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Windmühlen-Bauarten in Deutschland

Bockwindmühle Berlin-Gatow - das gesamte Mühlengebäude ruht auf dem Holzbock und wird mit dem langen Steert in den Wind gedreht
 
Paltrockmühle Petkus - das Mühlengebäude ruht auf einem festen Steinsockel und wird auf Rollen gedreht
Ich möchte hier mal Windmühlen-Bauarten zeigen die man in Deutschland finden kann.
Dabei erhebt diese Aufstellung kein Anrecht auf Vollständigkeit.

Bockwindmühle
Die ältesten erhaltenen Windmühlen bei uns sind die Bockwindmühlen, die in ähnlicher Form einst in allen westeuropäischen Staaten zu finden waren.
Bei der Bockwindmühle ruht das gesamte, meist kastenförmige und aus Holz erbaute Mühlegebäude auf einem Holzbock, auf dem es mit Hilfe eines langen Balkens, dem Steert, in den Wind gedreht wird. Diesen Mühlentyp gibt es nachweislich seit dem Mittelalter. Ein Vorteil dieser Holzbauweise ist die Möglichkeit die Mühle wieder zu zerlegen und an einem anderen Standort aufzubauen, auch können nicht so relevante Bauteile wie die Aussenwände immer wieder erneuert werden, die tragenden Balken sind meist aus Eichenholz und dementsprechend langlebig. Ein Nachteil einer Mühle ganz aus Holz ist natürlich die Feuergefahr, sei es durch eine Mehlstaub-Entzündung oder durch Blitzschlag.

Paltrockmühle
Da die Produktivität einer Bockwindmühle durch die Größe des Mühlenkasten bauartbedingt begrenzt war wurden viele dieser Mühlen zu sogenannten Paltrockmühlen umgebaut. Der Mühlenkasten wurde vom Bock auf ein Steinfundament mit Rollen umgesetzt, nun konnte das ganze Mühlengebäude auf diesem festen Fundament gedreht werden. Die alte Bockwindmühle konnte vergrößert werden, z. B. mit zusätzlichen Mahlgängen. Die Paltrockmühle ist natürlich um ein vielfaches standfester und kann so einem Sturm besser trotzen.

Erdholländermühle
Wie der Name schon sagt kam aus Holland eine neue Technik für unsere Windmühlen, denn man entwickelte dort Mühlen wo nur noch der Mühlenkopf mit den Flügeln in den Wind gedreht wird und das restliche Mühlengebäude fest stehenbleibt. Diese Mühlenbauform war natürlich viel standfester und bot die Möglichkeit den Mühleninnenraum intensiver zu nutzen. Der Erdholländer ist normalerweise eine Holzkonstruktion, oftmals ist diese auf eine ebenerdige Steinkonstruktion aufgesetzt.

Turmholländermühle
Da die Holzkonstruktion der Erdholländermühle nicht so langlebig ist hat man die gleiche Mühlenbauart oftmals in einen Steinturm eingebaut. Die Form der Mühlentürme in Deutschland ist vielfältig, oft wurden aufgegebene Turmwindmühlen auch zu Wohnzwecken umgebaut.

Wall bzw. Kellerholländermühle
Bei den Wallholländermühlen hat man das Untergeschoss in einen künstlich aufgeschütteten Erdwall verlagert, so konnten Flügel und ggf. Steert vom Wall aus bedient werden und die Mühle war ebenerdig für Fuhrwerke erreichbar die direkt unter die Mühle fahren konnten.

Galerieholländermühle
Die Galerieholländermühle ist im Prinzip eine Weiterentwicklung der Erdholländermühle. Es wurde ein Turm gebaut auf den dann in luftiger Höhe eine Erdholländermühle aufgesetzt wurde. Nur das es jetzt, je nach Bauart, mehrere Stockwerke unter dem Mühlenantrieb gab wo die eigentliche Arbeit gemacht werden konnte. Gerade in Norddeutschland sind noch relativ viele hohe Galerieholländer vorhanden. Die Galerie diente dem Müller als Arbeitsfläche um an die Flügel bzw. den Steert drankommen zu können.

Rad- bzw. Turbinenwindmühle
Im 20. Jahrhundert kamen auch in Deutschland vereinzelt Radwindmühlen auf, meist handelte es sich um Turmwindmühlen bei denen das Flügelkreuz gegen ein Windrad ausgetauscht wurde. Dieser Antrieb nutzte die Windkraft optimaler aus, war allerdings auch wartungsintensiver und anfälliger.
Soweit mir bekannt ist die Windmühle in Eckartsberga derzeit die einzige Windmühle an der ein solcher Antrieb heute zu sehen ist.

Kombinierte Wind- und Wassermühle
Da der Wind nicht immer zur Verfügung steht, was natürlich auch für das Wasser der Wassermühlen zutrifft, hat man an manchen Orten auch kombinierte Wind- und Wassermühlen errichtet. Oftmals wurde einfach eine Windmühle auf eine vorhandene Wassermühle aufgesetzt. Beispiele dafür sind die berühmte Hüvener Mühle im Emsland oder die Klostermühle in Lahde an der Weser.


Trotz aller Weiterentwicklungen kam mit der Industrialisierung und der Nutzung von Dampfmaschinen, Diesel- und Elektromotoren das Ende der Wind- und Wassermühlen.
Viele Windmühlen wurden zu Motormühlen umgebaut und arbeiteten so noch jahrelang weiter.

Heutzutage haben die großen Industriemühlen auch diese kleinen Betriebe verdrängt, die verbliebenen Windmühlen haben meist nur noch musealen Charakter.
Die von engagierten Mühlenvereinen und Privatpersonen erhaltenen Mühlen erinnern an eine längst vergangene Zeit, in der das Müllerhandwerk eine sehr harte Arbeit war, wo aber die Antriebsenergie kostenlos zur Verfügung stand…
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12 Kommentare
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 12.03.2013 | 23:15  
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Christiane Mahnke aus Seelze | 13.03.2013 | 01:59  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 13.03.2013 | 08:26  
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Gaby Floer aus Garbsen | 13.03.2013 | 12:05  
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Katja W. aus Langenhagen | 13.03.2013 | 17:09  
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Dieter Goldmann aus Seelze | 13.03.2013 | 18:07  
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Dieter Goldmann aus Seelze | 13.03.2013 | 18:11  
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Annett Stockmann aus Bad Bibra | 13.03.2013 | 22:40  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 17.03.2013 | 14:15  
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 17.03.2013 | 19:14  
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Elke Backert aus Hamburg | 18.03.2013 | 19:43  
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Constanze Seemann aus Bad Münder am Deister | 18.03.2013 | 20:34  
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