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Oettinger „Horror-Hof“: Zustände nach Veterinäramtskontrolle noch schlechter - Tierschützer veröffentlichen aktuelle Aufnahmen und wenden sich abermals an Behörden und Stadt

(Foto: Animals United)
 
(Foto: Animals United)
Anfang vergangener Woche konfrontierte die Tierschutzorganisation ANIMALS UNITED die Stadt Oettingen und das zuständige Veterinäramt in Donau-Ries mit umfassendem Beweismaterial über katastrophale Zustände in einem Bauernhof und forderte ein sofortiges und nachhaltiges Eingreifen der Behörden. Von grober Vernachlässigung, mangelnder und falscher Verpflegung, grausamen Todesfällen und erschreckenden Hygienemängeln war die Rede. Die ganze Stadt zeigte sich erschrocken, das Veterinäramt inspizierte den Hof noch am selben Tag, wollte aber keine Verstöße finden und erteilte lediglich ein paar kleine Auflagen. Aktuelle drastische Aufnahmen, die die Tierschutzorganisation heute veröffentlichte, zeigen, dass die Situation sich sogar noch verschlimmert hat. Weiterhin bestehe akute Verletzungsgefahr für die Rinder und Katzen auf dem Hof und seien die hygienischen Zustände gar schlimmer als zuvor. Die Tierschützer haben daher heute abermals Anzeige beim Veterinäramt erstattet und die Stadt sowie die Bürgermeisterin informiert. Sie bitten die Behörden sowie den Bauern selbst um ein „Weihnachtswunder für die Tiere“ und bieten weiter ihre Hilfe dafür an.

Aktuelle Entwicklungen:
Seit der Veröffentlichung des schockierenden Materials durch die bundesweite Tierschutzorganisation ANIMALS UNITED vergangene Woche, ist Oettingen in Aufruhr, der Horror-Hof ist Gesprächsthema Nummer eins. Nur bei den Behörden scheint das Thema verstummt. Während sich die 1. Bürgermeistern Petra Wagner anfangs „erschüttert“ zeigte und das Veterinäramt den Fall zu „höchster Priorität“ erklärte, ist seit der Stellungnahme des Amts letzte Woche nichts mehr zu hören. In dieser hieß es, dass sich die Tiere „in keinem Zustand befanden, der ein umgehendes Eingreifen aus tierschutzrechtlicher Sicht erforderlich machte“. Es habe nur kleinere Beanstandungen gegeben. Es wurde gar gegen die Tierschützer sowie die berichtende Presse geschossen. Simon Kapfer vom Büro des Landrats sprach von „schlecht recherchierten Berichten“ und „unbestätigten illegal aufgenommene Bilder eines Vereins“. Er versicherte, dass bei „Verstößen gegen das Tierwohl umgehend reagiert“ würde und dem Amt „das Tierwohl am Herzen liegt“. Dr. Thomas Kellner, der Leiter des Veterinäramts Donau-Ries, verglich den Fall mit einer Verkehrsangelegenheit: „Beim ersten Verstoß wird ja auch nicht der Führerschein auf Lebenszeit entzogen“ und äußerte generell, dass „wirklich viel passieren muss, bis es zum Tierhalteverbot kommt“. ANIMALS UNITED hat daher heute Morgen, nach eingehender tierärztlicher Beurteilung, brandneues Videomaterial veröffentlicht, das zeigt, dass auf dem Hof weiterhin desolate hygienische Zustände herrschen und akute Lebensgefahr für die Tiere besteht - die Situation habe sich sogar verschlechtert. Die dem Verein zugespielten Aufnahmen seien von dieser Woche, also nach der Kontrolle durch das Veterinäramt, das keine Mängel entdeckt haben will. Sie zeigen schlecht gepflegte und teils angebundene Rinder, die über und über mit Kot bedeckt sind, auf dem matschigen Stallboden umherrutschen und sich teils verhaltensauffällig im Kreis drehen. Ferner verdorbenes Futter und verschmutzte Tränken, die wohl wieder in Betrieb genommen wurden. Der Stall ist überfüllt mit Kot, sperrmüllartige Gegenstände wie verrostete Mistgabeln, offene scharfkantige Futterdosen und Plastikmüll liegen umher, die eine akute Verletzungsgefahr für die Rinder und Katzen darstellen. Die Futternäpfe der Katzen sind deutlich verschmutzt, ungeeignete Futtermittel wie Backwaren und Milch sind zu erkennen, die Durchfall verursachen, mitunter für Katzen giftige Substanzen wie Xylit enthalten können und daher nicht verfüttert werden dürfen. Dass das Amt nicht durchgegriffen hat, ist für die Tierschützer bei derartigen Zuständen nicht nachvollziehbar. Sie haben daher heute Morgen abermals Anzeige beim Veterinäramt erstattet sowie die Stadt und die Bürgermeisterin informiert. Ihre Forderung und Bitte: Den Tieren und dem sichtlich überforderten Bauern endlich zu helfen. Sie bieten sich weiter an, die Tiere zu vermitteln. Gemeinsam könnte man „ein Weihnachtswunder wahr werden lassen“.

Statement - Viktor Gebhart, Geschäftsführer von ANIMALS UNITED e.V.:
„Die Zustände auf dem Oettinger Hof haben sich trotz der Kontrolle des Veterinäramts verschlimmert. Es liegen klare Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor, wie eine akute Verletzungsgefahr, die eine Beschlagnahmung rechtens machen. Einem völlig überforderten Bauern Mitte 70, der offenkundig selbst dringend Hilfe benötigt, weitere Auflagen zu machen, die er nicht einhalten kann, ist auch menschlich äußerst fragwürdig. Ausflüchte und Unterstellungen seitens der Behörden in unsere Richtung sowie Vergleiche zu Verkehrsdelikten, die die Zustände auf dem Hof herunterspielen sollen, sind absolut unangemessen. Wir haben klare Missstände gemeldet, haben hierzu bis dato jedoch nie eine Antwort bekommen, weder von der Stadt noch dem Veterinäramt. Es handelt sich in diesem Fall nicht um den ersten Verstoß oder kleine Verkehrssünden sondern eine konsequente Reihe an Verstößen, die trotz Auflagen weiter bestehen, Leiden verursachen und bereits mehrfach Tierleben gefordert haben. Dass die Tiere dem Amt am Herzen liegen wollen, wird damit schon fast zum Hohn für deren Leid“, so Viktor Gebhart von ANIMALS UNITED.



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