Die Spinnen kommen

Hauswinkelspinne, ein typischer Kellerfund
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Ungeliebte Nützlinge kommen in die Häuser, NABU bittet um Verständnis

Mit den sinkenden Temperaturen schleichen sich nun wieder vermehrt andere Bewohner in die schützenden Häuser. Zu teilweise hysterischen Reaktionen führt der achtbeinige Einmarsch von Spinnen, die darauf hoffen, in einer stillen Zimmerecke mit fetter Beute den Winter zu überstehen. Der Naturschutzbund NABU will Verständnis für die ungeliebten Nützlinge schaffen und bittet, Spinnen nicht zu töten und sie im Notfall lebend vor die Tür zu setzen.Viele Menschen empfinden Angst oder gar Ekel gegenüber Spinnen, dabei sind sie äußerst interessante und in unseren Breiten absolut ungefährliche Tiere. In Mitteleuropa können nur die Wasserspinne und der Dornfinger durch ihren Giftbiss leichte Schwellungen auf der menschlichen Haut hervorrufen. Die mit acht Beinen ausgestatteten Spinnen gehören nicht zu den (sechsbeinigen) Insekten. Und Spinnen haben sich seit über 400 Mio. Jahren an fast alle Lebensräume auf der Erde angepasst und dabei zum Teil faszinierende Strategien entwickelt. Die bekannte Kreuzspinne, mit dem hellen Doppelkreuz auf dem Hinterteil, kann mit ihren acht Augen nur schlecht sehen. Dafür hört sie mit den Beinen. Diese tragen lange Haare, mit denen Luftbewegungen und Schallschwingungen registriert werden. Im Gegensatz zu den Jagd- und Lauerspinnen ist die Kreuzspinne auch nicht auf ihre vier Augenpaare angewiesen, da sie ein Netz für den Beutefang baut. Dies schafft sie dafür in nur 45 Minuten. Am Hinterleib trägt die Kreuzspinne sechs Spinnwarzen, aus denen die Spinnflüssigkeit austritt: Der Spinnfaden, der an der Luft hart wird, kann aus bis zu 600 Einzelfäden bestehen. In den frühen Morgenstunden baut die Spinne mit etwa 20 Meter Spinnfaden ihr Radnetz, das ihr zum Beutefang und Wohnen dient. Kreuzspinnen leben übrigens sehr umweltbewusst: Alte Netze werden gefressen, das Material wird recycelt und für ein neues Netz verwendet.
In der Mitte des Netzes wartet Kopf unter die Spinne darauf, dass sich Insekten an den klebrigen Fäden der Fangspirale verheddern. Dann eilt sie hin und fesselt die Beute mit einem breiten Fadenband, bevor sie sie mit den Giftklauen ihrer Vorderbeine tötet. Die Kreuzspinne ist auch eine Hungerkünstlerin, die tagelang ohne Nahrung ausharren könne, aber gewöhnlich stehen täglich drei bis vier Fliegen auf ihrem Speiseplan. Alle Spinnenarten, von denen es allein in Deutschland rund 800 gibt, leben räuberisch. Sie haben damit eine bedeutende Funktion in der Natur als Regulator der Insektenfauna. Wie wichtig Spinnen im Naturhaushalt sind, davon bekommt man frühmorgens im Frühnebel eine wunderschöne Ahnung. Durch Tautropfen werden dann unzählige Spinnennetze, dicht an dicht auf einer naturbelassenen Wiese sichtbar. Neben den netzbauenden Spinnen gibt es auch andere Arten wie z.B. die sogenannten Springspinnen, die ihre Beute im Sprung fangen, oder Jagdspinnen, die flink ihre Opfer hetzen. Krabbenspinnen verfügen über die erstaunliche Fähigkeit, sich zu tarnen indem sie sich wie das bekannte Chamäleon der Farbe der Umgebung anpassen. In unseren Häusern fühlen sich u.a. die Hauswinkelspinne, Zitterspinne und Speispinne recht wohl und befreien uns von lästigen Insekten wie Stechmücken und Stubenfliegen. Die eigentlich aus dem Mittelmeer stammende Speispinne verschießt innerhalb von Sekundenbruchteilen einen Leimfaden in Zickzackform über ihre Opfer. Auch wenn wir unsere heimischen Spinnen auf den ersten Blick nicht so sympathisch finden, sollten wir lernen, Spinnen zu achten und nicht zu töten.

Bürgerreporter:in:

Ricky Stankewitz aus Langenhagen

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