ADFC-Fahrraddemo zwischen Neustadt und Treysa (2021)

Fahrraddemo Beim Gefängnis in Ziegenhain
    Schwalmstadt: Bahnhof | Am 25.6.2021 fand eine Fahrraddemo ab Ziegenhain statt, die Ulrich Wüstenhagen als Vorsitzender vom ADFC Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder organisiert hatte. Inhalt war die Zerschneidung von Radwegen durch den Bau der A49. Verschiedene Radwege sind wegen der Bauarbeiten für mehrere Jahr nicht nutzbar, während andere auch nach der Fertigstellung der Autobahn nicht mehr nutzbar sind. Ulrich Wüstenhagen fordert deswegen die Ausschilderung und Schaffung von Ersatzstrecken und hat sein Amt als Radverkehrsbeauftragter von Schwalmstadt aufgegeben, weil dort das Thema nicht berücksichtigt werde. Lob gab es hingegen für die Stadt Neustadt, die sich für den Bau von Ersatz einsetzt.

Treffpunkt war um 16:15 Uhr auf dem Platz vor dem Ziegenhainer Gefängnis. Dort hatten sich schon vorher über 30 Radfahrer versammelt. Ein Reporter von der HNA interessierte sich für einige Besuchergruppen wie etwa vier Mountainbiker, drei Teilnehmer vom Neustädter Radfahrverein oder mehrere jüngere Besucher. Ansonsten gab es auch noch drei Radfahrer, die mit Wald-statt-Asphalt-Flagge ausgestattet waren. Eine von denen war mit Lautsprecherbox ausgestattet und sorgte unterwegs für musikalische Unterhaltung mit Musik für Radfahrer und Aktivisten.

Zum Auftakt gab es einerseits organisatorische Hinweise, beispielsweise zum Thema Corona-Infektion: Schutzmasken waren nicht erforderlich, sofern man auf den üblichen Mindestabstand achtete. Radfahrer sollten nicht in Schutzwesten fahren, um nicht mit den Ordnern verwechselt zu werden. Denen sollte man noch ausreichend Platz zum Überholen lassen. Außerdem sollte man beachten, dass Inhalt der Demonstration nicht Protest gegen den Autobahnbau sei oder man Autofahrer ärgern wolle.

Andererseits gab es eine ausführliche Erläuterung zur Entstehung des Problems. Die Planung des Autobahnbaus hat Hessen Mobil übernommen, wobei das Thema Radwege wenig Beachtung fand. Inzwischen wurde die Aufgabe an die DEGES übergeben, welche natürlich auch kein Interesse an Nachbesserungen zeigt, da diese ja nur mit Kosten verbunden sind.

Um die nachteilige Veränderung des Klimas zu stoppen, besteht jedoch dringender Handlungsbedarf. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Probleme nicht durch technischen Fortschritt lösen lassen. Zwar sind die Motoren in den PKWs effektiver geworden, aber da die Fahrzeuge deutlich an Gewicht zugelegt haben, ist der Kraftstoffverbrauch nicht niedriger geworden. Ein Umdenken ist nötig. Mit dem Fahrrad können viele PKW-Kilometer eingespart werden, wobei es nebenbei noch die Gesundheit fördert. Leider findet der Fahrradverkehr nicht die nötige Beachtung: Wenn eine Straße blockiert würde, würde die Stadtverwaltung sogleich nach einer Alternativlösung suchen - bei einem Radweg hingegen könnte man lange warten.

Gegen 16:40 Uhr ging es los Richtung Treysa, wo die Radfahrer 20 Minuten später die Brücke über die Main-Weser-Bahn überwanden. Im Ort ging es am Bahnhof, ALDI und an Hephata vorbei Richtung Autobahnauffahrt, wo ein Stop an der Baustelle vorgesehen war. Allerdings war schon ein Teil der Radfahrer bis zur A49-Trasse gefahren, deren Besuch aber nicht vorgesehen war.

Auf der Baustellenzufahrt nahe der Straße sprachen neben Ulrich Wüstenhagen noch zwei weitere Redner.
Ein Vertreter vom NABU sprach das Problem des Flächenverbrauchs an. Neben der schon durch die Autobahn verbrauchten Fläche gehen Flächen für das Gewerbegebiet Area 49 und eine Autobahnmeisterei verloren. Dabei ärgerte ihn besonders, dass Alternativplanungen ignoriert wurden, mit denen man die letzten Streuobstwiesen in diesem Bereich hätte erhalten können. Zudem ist es nicht günstig, wenn das Salzlager für die Autobahn ausgerechnet bei einer Quelle liegt.
Ein Landwirt sprach aus seinem Blickwinkel über das Problem des Flächenverbrauchs. Mit der Reduzierung von landwirtschaftlich genutzten Flächen verlieren wir immer mehr unsere Ernährungsgrundlage. Das merkt man aber erst einmal nicht, da man beim Einkauf im Supermarkt nicht unbedingt sieht, wie viel von den Lebensmitteln aus dem Ausland stammt. Ansonsten sei noch der Fall eines Landwirts genannt, der durch die A49 etwa 30% seiner Flächen verloren hat, aber bei seinen Einsprüchen nicht berücksichtigt wurde, obwohl er mit den verbleibenden Flächen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten kann.

Nun kam der größte Streckenabschnitt der Radtour: Über Florshain, Mengsberg und Momberg ging es auf der Landstraße Richtung Neustadt, wobei die eine oder andere Steigung zu überwinden war. Vor Neustadt wurde eine kurze Pause auf der A49-Baustelle eingelegt. Hier gab es aber keine Ansprache.

In Neustadt wurde die Altstadt auf der Einbahnstraße entgegen der Fahrtrichtung befahren. Beim Rathaus hatten einige Leute auf die Radtour gewartet. Reporter Michael Rinde machte Fotos von vorbeifahrenden Radfahrern für die nächste Ausgabe der Oberhessischen Presse. Im Artikel wurde nur über den Neustadt betreffenden Teil der Tour berichtet - der Rest war wahrscheinlich auch nicht so interessant, da er außerhalb des Verbreitungsgebiets der Lokalzeitung stattfand.

Hinter der Eisenbahnunterführung in Wiera gab es den nächsten Halt. Hier wies Ulrich Wüstenhagen auf das Problem hin, dass der Radweg vor der aktuell gesperrten Straße nach Mengsberg einfach endet. Allerdings gäbe es schon Pläne, wie er durch die Unterführung verlängert werden könnte.

Während des Halts sorgte ein Motorradfahrer für Unterhaltung. Dieser kam aus Richtung Treysa angefahren. Ein Polizist hat Zeichen gegeben, dass er anhalten sollte. Der Motorradfahrer hat abgebremst, ist dann ein Stück mit qualmendem Reifen über die Straße gehoppelt und dann in die gesperrte Straße gefahren. Einige Zeit später ist ihm einer der Polizisten auf dem Motorrad gefolgt.

Am Ortseingang von Treysa gab es einen weiteren Halt auf dem Radwegende. Ulrich Wüstenhagen beängelte, dass ein qualifizierter Abschluss des Radwegs mit Querungsmöglichkeit fehlt. Außerdem fehlen Markierungsstreifen, um den Rand des Radwegs auch gut in der Dunkelheit erkennen zu können.

Gegen 19:30 wurde das Ziel erreicht, nämlich der Parkplatz zwischen Main-Weser-Bahn und Rotkäppchen-Bahnradweg (Haaßehügel). Nach einer kurzen Verabschiedung war das offizielle Ende der Veranstaltung.

Prinzipiell hätte man zum Thema Straßenbau und Radwege noch viel mehr erzählen können. Auch abseits der A49 gibt es viele Beispiele, wie die Bedürfnisse der Radfahrer beim Neubau von Straßen ignoriert werden. Leider scheinen viele Planer noch daran zu glauben, dass Radfahrer gerne einen Umweg fahren, dabei noch ein paar zusätzliche Höhenmeter überwinden und zwischendrin mehrmals abbremsen wollen.
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