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Geschichtliches aus der Südstadt: Vor 2700 Jahren gab es den ersten Friedhof auf der Engesohde

Urne vom Engesohder Berg (mit besten Dank an das Nds. Landesmuseum Hannover, welches mir vor über 30 Jahren einmal ermöglichte, einige der Schätze aus dem urgeschichtlichen Magazin zu fotografieren).
Hannover: Südstadt | In der Südstadt tummelten sich im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Stadtteil-Zeitungen. Titel kamen, Titel gingen. Eine dieser durch Werbung finanzierten Anzeigenblätter war der Maschseekurier, der ab 1981 bis 1984 erschien. Damals schrieb ich für diese Zeitung Beiträge aus der Geschichte der Südstadt. Die Hefte sind lange vergriffen. Daher möchte ich an dieser Stelle in loser Folge einige der alten Stories vorstellen. Denn Heimatgeschichte ist immer interessant und nie von gestern.

Heute: Vor 2700 Jahren gab es den ersten Friedhof auf der Engesohde

Lange bevor der heutige Engesohder Friedhof entstand, hatten sich schon unsere Vorfahren diesen Ort als Begräbnisstätte ausgesucht. Das war vor etwa 2700 Jahren, im Übergang von der jüngeren Bronzezeit zur frühen Eisenzeit. Damals nahm eine tiefgreifen kulturelle Umwälzung im Westbalkon ihren Anfang und erreichte auch Norddeutschland. Die Menschen bestatteten ihre Toten nicht mehr unter Grabhügeln, sondern verbrannten die Leichen auf Scheiterhaufen. Die Asche der Toten begruben sie dann in Urnen. Diese Grabsitte sollte sich dann viele Jahrhunderte lang bis zur Einführung des Christentums halten. Erst dann gingen die Menschen wieder zu Körpergräbern über.

Bei der Anlage des heutigen Engesohder Friedhofes im Jahr 1864 stießen die Arbeiter in einem Meter Tiefe auf etwa 60 uralte Urnen aus der frühen Eisenzeit. Zum Teil waren sie mit Grabbeigaben für das Leben im Jenseits ausgestattet. Heute lagern diese Urnen im Magazin des niedersächsischen Landesmuseums Hannover.

Es waren nicht die ersten Funde aus längst vergangenen Tagen, die in diesem Gebiet gemacht wurden. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts kamen bei Straßenbauarbeiten am Döhrener Turm urgeschichtliche Urnen ans Tageslicht. Interessant ist, dass das Gelände hier seit alters her „Todtenkamp“ hieß. Das zeigt, wie lange sich die Erinnerung an diese alte Grabstätte gehalten hat. Schließlich wurde ganz in der Nähe 1877 beim Bau von Waldhausen ein weiteres Urnenfeld entdeckt.
Auch noch in moderner Zeit wurden hier ab und zu weitere Funde gemacht. Bei der Anlage eines Kabelschachtes zwischen dem Engesohder Friedhof und der Gilde Brauerei stießen Bauarbeiter 1968 östlich der (damaligen) Alten Döhrener Straße auf Brandgräber unter einer 30 Zentimeter dicken Humusschicht. Die Archäologen mussten in einer Rettungsgrabung drei Urnenbestattungen bergen. Grab 1 enthielt nur eine stark zerstörte Urne, Grab 2 jedoch neben einer Urne ein Beigefäß mit Henkel und eine Deckschale. Die Deckschale, das sagt ihr Name schon, deckte die Urne ab und sollte verhindern, dass Erde in die Urne gelangte. Im Grab 3 fanden sich neben der Urne die Bruchstücke von gar zwei Deckschalen. Alle drei Urnen enthielten noch Leichenbrand. Beigaben wurden nicht entdeckt. Unterschiede in den Gefäßformen bestanden nicht. Alle drei Gräber werden in die späte Bronzezeit datiert.
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2 Kommentare
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Manfred Beichl aus Villingen-Schwenningen | 02.09.2012 | 12:37  
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Jens Schade aus Hannover-Döhren-Wülfel-Mittelfeld | 02.09.2012 | 16:05  
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