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Spaziergänge in der Leineaue: Sind Werkzeuge aus der Leineaue über 400.000 Jahren alt?

Werkzeuge des Heidelbergmenschen? Diese Steine wurden in der Südlichen Leineaue gefunden.
Hemmingen: Wilkenburg | Das Naherholungsgebiet Südliche Leineaue erstreckt sich von der Haustür in Döhren oder Wülfel bis hin zum Schulenburger Berg mit dem Schloss Marienburg als krönenden Abschluss. Die Leinemasch bietet sich dabei nicht nur als eine wunderschöne Landschaft für Ausflüge ins Grüne an; sie steckt auch voller Geschichte. In den vergangenen 20 Jahren habe ich in loser Folge interessante historische Details und Ausflugsziele im MASCHSEEBOTEN – das ist eine Stadtteil-Zeitung in Döhren und Wülfel - vorgestellt. Die Hefte mit den einzelnen „Spaziergängen in die Leineaue“ sind längst vergriffen. Daher sollen nach und nach die einzelnen Beiträge nun bei myheimat einen weiteren Leserkreis bekannt gemacht werden. Vielleicht findet sich sogar ein Verleger, der die gesammelten Beiträge einmal als Heftchen veröffentlicht.

Heute: Archäologische Funde aus Wilkenburg

Auf den ersten Blick sehen die Steine aus einer Kiesgrube zwischen Hannover-Wülfel und Wilkenburg wie gewöhnliche Steine aus. Doch dann entdeckt ein geübtes Auge an ihnen Spuren menschlicher Bearbeitung. Schlagmarken und Retuschen weisen sie als urtümliche Steingeräte aus. Werkzeuge des „homo heidelbergensis bzw. homo erectus“, des Heidelbergmenschen?

Die ältesten bislang in Niedersachsen sicher nachgewiesenen Kulturreste stammen aus der Zeit vor etwa 200.000 Jahren. Es könnte nun sein, dass die unscheinbaren Steine die anderen bekannten Funde in den Schatten stellen. Es handelt sich dabei um Schaber und primitive Geröllgeräte. Obwohl bei einigen die Bearbeitung durch Menschen noch unsicher erscheint, ist es in der Mehrzahl der Fälle nicht mehr fraglich, dass sie von Menschenhand hergestellt wurden.

Durch die Fundumstände bedingt, ist es nicht möglich, die Steinwerkzeuge genau zu datieren. Sie lassen sich aber mit anderen Artefakten vergleichen, deren zeitliche Zuordnung bereits bekannt ist. Und so zeigen sich Ähnlichkeiten mit Geräte der Heidelberger Kultur. Der Heidelbergmensch lebte vor etwa 300.000 bis 400.000 Jahren und zählt zu den Vorläufern der heutigen menschlichen Rasse.

Bei den Werkzeugen aus der Leineaue fällt auf, dass Feuerstein gering vertreten ist. Geräte aus Rotsandstein, Tertiärquarzit und Kieselgestein überwiegen. Offenbar kannte der frühe Mensch den Feuerstein kaum als Material für seine Werkzeuge. Auch das ist eine Parallele zu Mauer, einem anderen Fundort der Heidelberger Kultur. Ausführlich sind die Fundstücke aus der Leineaue im Aufsatz von Hans-Joachim Haecker in den Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Band 44, beschrieben.


Anm.: Die weitere Diskussion habe ich nicht mehr verfolgt. Ob es bei der Einschätzung geblieben ist, die Vermutung widerlegt oder nun endgültig bewiesen wurde, kann ich daher nicht sagen.
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