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Kirchhain - 111 Jahre Kreisstadt

Das heutige Amtsgericht in der Niederrheinischen Straße 32 in Kirchhain wurde zwischen 1885 und 1890 erbaut.
  Kirchhain: Landratsamt | Auf meinem Weg zur Arbeit fahre ich täglich mehrmals am Kirchhainer Amtsgericht vorbei. Dieses Gebäude steht an der Einmündung der B 62 (aus Richtung Alsfeld) auf die K 14 (Niederrheinische Straße in Richtung Stadtallendorf) und allein die imposante Fassade ist schon einen Blick wert.

Das Gebäude wurde zwischen 1885 und 1890 erbaut und war ursprünglich nicht als Sitz der Justizverwaltung vorgesehen sondern als
KIRCHHAINER K R E I S H A U S !
Aus dem Buch über Kulturdenkmäler des Landkreises Marburg-Biedenkopf erfahren wir über das Gebäude selbst folgendes: "Nordöstlich der historischen Altstadt angesiedeltes Verwaltungsgebäude... Der schiefergedeckte und mit einem Walmdach versehene Bau ist handwerklich aufwendig in polychromem Mauerwerk mit horizontaler Gliederung errichtet. Die südliche Fassade durch Risalit mit Blendgiebel und Balkon zur Stadt ausgerichtet. Teile des alten Sitzungssaals in originaler farbiger Ausstattung erhalten. Die Nebengebäude sind als symmetrisch gegliederte Anlage in ebenfalls hoher handwerklicher Qualität ausgeführt."

Im Jahre 1821 wurden in Kurhessen Ämter und Gerichte zu Kreisen zusammengelegt. Aus dem Buch "Himmelsberg - Der Werdegang eines oberhessischen Dorfes" erfahren wir über die Bildung des neuen Kreises Kirchhain von Herrn Dr. Alfred Schneider, Amöneburg, folgendes:
"Durch Verordnung vom 29. Juni 1821 wurde das Territorium in die 4 Provinzen Niederhessen, Oberhessen, Fulda und Hanau unterteilt, die jeweils wieder in einzelne Kreise zerfielen. Oberhessen sollte in 4 Kreise eingeteilt werden.

Am 30. August 1821 wurde die neue Kreiseinteilung bekanntgegeben. Danach bestand die Provinz Oberhessen aus den Kreisen Marburg, Kirchhain, Frankenberg und Ziegenhain. Der neugeschaffene Kreis Kirchhain setzte sich aus folgenden Gebietsteilen zusammen:
1. aus den Ämtern Kirchhain und Amöneburg
2. aus dem Amte Rauschenberg
3. aus dem bisherigen Amt Neustadt.

Das neue Kreisgebiet bestand aus den Städten Kirchhain, Amöneburg, Neustadt, Rauschenberg und Schweinsberg und weiteren 37 Landgemeinden und besaß eine Einwohnerzahl von 22.094. Dazu gehörten bis zum Jahre 1866 auch die vier Dörfer des Katzenberges (Ruhlkirchen, Seibelsdorf, Vockenrod und Ohmes), die danach dem Kreis Alsfeld zugeschlagen wurden, während das Dorf Schröck mit dem Jahre 1886 an den Kreis Marburg fiel."

Sitz des Kreisrats und damit Kreishauptstadt wurde Kirchhain.

Am 01. Oktober 2012 sind nun 80 Jahre vergangen, dass "...die Landkreise Marburg und Kirchhain zu einem neuen Landkreise 'Marburg' mit dem Kreissitz in Marburg zusammengeschlossen" wurden. Am 01. Oktober 1932 zogen die 21 Bediensteten des Kreises Kirchhain nach Marburg um. Nach der Auflösung des Landkreises Kirchhain zog 1932 das Amtsgericht von der Borngasse 33 um in dieses stattliche Haus in der Niederrheinischen Straße 32.

Aus dem Bericht von Herrn K. Huth erfahren wir auch die Namen der Landräte des Kreises Kirchhain:
Karl Friedrich Giesler (1823-1825)
August Ferdinand Fenner v. Fenneberg (1826)
Elard Biskamp (1827-1831)
Friedrich Cranz (1833-1840)
Georg Hermann Pfaff (1842-1843)
Karl Hartert (1844-1845)
Ludwig Hünersdorf (1846-1852)
Adam Heinrich Wilhelm Uloth (1854-1856)
Karl Wilhelm Rohde (1856-1883)
Friedrich Wilhelm Rabe (1883-1886)
Georg von Schwertzell (1886)
Lewald (1886)
Rudolf Schenck zu Schweinsberg (1886-1911)
Adolf von und zu Gilsa (1911-1928)
Theodor Beaucamp (1928-1932)

Heute sind nur noch wenige Zeugnisse des ehemaligen Kreises Kirchhain zu finden. In den Dörfern Anzefahr, Schönbach, Roßdorf und Speckswinkel sind noch Metalltafeln vorhanden, auf denen unter dem Ortsnamen auch der Vermerk "Kreis Kirchhain" zu lesen ist.

Nachtrag zu Landrat Adolf von und zu Gilsa: "Von Gilsa wurde am 28.11.1876 in Höxter an der Weser geboren. ...Nach dem Jura-Studium wurde von Gilsa Landrat des Kreises Kirchhain. Im Ersten Weltkrieg war er an der Westfront, zuletzt als Bataillons-Kommandeur. Er wurde mehrfach schwer verwundet. Im Jahre 1929 wurde er als Oberregierungsrat zur Regierung in Hannover und 1933 als Landrat nach Schlüchtern versetzt. Die Verwaltung des Landratsamtes in Gelnhausen wurde ihm vertretungsweise vom 08.04.1940 - 1942 übertragen.
Bei einem Tiefflieger-Angriff erlitt von Gilsa eine Verletzung, so dass er zunächst im Krankenhaus Schlüchtern behandelt werden musste. Nach seiner Verlegung in das Krankenhaus von Idar-Oberstein verstarb er hier am 07.06.1945." Diese Angaben entstammen dem "Heimat-Jahrbuch des Kreises Gelnhausen" aus dem Jahre 1971.
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Gisela Diehl aus Alzey | 24.12.2011 | 01:11  
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