100 Jahre Frauenwahlrecht – Mit Taten statt Worten zum Ziel

Die Historikerin Sonja Schultheiß-Heinz von der Universität Bayreuth und der Regionalbeauftragte der Hanns-Seidel-Stiftung Hans Joas. | Foto: Christine Mayr
  • Die Historikerin Sonja Schultheiß-Heinz von der Universität Bayreuth und der Regionalbeauftragte der Hanns-Seidel-Stiftung Hans Joas.
  • Foto: Christine Mayr
  • hochgeladen von Hans Joas

Mit Taten statt Worten und ungewohnten Aktionen kämpften vor über hundert Jahren die Frauen für das Wahlrecht. Dies bedeutete aber noch lange nicht die Gleichstellung von Frauen und Männer. Ständisches Denken hatte lange Zeit die Oberhand. Etwa zehn Prozent aus dem Adel und Klerus bestimmten über den Rest der Bevölkerung. Die Historikerin Sonja Schultheiß-Heinz von der Universität Bayreuth schilderte fundiert wie unterhaltsam die Entwicklung bei einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung im Gasthof Linde in Deffingen. Die Günzburger Frauen Union hatte dazu eingeladen. Übrigens war die Ostallgäuer Landtagsabgeordnete Angelika Schorer die erste Frau als direkte gewählte Stimmkreisabgeordnete in Schwaben.

Den Frauen ging es vor einhundert Jahren nicht nur um das Wahlrecht für das weibliche Geschlecht. Sie kämpften auch um die Gleichstellung aller Bürgerinnen und Bürger. Dabei hatten sie nicht immer die Unterstützung ihrer Geschlechtsgenossinnen, anderseits stand ihnen zumindest auch ein Teil der Männerwelt bei. Im Ziel waren sich auch die Bürgerlichen und sozialdemokratischen Frauen einig. Doch demonstrierten die einen in Kutschen und Automobilen, während die anderen zu Fuß unterwegs waren. Bei Letzteren stand dazu aber auch das Klassenkämpferische im Vordergrund. Allen ging es neben dem Wahlrecht, der Gelichstellung vor allem auch um den Zugang zu Bildung und den Berufen.

Nachdem im November 1918 das Wahlrecht in Deutschland eingeführt wurde, buhlten 1919 bei der ersten Reichstagswahl alle Parteien um die Stimmen der Frauen. Mit neun Prozent blieb der Anteil der Frauen im damaligen Parlament aber sehr bescheiden. Interessanterweise verlangten 1945 die Besatzungsmacht Russland für die DDR wie auch die westlichen Alliierten für die BRD dass das Frauenwahlrecht und die Gleichstellung der Geschlechter im Grundgesetz bzw. den Verfassungen auch umgesetzt werden. Vieles Unbekanntes war über die Einführung des Frauenwahlrechts an diesem Abend zu erfahren. Das Frauenwahlrecht ist nicht einfach vom Himmel gefallen. Das Wahlrecht musste von den Frauen genauso ersehnt, eingefordert und erkämpft werden wie das allgemeine Wahlrecht für die männlichen Bürger. Doch der Weg dahin war für Frauen deutlich länger.

Bürgerreporter:in:

Hans Joas aus Günzburg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.