Riesen-Aufregung in Rethen: Das Hallenbad ist weg!

Bild 1: Wo gestern noch das Rethener Hallenbad stand ist jetzt Rollrasen ausgelegt | Foto: Ulfert Hinz, Langenhagen
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  • Bild 1: Wo gestern noch das Rethener Hallenbad stand ist jetzt Rollrasen ausgelegt
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Die Rethener wollten heute morgen ihren Augen nicht trauen: Ihr Hallenbad ist über Nacht spurlos verschwunden! Ratlos und verwundert rieben sie sich ihre noch verschlafenen Augen. Was sie dann sahen war nichts, absolut nichts! Ihr kleines aber feines Hallenbad ist wie vom Erdboden verschluckt. An der Stelle, wo das Hallenbad stand, ist jetzt Rollrasen ausgelegt.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die unglaubliche Nachricht bei den Rethenern und viele, einige sogar in Schlafanzügen, eilten sofort zum Ort des unbegreiflichen Geschehens. Völlig verstörte Rethener berichteten dem myheimat-Bürgerreporter, dass sie noch gestern im Hallenbad schwimmen waren und dass nichts, aber auch gar nichts, auf die nächtliche Tragödie hingewiesen habe.

Und sofort begann man zu fragen, wer denn von einer solch infamen Schandtat profitieren könne. Die Gerüchteküche begann zu brodeln und innerhalb kürzester Zeit machten verschiedene Mutmaßungen die Runde. Für die Mehrheit der Rethener war völlig klar, dass es sich nur um eine Geheimaktion aus Richtung Laatzen handeln könne. In diesem Zusammenhang wurde immer wieder auf den obersten Beamten der Stadt hingewiesen, dem man am ehesten zutraut, die anspruchsvolle Logistik dieses bestens organisierten Coups auf die Beine zu stellen. Er soll nicht nur über konspirative Fähigkeiten und über einen funktionierenden Laptop sondern auch über schier unerschöpfliche finanzielle Mittel verfügen. Und er hat auch ein mehr als evidentes Motiv: Möglichst schnell soll Gras beziehungsweise Rollrasen über das Hallenbad Rethen wachsen, damit seine Partei, die SPD, bei der Kommunalwahl 2011 in Rethen weniger desaströs abschneidet, als zur Zeit noch von allen Wahlforschungsinstituten prognostiziert.

Eine andere Rethener Mutmaßung geht davon aus, dass die Oppositionsparteien im Rethener Ortsrat, also die CDU und die FDP, hinter dem Coup stecken. Sie wollen, so wird kolportiert, bei der Kommunalwahl 2011 mit der ungeliebten Unterstützung durch die LINKEN die absolute Mehrheit der SPD in Rethen brechen. Und dann, so ihr Kalkül, kann das Hallenbad aus seinem jetzigen Versteck heraus geholt werden und unter den Klängen von „We are the Champions“ und unter dem unbeschreiblichen Jubel aller Rethener an alter Stelle für immer verankert werden.

Erste Stellungnahmen unserer fähigsten Politiker liegen bereits vor: Bürgermeister Thomas Prinz, den der myheimat-Bürgerreporter zwischen den Eröffnungsfeiern für zwei neue Millionenprojekte kurz interviewen konnte, sagte uns mit stockender Stimme: „Es ist eine infame Schandtat, den Rethenern ihr Hallenbad zu rauben. Und es ist eine Tragödie für uns alle! Wer ist nur zu solch niederträchtigem Frevel fähig? Vor Allem gilt unser gemeinsames Mitgefühl den Rethener Kindern, den Senioren und den Behinderten, die nun nicht mehr schwimmen können. Aber unsere ganz besondere Aufmerksamkeit richten wir auf die sozial Schwachen und auf die kinderreichen Familien, die nun leider ganz dem Schwimmen entsagen müssen, denn wir haben das AquaLaatzium ja sehr bewusst nur für Besserverdienende ausgelegt. Aber auch für dieses Problem zeichnet sich bereits eine Lösung ab: Sobald das Familienzentrum Rethen seinen Betrieb aufgenommen hat, können wir diese Bevölkerungsgruppen hier psychologisch betreuen. Somit schlagen wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn lange Zeit wussten wir nicht, wie wir das lediglich 5 Millionen EUR teure Familienzentrum in Rethen auslasten können“. Helga Büschking, Ortsbürgermeisterin von Rethen, nickt zustimmend und fügt dann bescheiden hinzu: „Ich bin wie immer und ohne jede Einschränkung der Meinung unseres Bürgermeisters. Trotzdem will ich seine einfühlsamen Ausführungen insofern ergänzen, als ich die strenge Bestrafung der dreisten Räuber fordere, selbstverständlich auf der Grundlage des geltenden Wahlgesetzes“. Die Tränen in den verweinten Augen der Ortsbürgermeisterin waren nicht zu übersehen.

Dies ist ein erster Bericht aus dem völlig unter Schock stehendem Rethen. Alle Bürger werden gebeten, sich an die nächste Polizeidienststelle zu wenden, wenn sie sachdienliche Angaben zum Verbleib des Rethener Hallenbades machen können. Über die weiteren Entwicklungen in Rethen werden Sie Ihre myheimat-Bürgerreporter auf dem Laufenden halten.

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Nachwort:

Für alle, die es nicht erkannt haben oder die es nicht erkennen wollen: Mein Beitrag „Riesen-Aufregung in Rethen: Das Hallenbad ist weg“ ist eine kommunalpolitische Satire. Insofern entsprechen die genannten Mutmaßungen, Unterstellungen und Äußerungen, die ich einzelnen Personen zugeordnet habe, nicht der Realität. Es ist nicht meine Absicht, die persönliche Integrität der erwähnten Personen in Zweifel zu ziehen. Allerdings ist es durchaus meine Absicht, eklatante Fehlentwicklungen in der Laatzener Kommunalpolitik deutlich und öffentlich zu machen.

Zum Charakter der Satire sagt Carl von Ossietzky, der von den Nazis 1938 im KZ ermordete Nobelpreisträger: „Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den. ……. Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an. …………. Übertreibt die Satire? Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten. ……. Was darf die Satire? Alles.“

Klaus Hoffmeister

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Bürgerreporter:in:

Klaus Hoffmeister aus Laatzen

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