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Archäologische Kleinfunde erzählen vom Alltag im mittelalterlichen Peine

  Spätestens seit dem „Medicus“ sind wir recht umfassend informiert über das mittelalterliche Medizinalwesen. Der Historien-Roman berichtet über die fortschrittlichen Ärzte des Orients und stellt ihnen das grobschlächtige abendländische Bader-Geschäft gegenüber. Zeitgenössische Bildquellen und Berichte über deren „Praxen“ sind reichlich vorhanden und ab und an tauchen sogar ihre einstigen Gerätschaften bei archäologischen Ausgrabungen auf!

Ein Bader auf der Burg?

Bei Erdbewegungen auf dem Peiner Burgberg fand sich ein sogenannter Schröpfkopf aus der Zeit der Stadtgründung. Er ist aus weiß-grauer Keramik und zeigt starke thermische Gebrauchsspuren. Das Kreismuseum Peine zeigt ferner einen etwas jüngeren sehr ähnlichen Fund aus Grünglas, geborgen in der Peiner Altstadt. Der „Bader“ erhitzte diese Halbkugeln und presste sie dem Patienten auf dem Rücken (siehe hist. Stich). Aderlass (u.a. auch mit Blutegeln), Zahnziehen und kleinere chirurgische Eingriffe gehörten ebenfalls zum Alltags-Geschäft des Baders, der in erster Linie natürlich seine Badestube betrieb, einen Barbier und Badeknechte und Bademägde beschäftigte. Ein schweißtreibendes Unterfangen, denn es gab natürlich keine Wasserleitungen aus Blei oder Warmwasser-Boiler, diese kulturellen Errungenschaften waren mit dem Niedergang des römischen Reiches längst verloren gegangen. Das Wasser musste mühsam herbeigeholt werden aus Brunnen oder Zisternen und erhitzt werden, erst dann konnte man es in die hölzernen Zuber gießen. Eine andere überlieferte Technik sind heiße, große Steinen, die einfach ins Badewasser gelegt wurden. Damen und Herren konnten sich dann ein heißes Vollbad leisten.
Mobile Bader, die mit ihren bunten Karren durch die Gegend zogen, gab es zwar auch, aber in den mittelalterlichen Städten waren es durchaus schon feste Badestuben, in denen man sich um die Körperhygiene und kleinere Beschwerden kümmerte, wobei der Bader eher als ein Arzt der Armen anzusprechen ist. Auch die vielen gefundenen kleinen Salbentöpfe und Medizinfläschchen erzählen von den alltäglichen Beschwerden und Blessuren, die die alten Peiner selbst kurierten, das ging bis in das 19. Jahrhundert hinein mehr oder weniger gut.

Speisen im Mittelalter

Ein merkwürdiges verziertes Griffelement aus der Zeit um 1250, das sich ebenfalls im Erdreich des Peiner Burgberges fand, gehörte zu einem sogenannten Aquamanil (auqua=Wasser, manus=Hand) , einem Gießgefäß in Tierform. Die Töpfer im niedersächsischen Duingen waren um 1300 auf deren Herstellung spezialisiert, wobei man schon das beständigere Steinzeug produzierte. Man nimmt an, dass man sich damals in gehobenen Kreisen vor dem Speisen und auch währenddessen rituell die Hände wusch, wobei Diener aus solchen Aquamanis sauberes Wasser über die Hände gossen. Besteck für feste Speise wurde damals oft nur in Form von (persönlichen) Messern benutzt; man aß meist mit den Fingern! Bei den Seefahrern waren z.B. Gabeln noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein als „weibisch“ verpönt. Je nach Vermögen waren jedoch Löffel aus Silber, Zinn oder Holz um 1500 auch in Peine schon übliches Alltagsgerät um flüssige Speisen zu sich zu nehmen, wie ein Löffel-Fund belegt. Dieser im Stadtarchiv bewahrte Zinnlöffel ist mit 3 unterschiedlichen Punzen (Beschauzeichen) gestempelt, eine davon stellt das Peiner Stadtwappen des Grafen Gunzelin mit dem Wolf über den zwei Ährenbündeln dar und belegt somit sogar die Fertigung in der Fuhsestadt.

„Licht ins finstere Mittelalter bringen“

Das war einst eine brandgefährliche Angelegenheit! Vor dem Ölrausch des 19. Jahrhunderts, der zum vermehrten Einsatz von Petroleum-Lampen führte, setzte man in Peine nachweislich auf Kienspäne und Kerzen als Beleuchtung, wie Funde keramischer Kerzenständer aus dem Altstadtgebiet zeigen (Tafel). Ob die drei verheerenden Stadtbrände des 16. Jahrhunderts mit dem fahrlässigen Umgang von offenem Licht ursächlich in Zusammenhang stehen, ist nicht bekannt, aber die damals noch strohgedeckten Fachwerkhäuser in Peine branden binnen weniger Stunden bis auf die Grundmauern nieder! Man „schob“ den Schutt einfach in die Gräben und legte knapp davor neue an, wodurch die Stadt jeweils etwas „breiter“ wurde.
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 15.01.2017 | 13:37  
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