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Baustellenführung im Lokschuppen von Marburg

Führung im Lokschuppen von Marburg
  Marburg: Hauptbahnhof | Am 24. Oktober 2019 wurde erstmalig eine Führung durch den im Umbau befindlichen Lokschuppen in Marburg angeboten. Die Führung fand im Rahmen der Reihe "Industriekultur in Mittelhessen" vom Regionalmanagement Mittelhessen GmbH statt. Investor Gunter Schneider und Architekt Bernward Paulick stellten den Besuchern das Bauprojekt vor Ort vor.

Die Führung begann um 16 Uhr. Nach einer kurzen Einleitung wurde das Nutzungskonzept in einem Lichtbildvortrag auf der Nordseite vorgestellt. Details wurden anschließend an einem Holzstapel befestigten Fotos und Plänen gezeigt. Darüber hinaus wurden die Besucher auf verschiedene bauliche Besonderheiten und die damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Sanierung hingewiesen. Allerdings wurden außer der zum großen Teil durch Baumaterial verstellten Drehscheibe keine Räumlichkeiten außerhalb des Lokschuppens wie Werkstattbereich oder Lager gezeigt.


Zukünftige Nutzung
Der Lokschuppen wird in drei Teile aufgeteilt.

Im Süden befindet sich ein Event- und Kulturbereich. Dieser kann mit bis zu 1000 Sitzplätzen ausgestattet werden. Je nach Veranstaltung können aber auch statt Stühlen Stehtische gestellt werden. Zur Ausstattung gehören eine modulare Bühne und professionelle Licht- und Tontechnik. Zudem kann dieser Teil des Lokschuppens durch eine schalldichte Trennwand unterteilt werden. Mit dem Event- und Kulturbereich soll eine Marktlücke im mittleren Preissegment abgedeckt werden.

Zwei in diesem Bereich befindliche Säulen werden entfernt.

Der mittlere Teil des Lokschuppens soll für Gastronomie genutzt werden. Die Gaststätte kann auch die Bewirtung von Veranstaltungen im Nachbarbereich übernehmen. Allerdings ist dies nicht verpflichtend.
Eine Gestaltungsidee zur Gastronomie sind auf Gleisen bis nach außen verschiebbare Wagen, auf denen Gruppen zusammensitzen können.


Im nördlichen Teil soll ein Kreativ- und Gründerzentrum eingerichtet werden. Hier soll die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes stärker erkennbar sein als in den anderen Gebäudeteilen. So gibt es etwa die Idee, die früheren Gruben als Ruheecken zu nutzen. Der alte Boden soll sichtbar bleiben. Im anderen Teil hingegen wird er mit einem beheizbaren Boden aus Beton und Holz überbaut.

Verschiedene Innenaufbauten in Form von Quadern sollen es den Nutzern ermöglichen, in mehr oder weniger großen Gruppen zusammenzusitzen. Für das Raumklima werden nur Anlagen zur Belüftung eingerichtet. Auf eine volle Klimatisierung kann - im Gegensatz zu den anderen Gebäudeteilen - aufgrund der deutlich geringeren Personendichte verzichtet werden.

Das Kreativ- und Gründerzentrum verfügt über insgesamt drei Stockwerke, wobei auch die anderen Gebäudeteile über zwei Obergeschosse verfügen.

Die drei Gebäudeteile sollen durch Glaswände getrennt werden, sodass eine optische Durchlässigkeit gegeben ist. Das verursacht allerdings zusätzliche Kosten beim Brandschutz. Da keine Brandschutzmauer zwischen den Gebäudeteilen vorhanden ist, muss eine Sprinkleranlage eingebaut werden.

Die Werkstatt nördlich des Lokschuppens soll zu einem Hotel werden.


Besonderheiten
Vom vorher einsturzgefährdeten Dach wird die tragende Konstruktion erhalten. Diese wird nicht komplett abgetragen und neu aufgebaut, sondern Stück für Stück überarbeitet. Da man keine Teile herausnehmen kann, ohne dass die Stabilität der ganzen Konstruktion verlorengeht, müssen die jeweils zu bearbeitenden Balken mit einem Holzgerüst abgestützt werden. Für ersetzte Holzteile soll das gleiche Material verwendet werden, insbesondere auch aus einem Stamm geschnittene Balken anstelle von Balken aus verklebten Brettern.

Zur Stabilisierung wird außerdem unter dem Dach ein Betonring über die Mauer gesetzt.

Die alten Hauben für den Rauchabzug werden wieder in Form gebracht und auf das Dach aufgesetzt.

Der Lokschuppen zeichnet sich nicht unbedingt durch eine hohe handwerkliche Qualität aus. Für die Fenster wurden einfach passende Eisenteile zusammengeschweißt. Die Qualität des Mauerwerks ist unterschiedlich. Eine Mauer auf der Südseite wurde wohl schnell hochgezogen, wobei man nur etwa 30 cm tief in den Boden ging. In dieser Mauer finden sich nun große Risse, die erhalten werden.

Die Mauern werden nicht verkleidet. Eine Dämmung ist deswegen nicht möglich.

Für die Anlage müssen komplette neue Anschlüsse gelegt werden.


Von der Drehscheibe befindet sich noch etwas mehr als die Hälfte der Fläche im Besitz der Deutschen Bahn. Es bestehen gute Aussichten, dass der große Teil dieses Stücks von der Deutschen Bahn abgekauft werden kann. Nicht verhandelbar ist für die DB jedoch ein schmaler Streifen, der weniger als vier Meter von einem Abstellgleis entfernt ist.
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