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Kooperation von Naturschützern, Förstern und Jägern

Wildkatze (Foto: © Siegel / djv)

Rheinland-Pfälzer Jäger beteiligen sich am bundesweiten Projekt "Wildkatzensprung"

(djv/ljv/bund) Berlin, Main, Trier - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will sich künftig noch stärker für die Wiedervernetzung der Wälder einsetzen.

Im Rahmen des Projekts “Wildkatzensprung” ist der Aufbau einer bundesweiten Gendatenbank für Wildkatzen geplant, welche bei zukünftigen Fragstellungen und Planungsvorhaben eine Entscheidungshilfe für sinnvolle Maßnahmen sein kann. Hierfür wird der BUND in Kooperation mit Landesforsten Rheinland-Pfalz und dem Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. im kommenden Winter und Frühjahr 50 Lockstöcke im Meulenwald, dem “Waldgebiet des Jahres 2012” aufstellen und regelmäßig auf Wildkatzehaare untersuchen. Bei der Betreuung der Lockstöcke arbeiten Förster, Jäger und Naturschützer eng zusammen. 25 Helferinnen und Helfer werden jetzt am Forstamt Trier in der Praxis für ihren Einsatz vorbereitet. Es gilt 20 Planquadrate im gesamten Meulenwald in den Wintern 2013 und 2014 drei Monate lang zu betreuen. “Die Katzenhaare werden gesammelt und genetisch untersucht. So kann festgestellt werden, wie die Verwandschaftsverhältnisse der Wildkatzen im Meulenwald zu anderen Populationen in Deutschland stehen. Hierdurch erhalten wir wichtige Hinweise, wo Wildkatzelebensräume miteinander vernetzt werden müssen”, berichtet der Projektleiter Frieder Leuthold vom BUND.

“Für Landesforsten und die Forstämter passe dieses Artenschutzprojekt voll in die Strategie umfassender Fürsorge für alle Waldleistungen”, betont der Leiter des Forstamtes Trier, Forstdirektor Gundolf Bartmann. Durch ihre Ortskenntnis und die Präsens der Förster in der Fläche zeige sich immer wieder die besondere Eignung der Forstämter für die Umsetzung großer Projekte auch im Naturschutzbereich. “Rheinland-Pfalz trägt eine besondere Verantwortung für die Wildkatze. Etwa die Hälfte der deutschen Wildkatzen lebt in unserem Bundesland. Deshalb beteiligt sich der BUND Rheinland-Pfalz mit mehreren Bausteinen am bundesweiten Projekt”, erläutert BUND-Landesgeschäftsführerin Sabine Yacoub. So gebe es neben dem Projekt im Meulenwald eine weitere Lockstockfläche im Pfälzerwald, Untersuchungen zum Wildkatzenkorridor zwischen Pfälzerwald und Bienwald, sowie ein Projekt zur Lebensraumverbesserung im Westerwald.

Der Präsident des Landesjagdverbandes Kurt-Alexander Michael freut sich über das Einvernehmen in den Zielen zum Schutz seltener Wildtiere und der Vernetzung von Lebensräumen mit dem BUND: “Der Naturschutz ist auf die Jäger vor Ort in den Revieren angewiesen und wir unterstützen das Projekt mit großem Engagement, weil uns der Erhalt aller Wildtiere und nicht nur der jagdbaren Arten am Herzen liegt.”

Langfristiges Ziel des bundesweiten Projektes ist, ein Netzwerk verbundener Waldgebiete von 20.000 Kilometern Länge in Deutschland zu schaffen. Das Projekt ist damit eines der größten Naturschutzvorhaben Europas. Seit 2007 hat der BUND in einer ersten Umsetzungsphase bereits in drei Regionen in Deutschland Baumstreifen angepflanzt.

Der BUND erhält für die Wiedervernetzung der Wälder und den Schutz der bedrohten Wildkatzen 3,8 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm “Biologische Vielfalt” des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Ergänzt durch Eigenmittel des Verbandes und andere Förderer – in Rheinland-Pfalz die Stiftung Natur und Umwelt – stehen für das Projekt “Wildkatzensprung” insgesamt 5,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Projekt Wildkatzensprung wird in zehn Bundesländern von den jeweiligen Landesverbänden des BUND umgesetzt. Die bundesweite Gendatenbank für Wildkatzen wird gemeinsam mit dem auf dem Feld der Artenforschung tätigen Senckenberg-Institut in Frankfurt entwickelt. Die Datenbank ist die erste ihrer Art für ein Säugetier in Deutschland. Verteilt über das gesamte Verbreitungsgebiet der Wildkatze werden mithilfe von Duft- Lockstöcken Haarproben von Wildkatzen gesammelt und so wertvolle Informationen über Verbreitung, Teilbestände und Wanderverhalten gewonnen. Experten können so erforschen, wie stark einzelne Wildkatzenpopulationen voneinander isoliert sind.

Die Zahl der Wildkatzen in Deutschland wird auf 5000 bis 7000 Tiere geschätzt. Die Wildkatze steht stellvertretend für zahlreiche Waldtierarten, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft oder den Bau von Autobahnen gefährdet sind.
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