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"Damit Neusäß lebendig bleibt"

Stand der Aktionsgemeinschaft auf dem diesjährigen Lankreislauf in Neusäß (Foto: Michaela Axtner/Stadt Neusäß)
 
Bieranstich bei der traditionellen Maibaumfeier (Foto: Klaus Gendner)
 
Aufstellen des Kinder-Maibaums (Foto: Klaus Gendner)
 
Glückswürfelaktion auf dem Neusässer Weihnachtsmarkt (2017) (Foto: Aktionsgemeinschaft Neusäß)

Der Vorstand der Aktionsgemeinschaft Neusäß (AN) im Interview

Die Aktionsgemeinschaft Neusäß (AN) ist in der Stadt nicht mehr wegzudenken. Der Zusammenschluss Gewerbetreibender ist mit seinen Aktionen Mittler zwischen Wirtschaft, Kultur und Vereinsleben und steht für ein lebendiges Stadtleben. Ziel der AN ist es vor allem, die Attraktivität der Stadt zu fördern. Einige der Veranstaltungen der AN haben bereits Tradition in Neusäß, es kommen jedoch auch immer wieder neue Aktionen hinzu, die die Präsenz und die Bedeutung der AN in der Stadt unterstreichen. Was das Jahr 2018 in der Aktionsgemeinschaft geprägt hat und wie das städtische Wachstum und die Wirtschaft in Neusäß ineinandergreifen, das zeigt sich im Gespräch mit dem Vorstand der Aktionsgemeinschaft. Im Interview stehen Thilo Wank, Helmut Dotterweich und Thomas Fendt Rede und Antwort zu den Themen, die Stadt und Wirtschaft 2018 bewegten.

myheimat: Die Stadt Neusäß befindet sich weiterhin im Wachstum und muss sich den Anforderungen einer starken Nachfrage nach Wohnraum und Gewerbeflächen stellen. Wie nehmen Sie die konkreten Auswirkungen des Wachstums auf die städtische Wirtschaft wahr?

Vorstand AN: Zunächst bedeutet das Wachstum der Stadt auch das Anwachsen der Kaufkraft, was wiederum Potenzial für die ansässigen Unternehmen und den Einzelhandel birgt. Denn kommen in Zukunft immer mehr Einwohner nach Neusäß, bringt dies im Idealfall auch immer neue Kunden mit sich. Der Kundenstamm vergrößert sich und damit auch das kulturelle Angebot in der Stadt sowie vor allem die Nachfrage im Dienstleistungssektor. Obwohl die Auswirkungen des Wachstums auf die städtische Wirtschaft grundsätzlich als positiv zu beurteilen sind, bringt dieses natürlich auch Nachteile mit. So kann beispielsweise der zunehmende Verkehr auch für den Einzelhandel eine kritische Belastung darstellen.
Insgesamt bedeutet Wachstum also auch immer stärkere Nachfrage. Unser Ziel und Ziel der Stadt muss es sein, dass diese Nachfrage auch bei den Geschäften vor Ort ankommt, damit Neusäß lebendig bleibt und die Nahversorgung gegeben ist.

myheimat: Mit dem Gewerbegebiet Neusäß Nord wurden seitens der Stadt neue Flächen für Firmen am Rande der Stadt geschaffen. Dahingegen stagniert im Gewerbegebiet in Alt-Neusäß im Zentrum die Entwicklung, da der Platz begrenzt und das Areal nicht mehr zeitgemäß ist. Eine Interessensgemeinschaft aus Besitzern und Unternehmern plädiert für die Umwandlung des Areals in ein Wohngebiet. Wie stehen Sie zu dieser Debatte und wie sehen Sie vor diesem Hintergrund das Entwicklungspotenzial des Gewerbes in der Stadtmitte?

AN: Eine ausgewogene Aufteilung von Gewerbe und Wohnen ist wichtig für die Stadt. Gerade letzterer Bereich lässt sich in der Stadtmitte gut entwickeln. Ein klassisches von Industrie geprägtes Gewerbegebiet und ein Wohngebiet lassen sich im Zentrum aber schlecht vereinbaren, da die Verkehr- und die Lärmbelastung zu groß wäre, was wiederum zu Problemen führen würde und außerdem auch rechtlich problematisch wäre. Die meisten Gewerbetreibenden im Areal Alt-Neusäß würden auch umsiedeln und die Fläche für die Umwandlung in ein Wohngebiet freigeben, insbesondere Firmen, die ihr Gewerbe in Bälde einstellen möchten. Andere Unternehmen suchen nach Grundstücken für eine Umsiedlung. Es gibt aber auch Gewerbe, das ohne großen Lärm und Transportbedarf auskommt. Ein solches ist durchaus in der Stadtmitte denkbar. Gerade im Kontext zum geplanten „Gesundheitsstandort“ – denkt man an Labors, Praxen oder Forschungseinrichtungen – bieten sich hier Chancen. Der Trend in den Städten geht allgemein hin zu kurzen Arbeitswegen. Das Wohnen in unmittelbarer Nähe zum Gewerbe wird immer wichtiger. Die beste Lösung hierfür sind urbane Wohngebiete, die Wohnen und den Dienstleistungssektor räumlich verbinden.

myheimat: An einem anderen wirtschaftlichen Zentrum in der Stadtmitte tut sich etwas: die Hauptstraße, an der viele Geschäfte angesiedelt sind, ist wichtiger Bestandteil des neuen Flächennutzungsplanes. Mit der Umgestaltung des Schuster-Areals, auf dem ein neues Ärztehaus mit Ladeneinheiten entstehen soll, ist ein Anfang in der neuen Stadtmitteentwicklung gemacht. Wie sehen Sie die Gestaltung des Stadtzentrums und dadurch die Chancen für die ansässigen Einzelhändler?

AN: Für das Zentrum sind ein guter Mix an Geschäften, das optische Erscheinungsbild, ausreichend Parkplätze, Grünflächen und eine attraktive Gastronomie sowie ein attraktiver Einzelhandel wichtig. Die Erfüllung dieser Konditionen stärkt Neusäß. Insgesamt ist die aktuelle Entwicklung sehr positiv. Neusäß legt Wert auf die Gestaltung eines geschlossenen Stadtbildes, das viel ansehnlicher wirkt. Auch private Investoren sollten die Möglichkeit erhalten, daran anzuknüpfen und das Zentrum im Sinne der Allgemeinheit optimal zu gestalten.

myheimat: Ein weiteres großes Thema in Neusäß ist die entstehende Uni-Klinik. In direkter Nachbarschaft zu dieser sieht Bürgermeister Richard Greiner die Stadt als Gesundheitsstandort. Es soll untersucht werden, ob Neusäß das Potential dazu hat und ob sich in Zukunft mehr und mehr medizinische Forschungslabore, Arztpraxen und Hightech-Firmen der Medizintechnik ansiedeln können. Sehen Sie diese Vision als realisierbar an und welchen Einfluss hätte diese Entwicklung auf die Wirtschaft in Neusäß?

AN: Diese Vision ist absolut realisierbar. Als Gesundheitsstandort bieten sich große Chancen für Neusäß, indem vor allem der Dienstleistungssektor den Synergieeffekt der Nähe zur Universitätsklinik nutzen kann. In dieser Hinsicht ist ein schnelles und entschlossenes Handeln notwendig, denn letztendlich stehen wir in diesem Zusammenhang auch in Konkurrenz zu den umliegenden Städten und Gemeinden, andererseits müssen die Entwicklungen und Bestrebungen vor Ort aber auch in den Kontext der ganzen Region passen. Dabei ist vor allem auch das Wohnen wieder ein wichtiges Thema. Im Rahmen der Entwicklung zu einem Gesundheitsstandort muss dafür gesorgt werden, dass genügend Wohnraum zur Verfügung steht, da ansonsten die Mieten noch stärker steigen könnten – gleiches gilt für die Kinderbetreuung und die Angebote für Familien. Hier ist die Stadt in der Pflicht, für ein ausreichendes Angebot zu sorgen, um mit den Entwicklungen im Kontext Gesundheitsstandort Schritt halten zu können.

myheimat: Auch 2018 hat die Aktionsgemeinschaft wieder viele Aktionen realisiert und städtische Veranstaltungen aktiv unterstützt, zum Beispiel die traditionelle Maibaumfeier, den Landkreislauf oder den Weihnachtsmarkt mit der Glückswürfelaktion. Wie wichtig sind solche Angebote für das Stadtleben und wie können Sie so die Attraktivität der Stadt und des Gewerbes vor Ort fördern?

AN: Neusäß liegt in unmittelbarer Nähe zu Augsburg. Daher ist es wichtig, auch direkt in Neusäß viele attraktive Angebote zu schaffen, damit die Menschen vor Ort auch verweilen möchten und ihr Geld am Ort ausgeben. Solche Angebote bedeuten für die Stadt Neusäß zusätzlich Spielräume und Gestaltungsmöglichkeiten. Auch für das Miteinander in unserer Stadt ist dies wichtig. Und letztendlich sind das doch die Dinge, die eine Stadt lebenswert machen – solche Aktionen und Veranstaltungen steigern #+die Attraktivität für alle.

myheimat: Neu war in diesem Jahr die Idee der Aktionsgemeinschaft, dass die Neusässer Kindergärten die Bäume für den Weihnachtsmarkt schmücken und dafür von der AN Bastelmaterial zur Verfügung gestellt bekommen. Wie war die Resonanz auf die Aktion?

AN: Die Resonanz war überwältigend, es machten elf Kindergärten bei dieser Aktion mit. Das spricht für die Attraktivität der Bastelkisten mit Einkaufsgutschein und Baumschmuck sowie für das Interesse der Einrichtungen daran, sich aktiv und kreativ am Weihnachtsmarkt zu beteiligen. Zudem gab es attraktive Preise, die unter den teilnehmenden Kindergärten verlost wurden, – 500 Euro von der Augusta-Bank, eine Hüpfburg für einen Tag von Hartmann Event und Titania-Badewelt-Gutscheine – und für alle Kinder Gutscheine für einen Kinderpunsch, einen Besuch des Märchenzeltes und eine Fahrt mit der Kindereisenbahn auf dem Neusässer Weihnachtsmarkt. So konnten wir für viele Kinder in Neusäß etwas Gutes tun und viele Familien dazu bewegen, den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Gleichzeitig hat der Weihnachtsmarkt auch noch wunderschöne, vielfältig geschmückte Bäume bekommen.

myheimat: Ein besonderes Ereignis war im September auch die historische Straßenbahnfahrt durch Augsburg, die die Aktionsgemeinschaft Neusäß für ihre Mitglieder organisierte. Auch ein paar Teilnehmer aus der Aktionsgemeinschaft Steppach waren mit dabei. Gibt es über das Jahr Kooperationen zwischen den beiden Zusammenschlüssen und wie könnte eine Zusammenarbeit zu einer starken Wirtschaft in Neusäß und den Stadtteilen beitragen?

AN: Grundsätzlich agieren beide Aktionsgemeinschaften getrennt und steigern die Attraktivität der jeweiligen Stadtteile. Das wird auch in Zukunft beibehalten. Darüber hinaus gibt es aber eine punktuelle Zusammenarbeit und einen regelmäßigen Austausch. Es gibt genügend Themen, die alle betreffen und bei denen man gemeinsam sicher mehr erreichen kann.

myheimat: Einige der Mitglieder der AN, wie der ACO e. V., das Kärcher Center Frisch (jeweils 30 Jahre), Textilpflege Kuchenbaur (50 Jahre) oder Columbus Treppen (65 Jahre), konnten dieses Jahr Jubiläen feiern. Welche Bedeutung haben solch alteingesessene Neusässer Vereine und Firmen für die AN?

AN: Die Bedeutung dieser Firmen und Vereine als Mitglieder der AN ist sehr groß, denn lange Jahre der Zusammengehörigkeit schaffen eine starke Basis und viel Vertrauen.
Vieles ist im Wandel und eine hohe Anpassungsfähigkeit ist allgemein in der Gesellschaft gefragt. Ein starkes Fundament ist hier hilfreich und erleichtert die aktive Mitgestaltung der Gegenwart und der Zukunft.

myheimat: Für ein Mitglied der Aktionsgemeinschaft brachte 2018 eine weitere Expansion mit sich: Das Titania konnte den Neubau der Schärensauna eröffnen. Viele Partner aus der Region waren am Bau und der Ausstattung der neuen Sauna beteiligt. Wie wird diese von den Gästen angenommen und wie wichtig ist die Therme als gewerblicher Faktor für Neusäß?

AN: Das Titania ist ein Aushängeschild für Neusäß und ein Besuchermagnet, der auch viele Menschen aus dem Umland erreicht und nach Neusäß zieht. Die Therme ist weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und ist in allen Altersgruppen sehr beliebt.
Beim Ausbau der Sauna waren zehn regionale Firmen als Partner dabei und auch der Bauhof Neusäß war beteiligt. Die neue Sauna ist mit Event-Aufgüssen und musikalischer Umrahmung ein absolutes Highlight.

myheimat: Vielen Dank für das Interview.
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