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Sagen aus Hannovers Norden: Mord am Gruselloch

Der Hundestein im Georgengarten
 
Der Sage nach war ein angeschwemmtes Marienbild der Ursprung des Klosters Marienwerder.
Hannover: Marienwerder / Nordstadt | „Das Gruselloch“ wurde einst eine Erdkuhle im Klosterpark von Marienwerder im Volksmund genannt. Eine böse Geschichte soll sich hier zugetragen haben. In dieser Gegend trieb danach einst ein Räuber sein Unwesen. Er überfiel eines Tages einen Leinenweber. Der Übeltäter stieß den armen Mann in das Erdloch, schoss mit seiner Pistole hinterher und raubte die Stoffe des Webers. Mit letzter Kraft verfluchte das Opfer noch den Mörder. Der Fluch verfehlte seine Wirkung nicht. Dem Übeltäter plagte sein Gewissen, und eines Tages erhängte er sich an einer knorrigen Eiche neben dem Tatort.

Die Geschichte vom Gruselloch gehört zu einer Reihe von Legenden, die sich unsere Vorfahren früher am Herdfeuer erzählten. Auch um das Kloster Marienwerder selbst ranken sich alte Sagen. Der Ursprung der frommen Anlage soll auf den Fund eines armen Fischers zurückgehen. Dieser Mann entdeckte auf einer Insel in der Leine ein angeschwemmtes Marienbild. Als sein Graf davon hörte, stiftete der Adelige an dieser Stelle ein Kloster, das er „Garten der Maria“ nannte. Die Sage berichtet weiter, der Graf habe, um das Kloster zugänglich zu machen, mit hohen Kosten einen der Leinearme abgraben lassen. Historisch verbürgt ist aber nur, dass das Augustinerkloster 1196 von Konrad von Roden gestiftet und 1200 geweiht wurde. Erst lebten dort Mönche, ab 1216 zogen dann Nonnen dort ein.

Eine andere Legende erzählt, wie das Kloster zu seinen reichlichen Gütern kam. Noch ehe der Bau selbst vollendet war, tötete ein gewisser Hermann von Knigge einen anderen Mann, wie es heißt, „aus angesehener Familie.“ Wahrscheinlich handelte es sich um ein Duell. Jedenfalls musste nach dieser Geschichte besagter Hermann von Knigge zur Sühne dem Kloster Marienwerder einen beträchtlichen Besitz übertragen.

Auch in Hainholz spielte ein Marienbildnis eine besondere Rolle.In der Ende des 14. Jahrhunderts als „Capella Beatae Virginis tom Hainholte“ erstmals erwähnten Marienkirche befand sich eine Madonnenfigur. Diese Figur galt als wundertätig und lockte viele Gläubige zu Wallfahrten in das Gotteshaus.

Jünger ist die Legenden von den zwölf Meter hohen Obelisken im Georgengarten. Der Stein nahe dem heutigen Wilhelm-Busch-Museum trägt keine Inschrift. Zwar ließ der Reichsgraf von Wallmoden-Gimborn den Obelisken erst 1769 in seinem Park aufstellen, doch das hinderte die Hannoveraner nicht daran, eine hübsche Geschichte dazu zu erfinden. Die Prinzessin Sophie Charlotte soll einmal als Kind beim Spielen mit ihrem Windhund ins Wasser gefallen und beinahe ertrunken sein. Ihr Hund sprang jedoch hinterher, packte das Kind und zog sie an eine flache Uferstelle. Zur Erinnerung an ihren Retter habe dann der Kurfürst Ernst August den „Hundestein“ aufrichten lassen.

Eine andere Sage, die in ähnlicher Form auch in anderen Städten mit Pferdestandbildern anzutreffen ist, rankt sich um das Niedersachsenroß vor dem Welfenschloss (heute Leibniz-Universität). Die Hannoveraner erzählen, das Pferd habe keine Zunge. Als der Bildhauer seinen Fehler bemerkte, soll er verzweifelt Selbstmord begangen haben. Doch der Künstler – der Bildhauer Albert Wolff erschuf das Standbild – starb 1892 eines natürlichen Todes. Übrigens hat seine Pferdeskulptur durchaus eine Zunge. Die ist nur von unten nicht zu sehen.

Eine weitere Legende ist mit der berühmten Herrenhäuser Allee verbunden. Während der Zeit der der französischen Besatzung unter Napoleon planten die neuen Herrscher, die herrlichen Bäume abholzen zu lassen und zu verkaufen. Doch der Bäckermeister Johann Gerhard Helmcke erwarb sämtliche Bäume und rettete dadurch die Allee. Für jede der 1336 Linden soll Helmcke einen Taler gezahlt haben, nach einer anderen Überlieferung kostete die Rettungsaktion nur 3000 Taler.

Doch nicht nur von bösen Räubern, mutigen Hunden und Baumrettern ist in alten Geschichten und Märchen die Rede. So berichteten einst die Fischer von einer seltsamen Erscheinung in der Leine im Nordwesten der heutigen Stadt Hannover. In der Nacht tauchte hier ein Mädchen mit langen fließenden Haaren aus den Fluten hervor und soll einige traurige Lieder gesungen haben. Die junge Dame muss der Sage nach zu urteilen schon sehr lange im Fluss ausharren. Denn es soll sich um ein schönes Schäfermädchen handeln, das einst auf den Wiesen vor der Stadt – etwa da, wo sich heute die Calenberger Neustadt befindet – ein Rendezvous mit einem reichen jungen Herrn hatte.

Das Mädchen war sehr schön, sang süße Lieder und so verliebte sich der junge Mann in sie. Er versprach ihr die Ehe, obwohl sein Vater für ihn bereits eine andere reiche Frau ausgesucht hatte. Als der junge Mann dann doch die reiche Frau ehelichte, stürzte sich die Schäferin in die Leine. Hier wartet sie seither und soll nicht eher Ruhe finden, bis sich ein Jüngling aus Mitleid zu ihr ins Wasser stürzt.



Mehr lesen? Hier die Links zu weiteren Sagen aus Hannover:

Hier geht es zu den Sagen aus den Süden von Hannover

Hier geht es zu den Sagen aus dem Westen von Hannover

Hier geht es zu den Sagen aus dem Osten von Hannover
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