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Mühlen im Osten von Hannover: Eine Luftmine zerstörte die Lister Mühle

Die Anderter Windmühle
 
Die Buchholzer Mühle im Schnee
Hannover: Anderten / Buchholz | Mühlenromantik pur: Am Mittellandkanal in Hannover-Buchholz und am Kronsberg in Anderten strecken noch heute Mühlen ihre Flügel in den Wind. Getreide wird in ihnen freilich schon lange nicht mehr gemahlen. Die beiden hübschen Fotomotive sind der Rest einer ganzen Reihe von Mühlen, die einst im Osten Hannovers klapperten und für das tägliche Brot sorgten.

Die Buchholzer Mühle wurde erst 1868 erbaut. Sehr viel länger drehten sich dagegen Windmühlenflügel im Nachbarort Bothfeld. Am Heidkampe an der alten Poststraße nach Celle stand einst eine hölzerne Bockwindmühle. 1612 wird diese Landmarke zum ersten Mal im Erbregister des Amtes Langenhagen erwähnt. Sie hatte viel Unbill zu überstehen. 1757 brennen französische Soldaten das Bauwerk während des Siebenjährigen Krieges nieder. Doch die Mühle muss bald wieder aufgebaut worden sein. Bereits 1760 wird ein Cord Wulfes als Bothfelder Müller genannt. 1776 findet sich ein „Bockmüller“ in den Urkunden. Vor etwa 150 Jahren kam dann das „Aus“. Die Mühle wurde abgebrochen. Wie es heißt, wurden Teile der ausgedienten Anlage in die neue Buchholzer Mühle eingebaut.

Nicht weit vom Buchholzer Schmuckstück an der Pasteurallee rotierten in der Vergangenheit ebenfalls vom Wind bewegte Mahlsteine. Am Groß-Buchholzer Kirchweg stand eine zweite Windmühle“, wusste der frühere Stadtarchivar und Heimatforscher Helmut Zimmermann zu berichten. Die Windmühle gehörte einer gewissen Familie Volker. Ebenso wie ihre Schwester am Kanal war sie nach holländischer Art erbaut. Nur die Kappe mit den Flügeln ließ sich auf dem steinernen Rumpf drehen. Etwa um 1930 riss der Eigentümer dieses Windkraftwerk ab.

Ein Ende ganz anderer Art fand die Liste Windmühle. Der Zweite Weltkrieg verschonte die List nicht, eine Luftmine sprengte 1943 das historische Bauwerk. Lediglich ein paar vergilbte Fotos blieben übrig. Die Aufnahmen zeigen eine hölzerne Bockwindmühle, ähnlich dem Kleefelder Wahrzeichen im Hermann-Löns-Park. Bis zum Januar 1906 wurde hier nordwestlich des Dorfes List das Getreide zerkleinert, dann gab der Müllermeister sein Handwerk auf. Nach einer Inschrift im Gebälk soll die Mühle 1804 von dem Lister Hofbesitzer Anton Heinrich Kollenrodt erbaut worden sein. „Doch muss vorher eine ältere (Mühle) dagewesen sein“, schrieb der Mühlenforscher Heinrich Kleeberg in seiner Niedersächsischen Mühlengeschichte. Denn anno1785 ist auf einer Landkarte bereits ein „Mühlenfeld“ verzeichnet.

Eine lange Mühlentradition kann auch Anderten aufweisen. Die heutige 1854 erbaute Holländerwindmühle am Kronsberghang ist der Schlusspunkt einer langen Entwicklung. Angefangen hat es wohl mit einer Wassermühle am Landwehrgraben. Das vermutete jedenfalls der Heimatforscher Helmut Zimmermann. Der Flurname „Mühlenwiese“ soll auf das schon 1291 erwähnte „Molendinum“ hinweisen. Irgendwann ein paar Jahrhunderte später zimmerten die Anderter dann am Kronsberg eine hölzerne Bockwindmühle. 1657 taucht das Windkraftwerk in alten Urkunden auf. 200 Jahre später ist die Mühle alt und baufällig. Der Müller Friedrich Meyer lässt daraufhin das klapprige Bauwerk abbrechen und die heute unter Denkmalschutz stehende steinerne Mühle erbauen.

Historisch interessierte Juristen dürften ihre Freude an der Geschichte der Misburger Mühle haben, Zehn Jahre lang wurde vor Gerichten und Ämtern gerungen. Viele Taler kostete den Misburgern der Rechtsstreit um ihre Mühle. Erst 1823 endete der Prozess mit einem Vergleich. Begonnen hatte alles schon 1812. Damals bekam ein gewisser Hauptmann Cropp die Baugenehmigung für eine Windmühle. 1813 wuchs dann eine Bockwindmühle am Südende der heutigen Milanstraße empor. Für die Misburger ein Grund zur Freude. Denn bis dahin mussten sie ihr Korn auf den weiten und beschwerlichen Weg zur Bothfelder Mühle bringen. Doch was dem einen seine Nachtigall, ist dem anderen seine Eule.
Der Bothfelder Müller sah in der neuen Mühle eine unliebsame Konkurrenz und rief die Obrigkeit zur Hilfe. Obwohl der Streit dann schließlich gütlich beigelegt wurde, drehte die Misburger Mühle ihre Flügel nicht lange im Wind. Schon zwischen 1875 und 1880 war das Müllerhandwerk in Misburg kein einträgliches Geschäft mehr. Die Mühle wurde nach Völksen verkauft, wo sie 1962 dann Neubauten weichen musste.

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2 Kommentare
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Hans-Joachim bartz aus Hattingen | 27.03.2019 | 03:39  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 27.03.2019 | 07:21  
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