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Aus der Geschichte für ein friedliches Europa lernen

: Museumsleiter Raphael Gerhardt, Stefan Baisch, Vorsitzender des Historischen Vereins Günzburg, Stadträtin Sonya Nicolas aus Lannion und Oberbürgermeister Gerhard Jauernig bei der Ausstellungseröffnung (v.l.). (Foto: Baisch/ Historischer Verein)
Oberbürgermeister Gerhard Jauernig eröffnete im Heimatmuseum Günzburg die Sonderausstellung „Erster Weltkrieg 1914–1918. Die Kriegserlebnisse des Günzburgers Franz Keller“ zusammen mit Stadträtin Sonya Nicolas aus Lannion.

Die beiden Weltkriege 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 haben unendliches Leid über Europa und die Welt gebracht und stellten besonders für das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich eine schwere Hypothek dar. Dass er im Jahr 2018 gemeinsam mit einer Vertreterin von Günzburgs französischer Partnerstadt Lannion an den Ersten Weltkrieg erinnern könne, so Gerhard Jauernig, sei nicht nur eine politische, sondern auch eine gesamtgesellschaftliche Leistung. Er dankte allen, die zu Versöhnung und Verständigung beitrügen, die deutsch-französischen Freundschaft mit Leben füllten und sich etwa in den Partnerschaftskomitees der beiden Städte engagierten. Der Vorsitzende des Historischen Vereins Günzburg, Stefan Baisch, und Museumsleiter Raphael Gerhardt hoben in ihren einführenden Worten die Aktualität der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg heraus. „Die Ausstellung zeigt, dass hinter den riesigen Opferzahlen und den unzähligen Namen auf Kriegerdenkmälern und Vermisstenlisten immer Einzelschicksale stehen“, betonte Gerhardt. Jeder einzelne Soldat sei es wert, thematisiert zu werden. Gerade die millionenfach überlieferten Feldpostbriefe der Soldaten an ihre Angehörigen in der Heimat seien dafür, so Gerhardt, besonders wertvoll. Sie ermöglichten auch heute noch einen Perspektivwechsel, wenn man feststelle, dass auf beiden Seiten der Front dieselben Überzeugungen, Ängste und Gefühle geherrscht hätten. Dies wurde deutlich, als Sonya Nicolas, Stadträtin aus Lannion, den Feldpostbrief eines jungen französischen Soldaten vorlas und über das Weltkriegsgedenken in Frankreich berichtete.

Kern der Ausstellung im Günzburger Heimatmuseum ist der Nachlass des Günzburger Lehrers Franz Keller (1895–1971), der als junger Soldat am Ersten Weltkrieg teilnahm und erst im November 1919 aus englischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Seine autobiographische Sammlung enthält eine lückenlose Dokumentation seiner Kriegserlebnisse in Form von Fotos, Skizzen, Briefen und Objekten. Aus ihr gestalteten Barbara und Leonhard Grüner aus Wasserburg für den Historischen Verein die Ausstellung. Sie ist vom 27. Oktober bis 2. Dezember jeden Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr im Rokokosaal des Heimatmuseums zu sehen.

Am 8. November findet im Rahmen der Ausstellung um 19 Uhr eine Lesung im Heimatmuseum statt. Die Autorin Caro Clement liest an diesem Abend aus ihrem Buch „Mit treudeutschem Gruß“. Clement hat darin die Feldpostbriefe eines entfernten Verwandten aus Niedersachsen ausgewertet und ihre Recherche hat sie auch nach Günzburg geführt.
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