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Appelle an die Politik

Erwin Helmer, Kristine Dertinger, Michael Riedle
 
Werner Gutmann
Appelle an die Politik
Ungewöhnlich hohe Übereinstimmung konnten die Besucher der Vorabendveranstaltung zum 1. Mai im Restaurant Lago di Garda erfahren. Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbun-des Landsberg, Kristine Dertinger, hatte Kreishandwerksmeister Michael Riedle und Diözesan-präses Erwin Helmer vom KAB Augsburg als Redner eingeladen. Beide nahmen die Gelegenheit wahr den anwesenden Politikern, Albert Thurner, Markus Wasserle und dem Bundestagskandi-daten Christian Winklmeier konkrete, fast übereinstimmende Forderungen mit auf den Weg zu geben. Keine Berührungsängste zu den Gewerkschaften sieht Michael Riedle. Was früher die Zünfte waren, hat heute das Handwerk übernommen. In den Handwerksbetrieben, die in der Re-gel Familienbetriebe sind, ist der Arbeitnehmer Teil des Unternehmens. Wenn früher die Zunft der sogenannte Kümmerer bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit war, hat heute der Handwerker ähnliche Funktionen in Form von finanziellen oder materiellen Zuwendungen für seine Beschäf-tigten übernommen, z. B. beim Hausbau oder der Ausleihe von Fahrzeugen und Maschinen. Für das Handwerk ist der Mindestlohn kein Thema. Die Einkommen liegen weit über dem vor zwei Jahren vom Bundestag beschlossenen Eckdaten. Bei Ausbildungsplätzen und der Beschäfti-gung von Flüchtlingen kann das Handwerk Zahlen ausweisen, die die Großbetriebe schlecht aussehen lassen. Den Frieden erhalten können wir nur in einer gerechten Gesellschaft und eine gerechte Gesellschaft schafft einen modernen Staat, waren Worte von Micheal Riedle, die fast Gleiches ausdrückten wie ein Aufkleber der KAB Augsburg „Hier arbeitet ein Mensch“.

Wir sind viele. Wir sind eins: ist die Feststellung des DGB zum heurigen 1. Mai. Erwin Helmer sieht viele Parallelen zu den Feststellungen von Michael Riedle soweit sie das Handwerk betref-fen. Dort aber, wo Manager das Sagen haben und in Konzernen die Arbeiterinnen und Arbeiter als Kostenfaktor verwaltet werden, gibt es noch viel zu tun. Der sogenannte prekäre Arbeits-markt muss verschwinden. Leiharbeit, der Missbrauch von Werkverträgen, befristete Arbeitsver-hältnisse, Scheinselbständigkeit sind Faktoren, die unaufhaltsam in die Altersarmut führen. Die-ser Entwicklung ist Einhalt zu gebieten. Zwar sagen Umfragen, dass sich 75% der Beschäftig-ten mit ihrem Unternehmen identifizieren. Allerdings führen heute Arbeitsbedingungen wie der Zeitdruck bei der Arbeitserledigung oder die ständige Erreichbarkeit per Handy zu unübersehba-ren Folgeerscheinungen wie Burnout oder psychischen Erkrankungen. Nicht selten wird in Kon-zernen den Betriebsräten oder Betriebsratsmitgliedern die Erledigung ihrer Aufgabe erschwert oder gar unmöglich gemacht. Mobbing oder Kündigung des Arbeitsverhältnisses sind Gründe die zu einer Auseinandersetzung vor Arbeitsgerichten führen. Hier kann Erwin Helmer erfreuli-cherweise ausschließlich von Erfolgen berichten, die zu Gunsten der Arbeitnehmer entschieden wurden, wenn derartige Methoden eskalieren. Ein wirksames Mittel bei Bekanntwerden derartiger Auswüchse am Arbeitsplatz ist die Solidarität des Konsumenten, der mit Kaufenthaltung den schwarzen Schafen empfindliche Einbußen beibringen kann. „Unsere Welt muss besser werden und dazu bedarf es einem ständigen Ringen um Solidarität. Gewerkschaften sind das Stärkste was die Schwachen haben“: ein klares Bekenntnis von Erwin Helmer zu den Gewerkschaften.

Die Veranstaltung wurde von den Landsberger Dachkammersängern musikalisch umrahmt. Die bekannte Melodie, „Es is net oans...“ wurde von Werner Gutmann, dem Anlass entsprechend neu getextet und für „Wer a Geld hot, für den gibt´s Unterhaltung gnua und wer koans hot, hört de Dachkammersänger zua“ wurden die Interpreten mit anhaltendem Sonderbeifall bedacht. Mit dem Schlussakkord, „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ in den alle Besucher einstimmten, konnte sich Kristine Dertinger über eine bestens gelaufene Veranstaltung freuen.
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