Gemeinsam gegen Grausamkeit – V-Partei und Tierschutzpartei protestieren gegen Fuchsjagd in Alzenau

Alzenau im Spessart, auf dem Hahnenkamm, kurz vor zehn Uhr morgens. Noch ist es ruhig. Und kalt, verdammt kalt.
Aber wir sind nicht zum Spaß hier, sondern um eine blutige Praxis anzuprangern, die bis dato in Deutschland nicht nur geduldet, sondern sogar anerkannt ist. Töten als Hobby, da sieht man in Deutschland kein Problem.
Wir schon. Deswegen sind wir hier, V-Partei Mitglieder aus Hessen und Bayern, mit kalten Händen und Füßen, aber - wie meine Mitstreiterin Alexandra treffend sagt - „wir kochen innerlich, das hält uns warm“. Denn Töten ist kein Hobby- Tiere in Totschlagfallen zu zerquetschen, ihre Knochen zu brechen, abgerichtete Hunde auf sie zu hetzen und sogar spezielle Fallen für ihre Jungtiere zu konzipieren- das ist kein Hobby, kein Sport und vor allem eines nicht- sinnvoll.
Die Jäger beschwören ein Szenario, in dem sich ohne ihr regulierendes Eingreifen Füchse unkontrolliert vermehren und Tollwut und Fuchsbandwurm verbreiten würden. Was sich in Deutschland tatsächlich unkontrolliert vermehrt, sind die Hobbyjäger- mittlerweile an die 380.000, die ungestört ihrer „ehrbaren“ Tradition nachgehen, jährlich etwa 500.000 Füchse auf grausamste Art und Weise zu töten. Zahlreiche Studien und die Lage in Ländern wie Luxemburg, wo die Fuchsjagd seit 2015 verboten ist, bestätigen, dass die Bestände sich selbst regulieren und es keiner Bejagung bedarf. Das Thema Tollwut hat sich für Deutschland seit 2008 erledigt- und das nicht durch Bejagung, sondern durch Auslegung von Impfködern- und der Fuchsbandwurm ist die seltenste parasitäre Erkrankung in ganz Europa.
Da diese Fakten jedoch keine Reaktion oder auch nur Wahrnehmung seitens der Bundesregierung hervorrufen, sind wir es, die nun hier sind- mit vereinten Kräften. Nach und nach wird unsere Gruppe größer, Necla von Gartzen von der Tierschutzpartei, die diese Mahnwache initiiert hat, mit ihren Parteikollegen, weitere Tierschützer, Unterstützer von PETA und dem Aktionsbündnis Fuchs, treffen ein. 15 sind wir, als alle da sind. Wir nehmen mit unseren Transparenten Aufstellung und werden von der anwesenden Polizei darauf hingewiesen, das festliche „Verblasen“ nicht zu stören.
Vor unseren Augen entfaltet sich ein unwirkliches Szenario, als immer mehr und mehr Mitglieder der Jägervereinigung Kahlgrund eintreffen, rund 50 sind es schließlich, die in festlicher Stimmung stolz säckeweise erlegte Tiere heranschleppen, sich feiern und auf die Schultern klopfen ob des heldenhaften Einsatzes an diesem Morgen. Das festliche Verblasen wird dann doch gestört- Sammy, ein weißer Schäferhund aus unseren Reihen nimmt das Halali zum Anlass, ein lautes Heulen anzustimmen und auch nach Verstummen der Jagdhörner heult er weiter- zunächst noch belustigend und im Ton genau, geht es über in ein tiefes, trauriges Heulen, das klingt, als ob er um die toten Kameraden weint. Ein Gänsehautmoment, den sich keiner traut, zu unterbrechen. Sammy entscheidet, wann es genug ist und es folgt ein Moment andächtiger Stille, in dem sich hoffentlich einige, wenn nicht gar alle anwesenden Jäger, unwohl in ihrer Haut gefühlt haben mögen.
Wie viele Tiere wirklich ihr Leben lassen mussten, ist nicht klar ersichtlich, da nicht wie sonst üblich “Strecke gelegt“ wird (hierbei werden alle bei einer Jagd getöteten Tiere zur Beschau ausgelegt), sondern nur zwei Tiere präsentiert werden. Am Schwanz gepackt, aus dem Sack gezogen und auf ein paar Tannenzweige geworfen wie Abfall- der sie am Ende des Tages sein werden, wenn man sich ausreichend am Anblick ihrer zerstörten Körper ergötzt hat. Ob die „Kurzstrecke“ der Anwesenheit der Tierschützer geschuldet ist, kann man nur mutmaßen. Aber dass ankommende Jäger auf dem Parkplatz mit ihren Beutesäcken abgefangen werden und diese dann außer Sicht bringen, ist nicht als gängige Praxis anzunehmen. Bei den ausgelegten Tieren handelt es sich nicht, wie anzunehmen, um zwei Füchse, sondern um einen Fuchs und einen Waschbären.
Dieser wurde angeblich zu Forschungszwecken erlegt und von einem Vertreter der Uni Frankfurt - der kurioserweise an diesem Morgen zugegen war und dem in der Ansprache besonderer Dank seitens der Jäger zugesprochen wurde - nach der traurigen Veranstaltung, in einen Sack gepackt und mitgenommen.
Auch wir packen ein, mit Kopfschütteln und Tränen in den Augen ob dieser sinnlosen Grausamkeit. Auch wenn es hart war und kalt, wir werden wiederkommen, in der Hoffnung, dass es irgendwann das letzte Mal sein wird und endlich, endlich wirklich Ruhe und Frieden ist, im Wald.

Bürgerreporter:in:

Thomas Rank aus Günzburg

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