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Kulturbewusste Kommunikation im AWO Mehrgenerationenhaus

Einige Teilnehmer aus dem Trainingsprogramm am Vormittag: Ehrenamtliche aus dem Mehrgenerationenhaus folgten interessiert dem Workshop "Kulturbewusste Kommunikation".
 
Dem Thema stellten sich am Nachmittag Aktive aus der Arbeit mit Menschen internationaler Herkunft, hier wieder ein Teil der Gruppe mit Trainer Maximilian Engl (links).
Landsberg am Lech: AWO-Zentrum, Begegnungsstätte | Kulturbewusste Kommunikation war Schwerpunkt eines Workshop, den das AWO-Mehrgenerationenhaus (MGH) jetzt in Zusammenarbeit mit der Georg-von-Vollmar-Akademie e.V. im Rahmen der Projekte „Stark im Beruf“ und "Zusammenhalt durch Teilhabe" veranstaltete. Und das Thema brennt den Menschen offensichtlich unter den Nägeln!

Da sich mehr als 50 Interessierte angemeldet hatten, organisierte MGH-Leiterin Margit Däubler gleich zwei Programmdurchläufe: vormittags mit ehrenamtlich Engagierten aus der Bürgerschaft und nachmittags mit hauptamtlich Aktiven, beispielsweise Lehrern und Profis der Arbeitsagentur oder Jobcenter. Alle Teilnehmer zeigten sich positiv überrascht, wie viel sie bei Begegnungen mit Menschen internationaler Herkunft noch zu lernen und überdenken haben. Alle wollen in ihren Haltungen künftig achtsamer kommunizieren.

Maximilian Engl, Trainer für Interkulturelle Kommunikation und Geschäftsführer des Instituts für kulturbewusste Kommunikation (KUBEKOM), verfügt nach eigenen Angaben über langjährige Erfahrungen mit Austauschdiensten und geht gerne eigene Wege, um menschliche Begegnungsdynamik zu verdeutlichen. Das funktioniert nicht ohne Risiko. In der AWO-Begegnungsstätte provozierte er gleich zu Beginn seine Zuhörer und sorgte für einige Irritationen, indem er bereits bei der Vorstellung mit den allgemeinen Erwartungen brach und diese dadurch erst deutlich sichtbar machte. Eine gespannte Atmosphäre mit verärgerten Gästen war die Folge: "Was soll das? Kann der sich nicht richtig vorstellen?" "Okay, lassen Sie uns über Kommunikation reden!"

Allgemeines Aufatmen, dass es sich "nur" um eine Lektion in Sachen Ethnozentrismus handelte. Jenseits der Schauspielerei machte Trainer Engl eine sympathische, weltgewandte Figur und holte die Leute mit zahlreichen Anekdoten und Kuriositäten ins Boot. "Es gibt Begrüßungsrituale, die dauern 15 Minuten und sehen aus wie eine Schlägerei", wusste Engl zu berichten und bemühte dazu die geeignte Subszene aus dem Internet. Überkorrektes Verhalten gegenüber roten Ampeln brachte er genauso zur Sprache wie Glaubens- und Hygienevorschriften.

Konvergierende Grundannahmen führten nach dieser Beschreibung zu unterschiedlichen Wahrnehmungen und Handlungen. Nicht einmal auf seinen gesunden Menschenverstand kann sich der aufgeschlossene Landsberger verlassen, denn unsere Wahrnehmung sei wie so ziemlich alles kulturabhängig: Trainer Engl hatte Anschauungsmaterial parat, das die Sinne auf die Probe stellte und die Teilnehmer verunsicherte. "Schnell werden große Schubladen aufgemacht", warnte er. Das verhindere interkulturelles Verständnis. Dass Afrikaner für manchen unangenehm riechen, sei reine Betrachtungsweise. Eine gegenläufige Wahrnehmung betrifft uns selbst und rühre vom hohen Milchkonsum pro Kopf. Engl: "Europäer, Amerikaner und Australier stinken für den Rest der Welt nach ranzig gewordener Butter!"

Wenn wir uns in der Begegnung mit dem Fremden auch uns selbst nähern, dann gewinnen wir in Anschluss an Maximilian Engl und anderen Coaches vielleicht den Mut, echte Integration anzustreben. Dafür muss ich einem anderen Menschen einen Raum zur Verfügung stellen und offen auf ihn zugehen: "Hallo, wer bist denn du?" Daraus kann wirkliche Begegnung entstehen....

Die Georg-von-Vollmar-Akademie e.V. führt mit dem Landesverbad der AWO Bayern das Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ durch und initiiert Projekte zur Stärkung demokratischer Teilhabe und gegen Extremismus. Das Projekt „Stark im Beruf – Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein“ befindet sich in Trägerschaft des Mehrgenerationenhauses und wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und den Europäischen Sozialfonds gefördert.
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