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"Ein besonderer Familiengedenktag !"

Kopie der Urkunde vom 06. November 1443
 
Zeitungsbericht über Karl Nahrgang
 
Nahrgang Haus in Schröck
Amöneburg: Schenckenhof | -Der Familienname "Nahrgang" feiert in diesem Jahr den 566. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung.-

In jeder Familie gibt es ganz eigene Gedenktage, seien es Geburtstags-, Hochzeits- oder Todestage eines Ahnen. Seit einigen Jahren gehört für mich in unserer Familie der 06. November zu den familieneigenen Gedenktagen.

Auf meinem Schreibtisch liegt vor mir die Kopie einer Urkunde, datiert auf den 06. November 1443. Den Originaltext kann ich zwar nicht lesen aber auf einem Begleitzettel ist die Übersetzung:
"Henne Schenk v. Schweinsberg u. Grete s. ehel. Hussfrauwe bekennen, dass sie ihrem Bruder u. Schwager, Herrn Ludwig Schenken, DO-Bruders zu Marburg, für dessen Lebetage (und nicht länger) ihren großin hoibe zcu Ruddenkeym, den itzund buwelich besitzit und von uns zcu lantsideln rechter Inhand Henne Nargang ...
Ludwig darf den Hof als Leibzucht bis an sein Ende besitzen.
Datum 1443, quinta feria post festum omnium sanctorum
1443, Nov. 6 (StAM, UA DO 1443, Nov. 6)"

Nach dieser Urkunde kann der Familienname Nahrgang also in diesem Jahr seinen 566. Geburtstag feiern.

Rüdigheim gehörte zu jener Zeit neben Mardorf, Rossdorf, Schröck, Bauerbach, Ginseldorf, Anzefahr, Himmelsberg, Sindersfeld, Stausebach, Niederklein und Erfurtshausen zum Amt Amöneburg. Dieses war Teil des territorialen Besitzes von Kurmainz und gliederte sich in die beiden Ämter Amöneburg und Neustadt. Das Amt Neustadt umfasste die Orte Allendorf, Emsdorf, Momberg, Ruhlkirchen, Vockenrod, Ohmes und Seibelsdorf.

Einen direkten Bezug von dieser Urkunde auf meine Familie konnte ich zwar nicht feststellen, aber es ist der besondere Fund meiner vor mehr als 20 Jahren gestarteten Ahnenforschung. Begonnen habe ich Ende 1986 mit der Spurensuche nach meinen Ahnen. Der 1988 bevorstehende 60. Geburtstag meines Vaters und die nicht vorhandenen Unterlagen waren für mich der Anreiz, mich auf die Suche zu begeben. Aus dem Stammbuch meiner Urgroßeltern sah ich, dass Niederklein der Geburtsort meines Urgroßvaters war. In Niederklein war nun das katholische Pfarramt meine nächste Anlaufstelle. Von dort erhielt ich weitere Informationen und vor allem den Namen eines Mannes aus Niederklein. Er war für mich wirklich sehr hilfreich, da ich von ihm nicht nur Namen und Daten meiner Vorfahren erhielt, sondern auch viele Hintergrundinformationen.
Bei meinen weiteren Nachforschungen bin ich auf den Namen "Karl Nahrgang" gestoßen. Hierdurch öffnete sich für mich Ungeahntes und kaum Erwartetes. Herr Karl Nahrgang, geb. am 09.04.1899 in Frankfurt, war Heimatforscher in Stadt und Kreis Offenbach, führte Ausgrabungen durch, errichtete in Dreieichenhain und Rüsselsheim Heimatmuseen und veröffentlichte auch Bücher, u.a. "Die Frankfurter Altstadt" (1949). Er verstarb jedoch bereits am 23.03.1967 in Eppstein. In Würdigung seiner Arbeit erinnern heute noch Straßen und die Karl-Nahrgang-Schule in Dreieich an ihn.

Für mich hatte ein von Karl Nahrgang erstelltes DIN A 5 Heftchen von 48 Seiten die größte Bedeutung. Hierin beschreibt er "Amöneburg und Umgebung" und "Allendorf im Bärenschießen". In Bezug auf die Familiengeschichte beinhaltet das Heftchen folgendes: "Erstes Auftauchen des Namens Nahrgang", "Schreibweise und Deutung des Namens" und die Familienlinien aus Rossdorf, Langenstein, Erksdorf, Allendorf, Frankfurt-Mainz, Katzenberg (Ohmes, Ruhlkirchen, Vockenrod und Seibelsdorf) und Niederklein.
Nachdem ich das Heftchen durchgearbeitet hatte, stellte ich fest, dass Karl Nahrgang noch weitere Unterlagen über die Familie gesammelt hatte. In der Familiengeschichtlichen Vereinigung in Darmstadt und in der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte in Friedrichsdorf befinden sich auch noch Aufzeichnungen von Herrn Karl Nahrgang über die Kurpfälzisch-Galizische Linie, Bergische und Rheinisch-Westfälische Linie und Ungarische Linie sowie Unterlagen über die Familien in den Gemeinden Bauerbach, Schröck, Sindersfeld, Momberg und Rabenau.

Vor Beginn des 19. Jahrhunderts wird der Nachname wohl meistens ohne Dehnungs-h in den unterschiedlichsten Variationen geschrieben: Nargang, Narganck, Nahergang, Norgang, Nargangk. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Schreibweise allgemein "Nahrgang". Heute finden wir nur wenige Namensträger ohne das Dehnungs-h. Diese kamen nach dem 2. Weltkrieg aus den ehemaligen Ostgebieten in den Westen. Die Deutung des Namens konnte Karl Nahrgang nicht abschließend klären. Im Jahre 2008 hatte ich die Möglichkeit, durch den Hessischen Rundfunk die Deutung meines Nachnamens von einem Experten klären zu lassen. Der Namensforscher Herr Professor Jürgen Udolph erklärte meinen Nachnamen wie folgt:
"Nahrgang mit h gibt es auf der Telefon CD 212 mal und wir haben eine Häufung in Hessen. Der erste Teil des Namens "nahr" führt zu sehr alten Wörtern in unserer Sprache, die teilweise schon ausgestorben, in manchen Familiennamen aber noch erhalten sind. Es handelt sich hierbei um das Wort das wir aus "ernähren" kennen, also im althochdeutschen ist "nahra" die Errettung. Wenn ich jemanden ernähre, so rette ich ihn und halte ihn am Leben. Der zweite Namensteil "gang" ist nicht die Gasse sondern ein Element wie bei Wolfgang. Im allgemeinen bedeutet es nicht Gasse sondern "Kriegszug". Nahr = Errettung oder Erhaltung -
gang = auf den Kriegszug gehen."
Soweit die Erklärung von Professor Udolph.

Für mich persönlich schließt sich durch meine Heirat nach Anzefahr auf besondere Art der Familienkreis. Der älteste Bruder meines Urururgroßvaters hatte 1837 nach Anzefahr geheiratet und arbeitete als Zimmermann. Sein Enkel, Peter, starb 1918 bei einem Unfall in Siegen. Aus der Schulchronik von Anzefahr erfahre ich, dass ein Onkel meines Vaters vor dem 2. Weltkrieg hier als Knecht arbeitete und dann auch von hier in den Krieg zog. Leider teilte er das Schicksal vieler und kehrte nicht mehr zurück.

Es blieb für mich nicht bei der Erforschung einer Ahnenseite, nein auch über die Vorfahren meiner Mutter (hier auch Vater und Mutter) begann ich Unterlagen zu sammeln. So sind nun einige Ordner gefüllt und die Namen und Daten ergeben eine stattliche Ahnentafel. Die Ahnentafel beginnt mit dem Jahre 1625, und 144 Personen wurden hier mit den zugehörigen Daten eingetragen. Ich habe zwar viele Unterlagen gefunden, jedoch blieb eine Hoffnung bisher unerfüllt, und zwar nach Fotos meiner Urgroßeltern (Nahrgang) und anderer Familienmitglieder.

Ahnenforschung ist ein spannendes Hobby, das einen nie mehr loslässt und bei dem man öfters Hinweisen nachgeht, die nicht zum gewünschten Ziel führen. Spannend ist es aber allemal.
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6 Kommentare
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OP FanSofa aus Marburg | 05.11.2009 | 22:20  
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Hans-Christoph Nahrgang aus Kirchhain | 05.11.2009 | 23:44  
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Axel Haack aus Freilassing | 06.11.2009 | 08:36  
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Maria Beyer aus Harburg | 06.11.2009 | 10:48  
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Maria Beyer aus Harburg | 06.11.2009 | 10:48  
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 21.11.2009 | 14:20  
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