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The Roger Cicero Jazz Experience -Live auf CD

(Foto: Agentur)

The Roger Cicero Jazz Experience umgeht die müßige Frage, was Jazz ist, mit der Nonchalance der versierten Neugierde. Zwei Jahre war die Band live unterwegs und stieß allenthalben auf offene Ohren. Ihr gleichnamiges Debütalbum unterstrich das freiheitlich geprägte Musikverständnis der vier Protagonisten. Besonders auf ihren Konzerten ließ sich auch die enorme Spielfreude der Band erkennen. Die Baloise Session vom 09.11.2015 ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Das daraus entstandene Live-Album zeigt, wie jedes Mitglied in der Musik aufgeht und bildet somit ein ausdrucksstarkes Vermächtnis für den im März 2016 viel zu früh verstorbenen Roger Cicero.


Am Anfang stand der Wunsch nach Wiederaufnahme einer alten Musikfährte. Roger Ciceros erste Annäherung an ein Jazz-Repertoire fand im Bundesjugendorchester statt, mit 18. Während seines Jazzgesang-Studiums in Hilversum kam Leidenschaft ins Spiel. Männersachen, großstrahliger Pop mit Big Band und ein ausgemachtes Charts-Abo folgten. Seine Popularität beim Publikum stand Ciceros persönlichem, weit gefasstem Musikerselbstverständnis nie im Weg. 2013 schließlich erlaubte der Kalender Zeit zur freien musikalischen Dialogführung zwischen vier ausgewiesenen Charakteren . eine Tugend, für die Ciceros Big Band schlicht zu umfangreich schien. Ein erfrischend neuer Quartett-Sound entstand dabei, an dessen Genetik alle vier Musiker gleichmäßigen Anteil haben. Obschon in definierten Genres, in Pop, Funk und Straight-ahead-Jazz zuhause, ist Schlagzeuger Matthias Meusel überaus soundmalerisch unterwegs. Mit einnehmender Puls- und Klangpräsenz, hält er das Groove-Potenzial der Band gleichsam geschmeidig und dynamisch. Maik Schott, eigentlich im Pop verorteter Keyboarder mit großem Enthusiasmus für alte Synthesizer-Schätzchen, zelebriert auf dem Album. „The Roger Cicero Jazz Experience“ sein außergewöhnliches Coming Out als kompromissloser Jazz-Pianist. Die große Melodienhingabe des Quartetts wird von ihm mit beeindruckenden Stimmungen, grenzenloser Kreativität und dynamischem Tastenanschlag am Flügel in Szene gesetzt. Kontrabassist Hervé Jeanne ist der Anker der homogen-eingeschworenen Musikerbande. Mit ausgesucht einladendem Klang grundiert der mit seinem Instrument verwachsen scheinende Tieftonmeister die feinmotorische Finesse der Roger Cicero Jazz Experience. Die Stimme ihres Namensgebers darf während des Hörens des Albums neu und anders entdeckt werden. Im Kontext seiner Big Band ist stimmliche Wucht von Roger Cicero gefordert. Im Zusammenspiel des
Quintetts regiert sein großes Vermögen an gesanglichen Zwischentönen, die in der vorliegenden Bandbreite bislang ungehört blieben. Das Repertoire des Quartetts entstammt strikt egoistischen Motiven. Es kamen ausschließlich Songs in die engere Wahl, die in den vier Musikern über Jahre etwas bewegten. Zwar zählen die Klassiker .Moody.s Mood. und .Benny.s From Heaven. fraglos zum ewigen Jazz-Songbook, aber dem Jazz-Diktat folgt keins der Arrangements des Albums. Neue Interpretationen bekannter Song-Monolithen und freie Auffassungen scheinbar vergessener Song-Perlen kreieren Stimmungen, die nicht zuletzt ihrer Gegensätze wegen spannend klingen und berühren. Das Handwerkliche trifft auf das Sentiment, Dialog-Leitfäden stiften freie musikalische Dialogführungen an, Muskulöses ebnet Feingliedrigem den Weg, Auskomponiertes bereitet der Improvisation Platz. Die Stärke des Repertoires ist das gute Gefühl, das bereitet wird. Zwischen Songstrukturen und freiem solistischen Ausdruck führt die Roger Cicero Jazz Experience Material aus fremder Feder weiter und formt es zu hochmelodiösen, gleichsam metrenstarken Spannungsfeldern. Immunität gegen dieses verlockende Musikerfahrungsangebot ist quasi ausgeschlossen, weil die Band um Cicero Songs, die eigentlich nicht im Jazz angesiedelt sind, in ihrem Jazz- Kontext neu erfahrbar gestaltet. Die große, längst vergessene Kunst des Arrangierens ist eine der vielen Stärken der Roger Cicero Jazz Experience. Jenseits gängiger Genre-Normen. Nee bereits auf dem Studioalbum erschienene Songs ie „Moods Mood“ oder „No Moo at All“ finden sich auf diesem Live-Album mit Van Morrisons Klassiker „Moodae“ ud Steie Woders „Boogie o ‘eggae Woa“ auch zwei bisher unveröffetlichte Titel.


Die Band über The Roger Cicero Jazz Experience – Baloise Session

Wir lassen Songs durch unsere freiheitlich geprägte Jazz-Auffassung neu entdecken, deren Ursprünge eher selten bis gar nicht im Jazz zu finden sind. Deshalb stand bei den Proben nicht der Jazz im Vordergrund, sondern der jeweilige Song, den wir ungezwungen neuerfahren wollten. Die große musikalische Bandbreite, die wir uns mit der Jazz Experience gönnen, ist eine wunderbare Erfahrung, die sowohl unser Publikum als auch wir an jedem Konzertabend aufs Neue erleben dürfen. Vor unseren ersten Konzerten war es mir wichtig, möglichst jedem Konzertbesucher mitzuteilen, dass dieses Programm ausschließlich englischsprachige Jazzversionen enthält, damit unsere Auftritte nicht mit falschen Erwartungen besucht wurden. Trotzdem ließ es sich nicht verhindern, dass manche Besucher .Zieh die Schuh. aus. oder zumindest .Frauen regieren die Welt. Irgendwie doch erwarteten. Aber diese Stücke gab und gibt es im Programm der Jazz Experience nicht, weil wir ihnen keinen Platz geben wollen. Manchmal, vor allem während unserer ersten Konzerte, wurden wir vom Publikum fragend angeschaut und wir spürten auf der Bühne zunächst eine gewisse Zurückhaltung unserer Zuhörer. Aber spätestens nach der letzten Zugabe jedes Konzerts war unser Publikum beseelt und berührt von unserer Musik. Man ließ sich im Laufe der Konzerte immer mehr auf unser Repertoire ein. Solche Reaktionen erleben zu dürfen, war nach jedem Konzert eine große Freude. Enttäuscht oder unglücklich trat niemand den Heimweg an. Wir fühlten unsere Idee bestätigt, Kompositionen und Aussagen von Songs vollkommen frei begegnen zu können, solange wir uns ihnen mit Respekt näherten.

Roger Cicero


Das Projekt „The ‘oger Ciero Jazz Eperiee“ etstad eiahe zufällig, u de Puliku ähred der Vorbereitungsphase für Rogers fünftes Albums mit Jazz Konzerten in kleiner Besetzung eine Freude zu bereiten. Alle Beteiligten gingen dieses Projekt sehr locker und offen an. Roger konnte sich in diesem Kontext besser denn je künstlerisch ausdrücken. Die Resonanz auf unseren Live-Konzerten war überwältigend. Das Konzert am 09.11.2015 in Basel ist ein gutes Beispiel dafür. Die Magie war im Raum und der Funke ist übergesprungen.
Wer hätte gedacht, dass wir an diesem Abend das vorletzte TRCJE Konzert überhaupt spielen würden? Ich bin froh, daß durch diese Live CD das flüchtige Klangerlebnis unserer Konzerte auf Tonträger festgehalten wurde.
Und ich bin mir sicher, dass es auch Roger so geht.
Hervé Jeanne

Roger's Baby 'JazzExperience' zeigt, was ihn immer für mich ausgezeichnet hat - seine ureigene Definition einer Mischung von Jazz und Pop.
Ich danke Dir, Roger, mit diesem Album, für 20 Jahre gemeinsame Zeit vor und hinter der Bühne, im Studio, on the Road, als Musiker und als Freund und Mensch. Es ist mir ein Geschenk diese Zeit mit Dir gehabt zu haben.

Matthias „Maze“ Meusel

Die Jazz Experience bedeutet mir sehr viel – auf der Bühne verstehen wir uns ohne Worte – man nimmt Momente viel feinstofflicher wahr – ohne esoterisch klingen zu wollen.
Das Miteinander Improvisieren auf der Bühne holt einen ins Hier und Jetzt! Das Besondere an der Jazz Experience war, daß man vor keinem Konzert wußte, was musikalisch alles geschieht! Roger hat sich auf der Bühne immer wie ein Kind über diese Überraschungen gefreut!
Maik Schott
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1 Kommentar
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Fred Hampel aus Fronhausen | 25.05.2017 | 19:06  
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