg. Dieser Mühlenweg ist zugleich Teil des Natur- und Bergbaulehrpfads Tilkerode. Dieser etwa 5 km lange Lehrpfad beginnt in Tilkerode und endet an der Ulbrichtstraße. Bereits nach 50 m verließen wir den Mühlenweg um auf dem Lehrpfad weiter zu wandern. Der Lehrpfad ist in zwei Bereichen aufgeteilt. Wir wanderten auf dem zweiten Teil durch das Eskaborner Revier. Im Tilkeröder - und dem Eskaborner Revier wurden zusammen etwa 40.000 Tonnen Eisenerz in bis zu 50 m Tiefe gefördert. Auf Pferdewagen wurde dieses Erz zur Verhüttung nach Mägdesprung gebracht. Auch andere Mineralien wie Blei, Selen, Silber, Palladium und auch Gold wurden in den verschiedenen Schächten als Erz abgebaut. In dem  als Goldschacht bekannten Eisenerzstollen wurde 1825 goldhaltiges Selenerz gefunden. Aus dem gut 400 Gramm reinen Gold wurden im gleichem Jahre 116 anhaltinische  Golddukaten geprägt. Der Abbau im Tilkeröder wie auch im Eskaborner Revier endete bereits im 19. Jahrhundert. In den 50 er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der vergebliche Versuch unternommen, den Bergbau wieder zu aktivieren. An den einzelnen alten Stollen vorbei, gelangten wir zur Ulbrichtstraße. Dieser Teil der,1907 errichteten, Landstraße zwischen Stangerode und Tilkerode (L228), wurde  nach dem zuständigen Quedlinburger Landrat Ulbricht benannt.
Scheerenberger Naturlehrpfad und das Klage- und Rügegericht
Nach ca. 50 m bogen wir in das Wiebecktal ein. Die Wiebeck, ein kleiner Harzbach,  mündet hinter dem Forsthaus Volkmannrode in die Eine. Wir wanderten talaufwärts bis zum Borntal. Von  der Borntaler Hütte ging es  auf dem Scheerenberger Naturlehrpfad  immer bergauf. Oben am Buchenplatz angekommen, wanderten wir auf den Naturlehrpfad in nord-östlicher Richtung weiter. An vielen Lehrtafeln vorbei gelangten wir zu unserem letzten Ziel auf dieser Wanderung, dem Klage- und Rügegericht Volkmannrode. Auf diesem Hügel im Einetal hatte sich einst der kleine Ort Volkmannrode befunden. Bereits im 15. Jahrhundert war die Siedlung bereits wüst. Nur Teile des einstigen Kirchenturmes sind bis heute erhalten geblieben. Bereits seit 1489 wurde an der Stelle, wo sich einst die alte Siedlung befand, alljährlich zweimal ein Klage - und Rügegericht abgehalten. Dort wurde unter der, an der Gerichtslaube befindlichen, Gerichtslinde über Probleme wie Grenzstreitigkeiten, Jagd- und Forstfrevel  Gericht gehalten. Gleichzeitig mussten die Bauern, aus den, zu Anhalt gehörigen, Dörfern, hier ihre Abgaben und Steuern begleichen. 1874 fand dort der letzte Gerichtstag statt. Das Klage- und Rügegericht Volkmannrode ist die einzige, im deutschsprachigen Raum, erhalten gebliebene derartige Gerichtsstätte. Sowohl die Gerichtslaube als auch die 1860 gepflanzte Gerichtslinde , sind noch vorhanden. Nach wenigen hundert Metern auf der L228 erreichten wir  nach ca. 16. km, bei wunderbaren Wanderwetter, wieder unser Auto am ehemaligen Forsthaus Volkmannrode. 
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